Lamborghini Countach LP500S von Dicke-Tamiya

Lamborghini Countach LP500S von Dicke-Tamiya

Einer der wohl bekanntesten Kampfstiere Spaniens war Murciélago dessen Ruhm auf den 05. Oktober 1879 zurückgeht. Es ist ein sonniger Herbsttag und die Straßen Córdobas sind wie leer gefegt. Ein Film aus Staub legt sich über die Dächer der Stadt, der von der Arena herübergetragen wird. Seit Stunden tobt hier ein Kampf, wie er spannender nicht sein kann. Wieder und wieder stürmt Murciélago gegen das Tuch des legendären Torero Rafael Molina „Lagartijo” an, und immer wieder bohrt sich Spieß um Spieß in den mus­­ku­­lösen Nacken des Stiers. Mittler­weile ist es spät am Nach­­mittag, die Corrida nähert sich seinem Ende. Beide Kontrahenten sind vom erbitterten Kampf gezeichnet, Lagartijo zieht seinen Degen, breitet seine Muleta aus, Murciélago steht ihm gegenüber, stampft mit den Hufen, schnaubt und stürmt mit brachialer Gewalt auf den Torero los. To­­ten­stille in der Arena, gebannt verfolgt die Menge das Finale, der Stier er­­reicht seinen Gegner. Doch Lagartijo stößt nicht zu, er schenkt Murciélago das Leben. Die Menge tobt, Jubel­rufe von allen Rängen. Was für ein grandioser Kampf. Und seitdem steht der Stier als Synonym für Mut, Kraft und Aggressivität. Ruhm und Ehre Murciélagos sollten auch darüber hinaus noch weit über seinen Tod reichen. Denn niemand anderes ziert heute das Logo einer der begehrtesten Automobilmarken der Welt: Lamborghini.

Eines der Erfolgsmodelle von Lamborghini ist der Countach (was für Nonplusultra oder nicht zu überbieten steht) der von 1974 bis 1990 produziert wurde. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem Miura, ist der Countach eher kantig und aggressiv. Von 1982 bis 1985 gab es dann den Lamborghini Countach LP500S, von dem 321 Stück gefertigt wurden. Und genau diesen Countach gibt es jetzt als Bausatz im Maßstab 1:10 aus dem Hause Dickie-Tamiya. Aufgebaut wird er auf dem bewährten TT-01-Type-E-Chassis. Die Lexan-Karosserie mit diversen Anbauteilen gibt das einzigartige und legendäre Design des Originals sehr detailgetreu wider. Als absolutes Highlight liegt dem Bausatz eine LED-Lichteinheit bei, damit der Fahrspaß auch bei eingeschränkter Sicht nicht vorbei sein muss.

Step by step
Nachdem wir alle Sicherheitshinweise gelesen und uns alle Teile sowie Werkzeuge bereit gelegt hatten, wollten wir mit dem Zusammenbau beginnen. Schritt 1: Zuerst nehmen wir das hintere Antriebs-Gelenk, ein Plastiklager, den Stirnradmitnehmer (bereits eingefettet), die 2-x-10-Millimeter-Achse sowie das 61T-Stirnradgetriebe, bauen diese Teile gemäß Anleitung zu einer Baugruppe zusammen und setzen sie dann in den hinteren Teil des Chassis ein. Beachtet werden muss zum einen, dass der Stirnradmitnehmer in die korrekte Richtung eingebaut wird und zum anderen, dass die 2-x-10-Millimeter-Achse nicht herausfällt. Nun noch das vordere Antriebs-Gelenk ins Chassis einbauen, die Antriebswelle an den Enden einfetten, zwischen die Gelenke setzen und der Anfang ist getan.

Schritt 2: Jetzt bereiten wir den Motor und die Differenzialgetriebe für den Einbau ins Chassis vor. Dazu entfernen wir den Gummischlauch vorne, befestigen zunächst die Motor-Platte, das 19T-Motorritzel sowie die Platte für die Motorhalterung. Das Ritzel ist vorher einzufetten und beim Anbringen der Platten ist die Stellung des Motors zu beachten. Die Getriebeübersetzung kann durch die Verwendung anderer Motorritzel (19T bis 25T) und Stirnradgetriebe (61T, 58T oder 55T) natürlich den persönlichen Vorlieben angepasst werden. Wie dabei die Stellung des Motors abzuändern ist, ist der Bauanleitung zu entnehmen. Die Differenzialgetriebe vorne und hinten werden wie folgt zusammengesetzt: In die Differenzialgehäuse kommen je ein großes Kegelrad, darauf die Sternachse mit den drei kleinen Kegelrädern und je ein großes Kegelrad – alle Räder natürlich gut gefettet. Zum Abschluss werden die Gehäuse mit den dazugehörigen Teller­rädern abgedeckt und verschraubt.

Schritt 3: Weiter geht’s mit der Hinterachsgruppe. Auf das hintere Antriebs-Gelenk stecken wir von außen ein Plastiklager sowie ein Kegelritzel und dann kann das Differenzialgetriebe eingesetzt werden. Beim Anbau der hinteren Querlenker muss auf die Art der Karosserie geachtet werden (beim Countach haben wir einen kurzen Radstand und eine breite Spur). Wenn alles gerade sitzt, werden Querlenker und Getriebe durch Anbringen von Dämpferbrücke und dem zweiten Teil des Getriebekastens am Chassis fixiert. Den hinteren Stoßfänger bringt man nun an der Unterseite an und hält die ganze hintere Baugruppe zusammen. Zum Abschluss werden nur noch die Karosseriehalterung (Art der Karo beachten) und der linke und rechte Hinterachsschenkel (breite Spur beachten) gemäß Anleitung eingebaut.

Endspurt
Schritt 4: Nun bereitet man zunächst die vorderen Querlenker vor. Nun kommt auf das Antriebsgelenk von vorne ein Plastik-, ein Metall-, wieder ein Plastik­lager und schließlich das Kegelritzel. Darauf befestigt man das zweite Differenzialgetriebe und wie schon bei der Hinterachse werden nun die Querlenker eingesetzt, der Getriebekasten mit dem passenden zweiten Teil geschlossen und alles letztendlich durch Anschrauben der Dämpferbrücke fixiert. Der vordere Stoßfänger wird von unten am Chassis und die Karosseriehalterung oben an der Bücke befestigt. Zum Einbau der Vorderachsschenkel stecken wir die Getriebegehäuse-Gelenke auf beiden Seiten ins Differenzialgetriebe, in die Gelenke kommen die bereits gefetteten Achswellen und auf diese dann die Achsschenkel, welche man gemäß Bauanleitung mit den Querlenkern verbindet.

Schritt 5: Der größte Teil liegt nun bereits hinter uns, aber trotzdem fehlen noch ein paar entscheidende Kleinigkeiten. Die vier Reibungsdämpfer werden wie beschrieben zusammengesetzt und vorne und hinten am Chassis angebracht (bei kurzem Radstand die Abstandsstücke hinten nicht vergessen). Als Nächstes montiert man den Urethan-Stoßfänger an der Frontseite und bereitet das Lenkgestänge gemäß Anleitung vor, setzt es ein und verbindet es mit den vorderen Achsschenkeln (auch hier auf die richtige Richtung achten, damit später das Gestänge nicht am Chassis schleift). Das Lenkservo, das nicht mit im Lieferumfang enthalten ist, wird, wie in der Bauanleitung beschrieben, vorbereitet, eingesetzt und mit dem Lenkgestänge verbunden. Nun installiert man den Fahrregler und den Empfänger-Schalter. Den Empfänger, den man zusätzlich benötigt, befestigt man am besten mit doppelseitigem Klebeband auf dem Servo. Nun wird der Motor mit dem Regler verbunden und mit einer Schutzabdeckung versehen. Das Oberdeck bringt man mittig über der Antriebswelle an, wo es der Chassiskonstruktion zusätzliche Stabilität verleiht. Zu guter Letzt werden noch die Reifen verklebt und am Chassis angebracht. Hier muss wieder die Spurbreite beachtet werden. Da wir hinten eine breitere Spur haben, nehmen wir die breiteren Radmitnehmer und die Reifen mit Offset 4 für die Hinterachse.

Outfit
Das Chassis ist komplett. Zeit, sich an die Karosse zu machen. Mittels einer Lexanschere befreien wir diese von allem überschüssigen Material und waschen sie einmal gut aus, damit sie fett- und staubfrei ist. Als Nächstes werden alle Teile, die später transparent bleiben müssen, mit dem beiliegenden Maskierbogen abgeklebt. Beim Lackieren der Karosserie sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es bietet sich an, die Karosse in mehreren Arbeitsgängen zu lackieren, um ein Verlaufen der Farbe möglichst zu vermeiden. Ist alles trocken, können nun nach dem Entfernen von Schutzfolie und Masken die Anbauteile und das Dekor angebracht werden. Nun sieht unser Modell schon fast aus wie sein großes Vorbild. Aber was die Sache erst so richtig abrundet, ist die mitgelieferte Lichteinheit, die es zum Abschluss zu installieren gilt.

On the road
Allein durch die detaillierte Karosse wird der Countach schon zum Liebhaberstück und man möchte ihn am liebsten nur auf die Piste stellen und ansehen. Andererseits ist natürlich auch der Reiz sehr groß, zu testen, ob denn auch alles funktioniert was man erschaffen hat. Geben wir dem Drang also nach und lassen unseren Bullen in die Arena.

Am Anfang sollte man noch etwas vorsichtiger zur Sache gehen, schließlich müssen Gas und Lenkung noch getrimmt werden. Der 540er-Elektromotor und der elektronische Fahrregler TEU-101BK leisten im 4WD-Wannenchassis mit zentraler Antriebswelle ganze Arbeit. Dickie-Tamiyas Renn-Slicks auf den Countach-LP500S-Felgen mit einem Offset von +2 vorne und +4 hinten machen nicht nur optisch etwas her. Sie verleihen dem Modell eine exzellente Traktion und machen auf dem Asphalt drifttechnisch einiges möglich.

Die Lenkgestänge sind mit TA05-Anlenkungen versehen und sorgen für ein exaktes Lenkverhalten des neu entwickelten TT-01-Type-E-Chassis, an dem unter anderem die Dämpferbrücken und die Getriebebox für eine einfache Handhabung getrennt wurden und jetzt separate Teile sind. Ein neues Oberdeck verstärkt die Steifigkeit des Chassis, was sich sehr positiv auf das Fahrverhalten auswirkt. Während der ersten Fahrversuche reagierte unser Lamborghini auf alle Lenkmanöver umgehend und zu unserer vollsten Zufriedenheit. Sein Fahrverhalten in den Kurven und beim Beschleunigen blieb immer stabil und war ausgezeichnet. Auch die robuste Polycarbonat-Karosserie hielt allen Belastungen während der kompletten Testphase stand.

Dank der im Lieferumfang enthaltenen LED Light Control Unit mit zwei weißen 5-Millimeter-LEDs für die Nebelscheinwerfer und zwei roten 5-Millimeter-LEDs für die Hecklichter kennt der Fahrspaß mit diesem Modell selbst bei eingeschränkter Sicht keine Grenzen. Alles in allem ist der Lamborghini Countach LP500S ein sehr gelungenes Modell für den RC-Car-Fahrer, der schon einige Erfahrungen gesammelt und nun Lust bekommen hat, mal ein Fahrzeug komplett selber zusammenzubauen.

Fazit
Dieser Bausatz von Dickie-Tamiya ist ein echter Leckerbissen für alle Sportwagenfans. Hier ist Bau- und Fahrspaß gleichermaßen angesagt. Das ideale Paket für fortgeschrittene RC-Car-Piloten mit Spaß am Selberbauen. Aufgrund einiger Neuerungen am Chassis konnten das Fahrverhalten und die Bedienung nochmals verbessert werden. Zusammenfassend kann man also sagen: Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesem wunderschönen Bausatz ist gut, Bau- und Fahrspaß schneiden sehr gut ab, alles in allem also ein Spitzen-Paket.