Zwei Dampfhammer im Vergleich

Dickköpfe

Erstellt am: 26. Oktober, 2011

Kategorie: Technik

Magazin:  RC-Monster-Action

Ausgabe: Ausgabe 2012

Erschienen im: Oktober 2011

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Ausgabe 2012
Zwei Dampfhammer im Vergleich

Obwohl sich die RC-Industrie durch die Etablierung immer neuer Modellklassen stetig selbst erneuert, ist die Faszination der Monster Trucks ungebrochen. Um mit viel Getöse durch die Kieskuhle zu bashen, ist eine ordentliche Portion Motorpower unabdingbar. Mit dem 454 und dem M26SS zeigt Losi zwei Optionen auf, die diesem Anspruch gerecht werden wollen.

Eines haben die meisten Monster Trucks im Maßstab 1:8 gemeinsam: Fast immer werden sie in kompletten RTR-Paketen angeboten und verfügen ab Werk neben diversen RC-Komponenten auch über einen eingebauten Motor. Um die Komplettangebote zu marktgerechten Preisen anzubieten, müssen die Hersteller bei der Bestückung Kompromisse eingehen. In der Folge vermag manches Triebwerk die Räder seines Trägermodells mehr schlecht als recht anzutreiben. Hier gilt es, Abhilfe zu schaffen.

Mehr Schub
Zugegeben, eine reine Stand-alone-Lösung ist der Losi M26SS nicht, wird er doch als Basisausrüstung einiger Losi-RTR-Monstertrucks mitgeliefert. Dennoch will er sich auch als Tuning-Option anbieten – und seine Eckdaten sprechen durchaus dafür. Der M26SS schöpft seine Kraft aus einer ABC-Laufgarnitur mit drei Einlässen und einem Heckauslass, die eine Bohrung von 18 Millimeter Durchmesser aufweist. Zusammen mit dem Kurbelwellenhub von 16,75 Millimeter ergibt sich so ein Hubraum von knapp 4,3 Kubikzentimeter.

Die Kurbelwelle weist neben den reinen geometrischen Eckdaten noch zusätzliche Besonderheiten auf. Insgesamt drei Turbofräsungen wurden eingebracht, deren Aufgabe es ist, dem durchströmenden Frischgas einen Drall zu verleihen und es so möglichst effizient zum Brennraum zu leiten. Der vordere Schaft der Welle wurde in SG-Bauweise umgesetzt. Diese Konstruktion hat sich mittlerweile klassenübergreifend bei fast allen Car-Nitromotoren als Standard etabliert. Fast alle gängigen Kupplungssysteme können so ohne weitere Umbaumaßnahmen montiert werden.

Die Gemischaufbereitung erfolgt in einem Schiebervergaser mit fixem 7-Millimeter-Einlass. Um die bei der Energiegewinnung entstehende Wärme möglichst effizient abzuleiten, verfügt der M26SS über einen großen Kühlkopf aus Aluminium, in dessen Zentrum der separate Brennraum inklusive der mitgelieferten Glühkerze in Normal-Bauweise eingebettet wurde. Um das Triebwerk zum Leben zu erwecken, bedient man sich des angeflanschten Seilzugstarters. Dieser leitet die Zugbewegung in der gängigen Konstruktion über ein Freilauflager ins Innere des M26. Insgesamt zeigt der Monstermotor ein relativ konventionelles Design und wird seine Kraft vor allem aus dem üppigen Hubraum schöpfen.

Da geht noch mehr
Eine ordentliche Schippe drauf legt der zweite Proband unserer Gegenüberstellung, der Losi 454. Er wartet mit einer Bohrung von 18,5 und einem Kurbelwellenhub von 17 Millimeter auf, was in der Summe einem Hubraum von etwa 4,6 Kubikzentimeter gleichkommt. Schon hier deutet sich also an, dass Losi bei diesem Triebwerk einen Schritt weiter geht als beim M26SS.

Dieser Eindruck setzt sich bei der Betrachtung der Laufgarnitur fort, die ebenfalls in ABC-Bauweise konstruiert wurde. Hier fördern gleich acht Einlässe Frischgas ins Innere der Laufbuchse, einige davon zur Zylinderfüllung, andere zur Kühlung und Schmierung von Kolbenboden und Pleuel. Jeweils einer der seitlichen Schnürleports zeigt eine nachträglich angebrachte Fräsung, die den Frischgasstrahl partiell aufrichten und so die Füllung optimieren soll.

Die Kurbelwelle des 454 weißt ebenfalls Optimierungen in Form von Turbofräsungen auf und auch bei den Vergasern herrscht Gleichstand – allerdings nur auf den ersten Blick. Zwar sind die Ausführungen beider Motoren offensichtlich aus fast identischen Rohlingen gefertigt. In der Feinbearbeitung bekam der Vergaser des 454 jedoch einen Durchlass von etwa 9 Millimeter spendiert. Dieser Wert ist ebenfalls fix, denn für austauschbare Venturi-Einsätze ist keiner der zwei Kandidaten vorbereitet. Wer den 454 zum Leben erwecken will, hat die Wahl zwischen zwei Alternativen. Zusätzlich zum Seilzug wurde in dessen Gehäuse auch eine Aufnahme für ein Elektrostart-System integriert.

Face to Face
Mehr Hubraum, mehr Einlässe, ein größerer Vergaserdurchlass – der 454 macht kein Geheimnis daraus, dass er in Sachen Leistungsgewinnung in einer höheren Liga spielen will als der M26SS. Doch auch bei der Fertigungsqualität kann sich der größere Bruder absetzen. Vergleicht man die Kühlköpfe der Probanden, zeigt sich, dass der Kopf des 454 nach der Eloxierung nochmals bearbeitet wurde. Der Übergang zur Brennraumabdeckung weist eine plane, farblose Oberfläche auf, deren Beschaffenheit sich ideal zur Ableitung von Wärme eignet. Beim M26SS fehlt dieser zusätzliche Arbeitsschritt gänzlich.

Ebenfalls für höhere Aufgaben geeignet ist das Startersystem des 454, dem eine Stahleinlage eingesetzt wurde. Der M26SS muss hier mit einem Kunststoffmitnehmer auskommen. Die Frage, welche der zwei Lösungen die robustere ist, beantwortet sich damit von selbst. Einen Schwachpunkt jedoch haben beide Triebwerke gemeinsam: Keines von ihnen zeigt einen Ansatz, die entstehende Verbrennungswärme von Vergaser fernzuhalten. Die Vergaserkörper sind jeweils aus Aluminium gefertigt, eine isolierende Einlage oder etwas Ähnliches ist nicht vorhanden. Dadurch droht die Motorenhitze ungehindert auf die Vergaser überzugreifen, was zu Dampfblasenbildung führen kann. Davon betroffene Motoren zeigen ein unruhiges Laufverhalten oder lassen sich ohne Abkühlpause zwischen den Tankfüllungen nur schwer zum Neustart überreden.

Nach der eingehenden Untersuchung zeigt sich unter dem Strich ein doch recht eindeutiges Bild. Der 454 ist dem M26SS grundsätzlich in allen Belangen mindestens ebenbürtig, meist jedoch sogar deutlich überlegen. Er ist stärker, feiner bearbeitet und verfügt über ein robusteres sowie flexibler nutzbares Startsystem. Die Stärken des M26SS resultieren vor allem aus seinem günstigeren Preis, der die Hobbykasse spürbar weniger belastet.

Doch daneben gibt es noch etwas anderes, das für den M26 spricht. Die Antriebsstränge gängiger RTR-Monstertrucks sind oft auf relativ gutmütige Motorisierungen ausgelegt. Tauscht man so ein zahmes Triebwerk gegen den M26SS, dürfte eine adäquate Leistungssteigerung erzielt werden, ohne dass das Trägermodell großartig aufzurüsten wäre. Ganz anders schaut es da beim 454 auf: Seine Power wird in vielen Fällen eine deutliche Verstärkung des Antriebsstrangs erfordern. Differenziale, Antriebswellen und Getriebezahnräder in RTR-Qualität dürften sonst schnell an ihre Grenzen kommen. Wer also plant, die maximale Power aus seinem Monster zu holen, ist mit dem 454 und der Bereitschaft, zusätzlich in die Peripherie zu investieren, auf dem richtigen Weg. Besonders für Hobbyeinsteiger aber, die ihrem Modell vielleicht zum ersten Mal ein Powertriebwerk spendieren wollen, kann der M26SS die bessere Wahl darstellen.