Sanwa SX-165T/ERG-VZ/ERG-WX

Sanwa SX-165T/ERG-VZ/ERG-WX

Kaum eine andere Technologie hat sich in den letzten Jahren so stark entwickelt wie elektronische Steuersysteme. Dies gilt auch für den Bereich der RC-Servos. Musste hier jahrelang mit Kompromissen gelebt werden, so hat man mittlerweile passende Lösungen für fast jeden Einsatzbereich. Wir haben drei Sanwa-Servos unter die Lupe genommen und Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten festgestellt.

Die Servowahl wird von verschiedenen Kriterien beeinflusst. Fahrzeugklasse, Einsatzgebiet und nicht zuletzt auch der Geldbeutel spielen hier entscheidende Rollen. Bei vielen Modellen aus dem Ready-to-Run-Bereich können die Baukasten-Servos auf lange Sicht nicht wirklich überzeugen. So stellt sich für fast jedem Modellbauer früher oder später die Frage: Und nun?

Grundlagen
Bevor nun bestellt wird, sollte man sich über einige Dinge im Klaren sein. So machen die unterschiedlichen Hersteller häufig Angaben zur Leistungsfähigkeit, die nicht immer einfach zu vergleichen sind. Die Angabe: „Stellkraft: 10 kg“ sagt eigentlich – nichts. Kraft wird nicht in Kilogramm gemessen, sondern in Newton. Ein Kilogramm entspricht dabei – vereinfacht dargestellt – 9,81 Newton. Um leichter rechnen zu können, wird hier von 9,81 auf 10 aufgerundet, sodass nun 10 Newton einem Kilogramm entsprechen.

Weiterhin kann sich eine solche Angabe immer nur auf einen bestimmten Abstand von der Mittelachse des Servoausgangs beziehen. Meist wird hier ein Zentimeter festgelegt. Im Klartext bedeutet dies, dass das Servo in unserem Beispiel in der Lage ist, im Abstand von einem Zentimeter ein Drehmoment von 10 Newton aufzubringen. Verdoppelt man den Abstand auf zwei Zentimeter, zum Beispiel durch die Verwendung eines längeren Servohorns, halbiert(!) sich das Drehmoment, die Stellgeschwindigkeit verdoppelt(!) sich hingegen.

Weiterhin ist auch sehr entscheidend, bei welcher Spannung die genannten Werte erreicht werden. Steht keine Angabe dabei, so kann davon ausgegangen werden, dass 6 Volt anliegen sollen. Bei der Bezifferung der Stellgeschwindigkeit ist entscheidend, welcher Stellwinkel als Grundlage genommen wurde. Wurde kein Winkel angegeben, sind vermutlich 45 Grad gemeint. Dies ist elementar wichtig. Ein Servo, das einen Stellwinkel von 60 Grad in 0,12 Sekunden erreicht, ist schneller als ein Pendant, das für 45 Grad „nur“ 0,10 Sekunden benötigt.

Glücklicherweise gibt LRP bei den Sanwa-Servos vollständig Auskunft, für welche Voraussetzungen die gemachten Angaben gelten. Die Stellkräfte jedoch werden auch dort in Kilogramm angegeben, was – siehe oben – eigentlich nicht richtig ist. Da dies aber ganz sicher kein Physik-Seminar werden soll und die Benennung in Kilogramm pro Zentimeter (kg/cm) gängig ist, soll diese auch hier beibehalten werden.

Allrounder
Speziell für Monstertrucks und Truggys deklariert ist das Sanwa SX-165T. Allerdings bietet es sich über seine Eckdaten auch sehr gut als Tuning für RTR-Buggys an. Bei einer Stromversorgung von 6 Volt hat es eine Stellkraft von 9,5 Kilogramm pro Zentimeter. Die Stellgeschwindigkeit von 0,09 Sekunden für einen Winkel von 60 Grad hingegen ist aller Ehren wert und schlägt fast alles, was es in der Mittelklasse als Konkurrenz gibt.

Dabei ist ein kugelgelagertes Ausgangs-Zahnrad ebenso mit an Bord wie ein Getriebe aus Metall. Gerade Letzteres ist unabdingbar, wenn das Servo an der Lenkung eingesetzt werden soll. Obwohl von LRP als Offroad-Servo deklariert, eignet es sich auch für Onroad-Modelle. Letztlich kann jedes Car im Maßstab 1:10 oder 1:8 damit betrieben werden, sowohl an der Lenkung als auch auf Gas und Bremse. Das mitgelieferte Servohorn aus Kunststoff kann für jeden erdenklichen Zweck angepasst werden. So ist das Servo für alle Aufgaben gerüstet, solange es um den Hobby-Bereich geht.

Spezialisten
Ganz anderes haben dagegen die Servos der Baureihe ERG vor. Hier sind Metallgetriebe und Kugellager natürlich Pflicht. Sowohl VZ als auch WX richten sich vor allem an Wettbewerbspiloten. Doch bei allen Übereinstimmungen in der Zielgruppe – technisch unterscheiden sich die Zwei elementar.

So verfügt das VZ über analoge Technologie. Bei 6 Volt Spannung werden satte 13 Kilogramm pro Zentimeter an Stellkraft bereit gehalten. Für den Stellwinkel von 60 Grad braucht das VZ gerade mal 0,10 Sekunden, was auch im Vergleich in dieser Klasse ein absoluter Top-Wert ist. Dem hält das WX mit 14 Kilogramm Stellkraft einen nochmals erhöhten Wert entgegen. Mit 0,12 Sekunden für 60 Grad ist es ebenfalls alles andere als langsam. Dazu kommt noch – und das ist der entscheidende Unterschied – die Tatsache, dass all das digital erzeugt wird.
Die digitale Technik hat den Vorteil, dass sie mit einer höheren Auflösung arbeitet. So wird der Arbeitsweg des Servos in viel kleinere Abschnitte geteilt, die alle einzeln ansteuerbar sind. In der Praxis bedeutet dies eine höhere Präzision. Viele Features von RC-Anlagen, die auf schnelle Taktungen abzielen, sind somit ausschließlich mit Digitalservos nutzbar. Fast noch wichtiger erscheint ein weiterer Vorteil: Während sich die reinen Stellkräfte des WX nur unwesentlich vom VZ unterscheiden, sind die maximalen Haltekräfte deutlich höher.

In der Praxis bedeutet dies, dass ein Digitalservo zum Beispiel beim Durchfahren einer langgezogenen Kurve den gewünschten Lenkwinkel deutlich kompromissloser beibehält als ein analoges. Doch bekanntlich ist dort, wo viel Licht ist, auch Schatten. Den Preis für seine Stärken zahlt das digitale WX vor allem durch seinen Stromverbrauch. Dieser ist gegenüber dem anlogen VZ deutlich höher. Dies kann in einem langen Finallauf durchaus zu Problemen führen. Wenn plötzlich der Empfängerakku ausfällt, nützt auch das präziseste Servo nichts mehr.

Qual der Wahl
Während Hobbyfahrer letztlich automatisch zum SX-165T greifen, steht Wettbewerbspiloten eine schwierige Entscheidung bevor. Sowohl das ERG-VZ als auch das ERG-WX erfüllen höchste Ansprüche an ein Servo. Beide verfügen über einen Grundkörper aus Aluminium, was die Stabilität erhöht und gleichzeitig die Wärmeableitung optimiert.

Letztlich reduziert sich die Entscheidung auf eine Glaubensfrage und darauf, für welchen Einsatzzweck nach Ausrüstung gesucht wird. Wenn reichlich Strom vorhanden ist und das letzte Quäntchen Präzision zählt, wird das WX die erste Wahl sein. Für lange Finalläufe kann es entscheidend sein, dass die Elektronik ökonomisch arbeitet – und schon ist das VZ gefragt. Im Grunde herrscht aber kein Anlass zur Aufregung, denn wirklich etwas falsch machen kann man mit keinem der drei Sanwa-Servos.

TECHNISCHE DATEN
■ Sanwa SX-165T
Steuerung: Analog
Getriebe: Metall
Gehäuse: Kunststoff
Kugellager: Ja
Stellkraft (6 V): 9,5 kg/cm
Stellgeschwindigkeit (60°/6 V): 0,09 sec
Preis: 79,99 Euro
Bezug: Fachhandel

■ Sanwa ERG-VZ
Steuerung: Analog
Getriebe: Metall
Gehäuse: Aluminium, Kunststoff
Kugellager: Ja
Stellkraft (6 V): 13 kg/cm
Stellgeschwindigkeit (60°/6 V): 0,10 sec
Preis: 129,90 Euro
Bezug: Fachhandel

■ Sanwa ERG-WX
Steuerung: Digital
Getriebe: Metall
Gehäuse: Aluminium, Kunststoff
Kugellager: Ja
Stellkraft (6 V): 14 kg/cm
Stellgeschwindigkeit (60°/6 V): 0,12 sec
Preis: 139,90 Euro
Bezug: Fachhandel