Sparrowhawk VX von Thunder Tiger

Sparrowhawk VX von Thunder Tiger

„Sparrowhawk“ oder wörtlich „Spatzenhabicht“ zielt auf ein biologisches Vorbild ab, das in deutschsprachigen Gefilden besser als Sperber bekannt ist. Dieser kleine, wendige Raubvogel ist berühmt für Schnelligkeit und seinen offensiven Jagdtrieb. Thunder Tiger legt mit der Namensgebung die Messlatte für den Sparrowhawk VX also hoch.

Schon das optische Erscheinungsbild eines Raubvogels mit seinem kräftigen Schnabel und den scharfen Krallen ist eigentlich Ausdruck genug. Entsprechend wählte Thunder Tiger für unser Testmodell die Karosserie des Nissan Skyline GT-R R34. Wer „The fast and the furious“ kennt, weiß, aus welchem Holz diese japanischen Sportcoupés geschnitzt sind.

Der Auftritt
Das optische Erscheinungsbild der Nippon-Renner ist für europäische Geschmäcker durchaus gewöhnungsbedürftig. Oftmals zieren riesige Heckspoiler den hinteren Fahrzeugbereich, die allerdings ihren Sinn haben: Die häufig verbauten Sechszylinder-Motoren mit Biturbo-Aufladung ermöglichen mit teilweise vierstelligen PS-Werten derart mächtige Fahrleistungen, dass genügend Traktion auf der Hinterachse ein absolutes Muss darstellt. Eben diesen Kriterien folgt auch die Haube auf dem Sparrowhawk VX, was dem RC-Tourenwagenfahrer durchaus entgegenkommt. Abtrieb ist immer gut.

Unter der Lexanabdeckung zeigt sich ein bekanntes Bild. Der Sparrowhawk verfügt über einen Allradantrieb mit einer starren Mittelantriebswelle, die die Vorder- und Hinterachse miteinander verbindet. In Fahrtrichtung links wurde die Elektronikausstattung angeordnet, rechts findet sich der sechszellige Fahr­akku. Dass dieser bereits im Lieferumfang enthalten ist, gehört nicht zu den ganz großen Sensationen, wird aber natürlich gern zur Kenntnis genommen. Viel wichtiger ist aber, um was für eine Ausführung es sich handelt: Statt der sonst in RTR-Modellen gängigen NiCd-Zellen handelt es sich hier um einen NiMH-Pack mit reichlichen 2.400 Milliamperestunden Kapazität. Diese Daten machen den Stromspeicher zu mehr als nur einer „Dreingabe“. Gefüllt wird er mit dem ebenfalls beiliegenden Stecker-Ladegerät.

Ausgewogenheit
Modelle von Thunder Tiger konnten schon in vergangenen Testberichten durch ihre guten Ausstattungen mit Elektronik-Bauteilen glänzen. Der Fahrakku macht hier keine Ausnahme, und auch an anderer Stelle setzt sich diese erfreuliche Tradition fort. Der mittig verbaute Empfänger arbeitet in 40 Megahertz AM. Zwar wäre eine FM-Variante noch angenehmer gewesen, gegenüber den sonst häufig angetroffenen RC-Komponenten in 27 Megahertz AM stellt dies schon einen deutlichen Mehrwert dar.

Die empfangenen Steuereingaben des Piloten werden einerseits an den Veloci-RS-Regler weitergegeben, der für die Umsetzung von Gas und Bremse verantwortlich ist. Dieser ist bereits ab Werk voreingestellt. Zusätzlich wurde er mit einem passiven Kühlkörper versehen, der die Betriebstemperatur im grünen Bereich halten soll. Umgesetzt wird das Ganze schließlich von dem längs sitzenden Reedy-RADON-Bürstenmotor, der laut Aufdruck eine Leerlaufdrehzahl von 30.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung stellt. Dieser Wert ist für ein RTR-Modell zumindest vom Papier her sehr ordentlich und verspricht gute Fahrleistungen.

Der Motor verteilt seine Kraft über eine starre, vollkommen spielfrei angebrachte durchgehende Mittel-Antriebswelle. Von dort aus geht es durch gedichtete Kegelrad-Differenziale zu den Rädern. Diesen letzten Abschnitt übernehmen vorne und hinten Stahlantriebswellen in CVD-Bauweise. Der Verzicht auf Knochenwellen ist für ein Modell dieses Preissegments durchaus unüblich. Umso mehr freut sich der neue Besitzer darüber, dass Thunder Tiger an dieser Stelle offensichtlich auf den Rotstift verzichtet und die deutlich spielärmer arbeitenden CVDs eingesetzt hat.

Die Richtungswechsel werden wie üblich direkt aus dem Empfänger in das S-1903-Lenkservo eingespeist. Dieses Modell ist schon aus anderen Testmodellen bekannt und konnte dort durchaus überzeugen. Damit es bei ungewollten Krafteinwirkungen auf die Vorderachse, wie zum Beispiel einem Einschlag oder einer „Feindberührung“ nicht in Mitleidenschaft gezogen wird, wurde ihm von Thunder Tiger ein Servosaver spendiert. Hierbei ist anzumerken, dass der Saver mit einer Metallfeder arbeitet, was durchaus zu begrüßen ist. Gegenüber Ausführungen mit Kunststofffeder arbeitet diese Variante in der Regel mit einer deutlich besseren Rückstellgenauigkeit.

Straßenfeger
Zu den wichtigsten Kriterien für ein erfolgreiches Onroad-Fahren gehören natürlich auch die Aufhängung und das Fahrwerk. Erstere basiert auf unteren Dreieckslenkern an allen vier Rädern. Im oberen Bereich wurden Kunststoffachsen mit Kugelköpfen eingesetzt. Diese verfügen nicht über die Möglichkeit, in ihrer Länge justiert zu werden. Sturzeinstellungen sind damit passé, was die eindeutige Ausrichtung des Sparrowhawk für Einsteiger kennzeichnet. Durch die starren Sturzstangen wird einerseits verhindert, dass ein unerfahrener Pilot sein Car ungewollt unsymmetrisch einstellt. Auf der anderen Seite können Feinabstimmungen aber nicht vorgenommen werden. Gleiches gilt für die Spurstangen der Lenkung und deren Anbindung an das Lenkservo.

Die flachen Stoßdämpferbrücken verfügen vorne und hinten über jeweils drei Aufnahmepunkte für die Stoßdämpfer, die allerdings in der Namensgebung nicht ganz treffend sind. Das Modell verfügt, genau genommen, nämlich gar nicht über Stoßdämpfer, sondern vielmehr lediglich über eine Federung. Hier wurden Kunststoffteile gewählt, die zwar an die Bauform eines Stoßdämpfers angelehnt sind, statt einer Kolbenstange wurden aber lediglich Kunststoffröhrchen eingesetzt, die weder durch Öldruck noch durch Reibung eingebremst werden. Die Basis des Modells bildet ein verwindungssteifes Wannenchassis aus Kunststoff-Komposit. Um ein Durchbiegen noch effizienter zu unterbinden, verläuft im oberen Bereich eine Strebe durch das gesamte Fahrzeug. Sie verfügt über diverse geschraubte Montagepunkte und ermöglicht so eine sehr flexarme Gesamtkonstruktion. Zur Verhinderung von Schäden nach Frontaleinschlägen wurde dem ­Sparrowhawk ein straffer, reichlich dimensionierter Rammer vor die Nase geschraubt.

Auf der Piste
Nach all der Theorie galt es nun für unseren Tourenwagen, seine Qualitäten auch in der Praxis unter Beweis zu stellen. Obwohl das Car sicherlich in erster Linie für Parkplatzfahrten ausgelegt wurde, gibt eine asphaltierte Onroad-Rennpiste mit ihren Anforderungen noch immer den besten Aufschluss über Kriterien wie Fahrverhalten und Performance. Auf einer solchen Strecke durfte der Thunder-Tiger-Renner dann auch die ersten Meter unter die Räder nehmen. Nachdem der Fahrakku geladen war, galt es noch, Batterien in den Sender einzusetzen. Letzterer begegnete uns in Form eines alten Bekannten: Der Jaguar-T2P-Coltsender ist schon aus vergangenen Tests bekannt und in guter Erinnerung geblieben. Neben den obligatorischen Funktionen wie Servoumkehr und Trimmung für Lenkung und Gas/Bremse verfügt er über einige angenehme Zusatzfeatures wie Servowegbegrenzung, Dualrate und eine Ladebuchse für die Senderakkus. Nach wie vor ist die T2P im Vergleich mit anderen RTR-Sendern sehr ordentlich ausgestattet.

Nach der Bestückung mit Stromversorgern für Modell und Sender hieß es dann: Abfahrt. Die bereits erwähnte Dualrate-Funktion für die Lenkung ist werkseitig auf minimalen Lenkausschlag voreingestellt und dies offensichtlich aus guten Grund. Die profilierten Rennreifen boten auf der Asphaltpiste einen derart guten Grip, dass schon recht geringe Lenkbefehle zu den erwünschten Richtungsveränderungen führten. Der Sparrowhawk bot ein ausgewogenes, neutrales Fahrverhalten ohne besondere Tendenzen zum Über- oder Untersteuern. Auch die Abstimmung des Reglers überzeugte, sowohl was die Beschleunigung als auch die Bremsfunktion anging.

Der Reedy-Motor stellte einen ordentlichen Vorwärtsdrang mit einer Höchstgeschwindigkeit von geschätzten 40 Kilometer pro Stunde zur Verfügung. Der Speed sollte also besonders für Anfänger absolut ausreichend sein. Etwas anders sah es da beim Fahrwerk aus: Wie zu erwarten, neigte die ungedämpfte Federung zum Hoppeln, was besonders in schnell gefahrenen Kurven nicht sonderlich zu einer Verbesserung der Traktion beitrug. Wenn der Sparrowhawk überhaupt mal zum Ausbrechen zu bewegen war, dann ausschließlich nach dem Durchfahren von Bodenunebenheiten. Öldruckstoßdämpfer sollten also das Erste sein, das neue Besitzer an ihrem Modell nachrüsten. Zum Glück hält Thunder Tiger diese im Tuningprogramm für das Modell bereit.

Überzeugungsarbeit
Ansonsten zeigte sich der Renner aber von seiner besten Seite. Die Lenkung arbeitete sehr präzise und vor allem die häufig kritische Rückstellgenauigkeit ließ keinen Unmut aufkommen. Auch enge Passagen konnten mit hohen Geschwindigkeiten durchfahren werden, ohne dass das Modell von der Ideallinie abkam. Nach etwa zwölf Minuten reiner Fahrtzeit war es Zeit, den Akku wieder an das Ladegerät zu hängen. Nachdem etwa zehn Akkuladungen verbraucht worden waren, ging es zum finalen Check in die Boxengasse.

Hierbei zeigte sich kein nennenswerter Verschleiß, was dem Geldbeutel des RC-Neulings natürlich sehr entgegenkommt. So wurden die Testfahrten mit einem (fast) rundum zufriedenen Eindruck beendet.

Fazit
Mit dem Sparrowhawk VX bietet Thunder Tiger ein solides Starterpaket, das aus der Packung heraus mit einer hohen Solidität und guter Basisperformance glänzt. Einsteiger werden langsam an die Materie heran­geführt und können, mit viel Fahrspaß und ohne technisch überfordert zu werden, erste Erfahrungen sammeln.