Weltmeisterschaft 1:10 und 1:12 Elektro-Glattbahn

Weltmeisterschaft 1:10 und 1:12 Elektro-Glattbahn

In der Hölle ist es vor allem eins: heiß! Heiß ging es aber auch bei der IFMAR-Weltmeisterschaft in Thailand zu und zwar nicht nur auf der Strecke, denn das Klima war so, wie wir Mitteleuropäer es kaum kennen: höllisch. Daher hatte die Strecke schnell den Namen „Devils Hell“ weg. Genau dort trafen sich vom 9. bis 16. November die besten Fahrer der Welt und kämpften darum, wer als Nächstes zwei Jahre lang den Titel IFMAR-Weltmeister in den Rennklassen 1:12 und 1:10 tragen darf.

Bei diesem wichtigen Event waren fast alle großen Hersteller mit eigenen Wagen und Zubehör am Start: Tamiya, Hot Bodies, XRAY, LRP electronic, Team Orion und NOSRAM waren nur einige der Firmen, die die Qualität ihrer Produkte unter Beweis stellen wollten. Bemerkenswertes leistete vor allem LRP. Denn in der der Klasse der 1:10er-Tourenwagen hatten mehr als die Hälfte der zehn besten Final-Fahrer LRP-Teile in ihren Wagen montiert. Bei den kleineren 1:12ern war es immerhin noch die Hälfte der ersten Zehn.

Kämpfe im Kleinen
Im Gegensatz zur letzten WM wurde dieses Mal nicht drinnen, sondern auf einer Asphalt-Strecke gefahren. Damit galten von Anfang an die Japaner als Favoriten, da im Land der aufgehenden Sonne mehr auf Asphalt als auf Teppich gefahren wird. Erschwerend kamen noch die Temperaturen hinzu, denn extreme Hitze sorgte für zusätzliche Belastung von Mensch und Material.

Wie zu erwarten, war es ein Japaner, der bei der Qualifikation vorn lag. Der 15-jährige Naoto Matsukura führte das Feld mit seinem NOSRAM PURE Evolution powered AE/Yokomo an. Das Glück des Führenden verlor Matsukura während des ersten Renn-Finales, als ihn eine Kollision mit Marc Rheinard auf Platz zwei zurückwarf. Siegreich aus diesem Lauf ging der finnische Associated/LRP-Fahrer Juho Levänen. Platz drei ging an den japanischen Hot-Bodies-Fahrer Hideo Kitazawa.

Im zweiten Finale ging es viel ruhiger zu als beim ersten Lauf. Weit weniger actionreich gestaltete sich das Rennen. Naoto Matsukura fuhr schnell an die Spitze und konnte auch nicht mehr gestoppt werden. Platz zwei ging an Juho Levänen. Einzig Platz drei war heiß umkämpft, denn Marc Rheinard und Hupo Hönigl schenkten sich nichts. Am Ende konnte jedoch CRC/LRP Fahrer Hönigl Rheinard auf Platz vier verdrängen.

Die dritte Finalrunde brachte dann nicht viel Neues. Das erwartete spannende Rennen blieb aus. Viel mehr präsentierte sich der dritte Lauf als eine Wiederholung des zweiten Rennens. So verwunderte es nicht, dass Matsukura vor Levänen und Hönigl siegt. Damit stand dann auch der neue Weltmeister Naoto Matsukura fest. Er ist der jüngste Weltmeister in der Geschichte der IFMAR-Weltmeisterschaften. Platz zwei der Gesamtwertung sicherte sich Levänen, der kein Rennen mit weniger als einem zweiten Platz beenden konnte. Platz drei ging an den Österreicher Hönigl.

Kämpfe im Großen
Bei den Weltmeisterschaften in 1:10 sah es ganz anders aus als bei den kleineren Wagen. Im Vorfeld hatte sich keiner der Fahrer als klarer Favorit herauskristallisiert. Bereits bei den ersten Probedurchläufen waren sich alle Teilnehmer einig, dass die neue 1:10er-Strecke sehr gut zu fahren sei. Bereits nach den ersten paar Trainingsrunden war ein Favorit für die kommenden Kämpfe gefunden: Die RC-Legende Masami Hirosaka aus Japan fuhr mit seinem Yokomo-Tourenwagen die schnellsten Runden.

Auch bei den 1:10ern hatten die Teilnehmer unter den schwierigen klimatischen Umständen zu leiden, denn für die Batterien waren die Temperatur und die hohe Luftfeuchtigkeit eine Tortur. Die Devils Hell, machte ihrem Namen alle Ehre, denn fünf Minuten hier zu fahren, konnte wahrhaft ein Ritt durch die Hölle werden. Mit einer zusätzlichen Kühlung und anderen Tricks konnten die meisten Fahrer jedoch diese Probleme beheben.

Während der Qualifikationsläufe änderte sich plötzlich das Favoritenbild, denn der Japaner Atsushi Hara verdrängte mit seinem Wagen von Hot Bodies Hirosaka von Platz eins. Die ersten drei Qualifikationsrunden gewann der Japaner. Nur Marc Rheinard konnte ihm gefährlich werden, denn dieser gewann die nächsten zwei Runden und konnte erst im sechsten und letzten Lauf von Hara auf den zweiten Startplatz verwiesen werden.

Im ersten der drei Finalläufe ging es zwar zuerst sehr ruhig zu, doch ein Missgeschick änderte das erwartete Ergebnis völlig: In Runde drei fuhr Marc Rheinard in den Wagen von Hara. Jedoch zeigte der Deutsche Sportsgeist und wartete darauf, dass Hara wieder ins Rennen fand. Bei dieser fairen Aktion passierte es jedoch, dass der Schwede Victor Wilck nicht mehr ausweichen konnte und Rheinard in den Wagen fuhr. So konnte Massami Hiosaka als glücklicher Gewinner aus dem Rennen hervorgehen. LRP-Fahrer Ronald Völker erreichte Platz zwei vor Elliot Harper mit seinem NOSRAM Xray.

Im zweiten Finalrennen änderte sich dann wieder alles, als Atsushi Hara das Rennen klar vor Marc Rheinard und Ronald Völker gewinnen konnte. Die Karten waren damit wieder neu gemischt.

Im letzten der drei Läufe gab es ganze fünf Anwärter auf den begehrten Meistertitel. Gleich von Beginn an zogen zwei Fahrer dem Feld davon. Atsushi Hara dominierte vor Marc Rheinard. Rheinard blieb stets einen knappen Meter hinter Hara und suchte die perfekte Lücke für ein Überholmanöver. Nach vier Minuten war dann ­Rheinards Moment gekommen: In der ersten Kurve nach der langen Geraden zog er an Hara vorbei, der währenddessen auf den Curbs fuhr. Verbissen versuchte Hara seinen Platz zurückzuerobern, was am Ende darin gipfelte, dass er nach einem erneuten Ausritt auf einen Curb nur noch auf Platz fünf fahren konnte. Somit stand der neue Weltmeister fest: Marc Rheinard aus Deutschland fuhr mit Tamiya den Titel heim.

Marc Rheinard ist somit bereits das zweite Mal bester Fahrer der Welt – eine solche Leistung konnte bisher noch kein RC-Car-Pilot erreichen. Alles in allem war die WM ein echter Erfolg für Deutschland, denn die deutschen Fahrer konnten mit je einem ersten, zweiten und vierten Platz zeigen was sie drauf haben.