HPI Baja 5T von LRP electronic

HPI Baja 5T von LRP electronic

Im Jahre 1967 fand auf der niederkalifornischen Halbinsel Mexikos ein Rennen mit dem Namen Baja 1000 statt. Bis heute hat diese Veranstaltung nichts an ihrem Reiz verloren und genießt mittlerweile das Ansehen des härtesten Rennens der Welt. In den 1960er-Jahren fuhr man noch auf verstärkten und umgebauten VW Käfern mit getunten Motoren, aber der Motorsport lebt von Fortschritt und über die Jahre verdrängte dieser den übermotorisierten Volkswagen von der staubigen Strecke. Heute sind es die allradbetriebenen Wüstenbuggys, die das Rennen dominieren.

In den Anfängen der RC-Offroad-Branche wurde gerne auf Formen damaliger Wüstenfahrzeuge zurückgegriffen. Erinnern wir uns nur an die beiden Klassiker Sandscorcher und Rough Rider aus dem Hause Tamyia. Gut erhaltene Modelle werden heute weit über dem damaligen Ladenpreis gehandelt. Als Meilenstein in der Klasse der Verbrenner-Buggys folgte aus dem Hause Kyosho der Landjump 4WD, der mit seiner Gitter-Karosserie noch heute eine echte Vintage-Fangemeinde um sich schart. Wie es aussieht liebt und lebt auch nach so langer Zeit die RC-Car-Gemeinde den Kult um die Wüstenfahr­zeuge. Und wie aus dem Nichts überraschte HPI die Branche mit dem Erscheinen des Baja 5B. Die Wenigsten hätten wohl mit einem Modell im Maßstab 1:5 aus dem Hause HPI gerechnet. Aber erwartungsgemäß überzeugte auch dieses Fahrzeug von der ersten Stunde an durch sein außergewöhnliches Design und seine ausgefeilte Technik. Nun lässt es sich HPI nicht nehmen, die dritte Generation von Großmodellen ins Rennen zu schicken. HPIs neuester Wüstenkoloss wirbelt bereits mächtig Staub auf. Ring frei für den Baja 5T RTR.

Dicker Brocken
„Was für eine Plackerei“ waren die ersten Worte, als der Mann des Paketdienstes das knapp 15 Kilogramm schwere Paket bei uns ablieferte. Nach dem Anheben des Deckel flößt einem der Anblick fasst ein wenig Erfurcht ein. Durch seine ausladende Karosserieform wirkt er voluminöser als sein Bruder Baja 5B und sein zusätzlicher Front-Rammschutz macht ihn noch um ein Stück länger. Aus der Packung genommen, folgt sofort der obligatorische Fahrwerkstest. Der Federweg verspricht bereits so einiges. Die Fallstudie aus etwa einem halben Meter Höhe bestätigt die Vermutung. Der Koloss landet weich und gedämpft auf allen Vieren, ohne durchzuschlagen.

Dem RTR-Set liegen noch weitere Gegenstände bei: ein ordentliches Sortiment an Werkzeug, eine Bauanleitung in vier Sprachen, ein zusätzlicher Stickerbogen, alle erdenklichen Öle, Fette, Klebstoffe, ein paar Ersatzteile und eine DVD, die lesefaulen RC-Car-Betreibern eine bequeme Einführung ermöglicht. Des Weiteren beinhaltet die DVD Action-Aufnahmen der aktuellen HPI-RC-Car-Kollektion. Zuletzt kamen noch ein Ladegerät für den Empfänger-Akku und eine Dreikanal-FM-Anlage zum Vorschein. Das einzige was benötigt wird, um den Einstieg in eine neue Dimension zu ermöglichen, sind lediglich acht Akkus für die Fernsteuerung und 1:25er-Gemisch. Für rund 45 Minuten reicht eine Tankfüllung des Baja.

Der erste Eindruck
Eine Innovation des Modells sind die mit einer Lasche an der Karosserie befestigten Splinte. Nach geschätzten 100 verlorenen Splinten, die wohl durch­schnittlich während einer RC-Car-Karriere verschwinden, ist diese kleine Innovation durchaus eine Danksagung wert. Insgesamt acht Stück fixieren die Karosserie am Fahrzeug.

Für die Bauteile wie beispielsweise Aufhängung, Überrollbügel, Stoßstange und die Karosserieaufnahmen verwendet HPI in gewohnter Manier eine äußerst biegsame aber zähe Kunststoffmischung. Im ersten Moment mag manch einer denken, dass dieses Material vielleicht zu weich sei, aber wer die HPI-Modelle etwas genauer kennt, weiß, dass diese Gummi­knochen kaum klein zu kriegen sind.

Die Anordnung des Innenlebens ist sehr „zentralistisch“ aufgeteilt. Dies bedeutet, dass nicht die ganze Breite des Chassis ausgenutzt wurde, um die einzelnen Bauteile anzuordnen. Getriebe, Motor, Tank und Elektronik sind möglichst nahe der Längsachse des Fahrzeugs angebracht. Je näher das Hauptgewicht an diese Achse gebracht werden kann, umso agiler wird in der Theorie das Fahrverhalten.

Lediglich die ausladenden Karosseriehalter und die beidseitig angebrachten Staubschutzwannen lassen den Chassisaufbau breiter wirken als man das vom Baja 5B gewohnt ist. Der Grundaufbau des 5T ist mit dem des 5B aber identisch und größtenteils sind die Teile kompatibel.

Auf der mittleren Chassisplatte sind der Tank und eine kom­pakte Elektronik-Box angebracht. Diese beinhaltet einen staub- und spritzwassergeschützten Empfänger und Empfängerakku. Das Gas/Brems- und das Lenkservo sind außen an der Box angebracht. Der Empfänger-Akku liegt dem RTR-Set bei und ist bereits in der RC-Box eingesetzt. Per außen liegendem Stecker kann dieser bequem geladen werden, ohne den Akku herausnehmen zu müssen.

Typisch RTR?
Beim Baja 5T handelt es sich zwar um ein typisches RTR-Modell, allerdings verfügt es bereits serienmäßig über die meisten Tuningteile des Baja 5B SS. Einziger Unterschied ist lediglich das fehlende geschwungene Tuning-Resorohr. Ein 26 Kubikzentimeter großer Motor blubbert unter der Haube des 5T. Der dazugehörige High-Flow-Schalldämpfer verspricht dem ohnehin schon kräftigeren Kraftwerk noch mehr Leistung zu entlocken. Um das Kraftpaket abzurunden, wurde das Gewicht der Kupplung reduziert und mit einer kräftigeren Feder versehen. Dies verleiht dem Baja eine bessere Be­schleunigung. Wenn man den Herstellerangaben glauben schenken darf, so ist mit dem Baja eine ­Maximalgeschwindigkeit von 64 Kilometer in der Stunde möglich.

Durch das höhere Leistungspotenzial dieses Setups zerren auch größere Kräfte am gesamten Antriebsstrang. Darum wurde auch hier zu hochwertigeren Materialien gegriffen. Die Antriebswellen sind aus gehärtetem Stahl. Zudem hat man sich vom Kunststoff-Differenzialgehäuse verabschiedet und auf ein robusteres Aluminium-Gehäuse gesetzt. Wer mit seinem Modellauto nicht nur im Kreis fährt, ­sondern auch mal etwas Luft unter die Räder bekommt, der wird dieses Feature dankend annehmen. Es ist bei Sprüngen nie auszuschließen, dass die Räder während der Flugphase schnell drehen oder man gar noch auf dem Gas steht, wenn man landet. Das Alugehäuse des Differenzials kann nicht so schnell platzen und steckt Belastungsspitzen wesentlich besser weg. Zu erwähnen ist sicherlich auch, dass alle Zahnräder im Hauptgetriebe aus robustem Stahl gefertigt wurden.

Das verhältnismäßig hohe Gewicht aller 1:5er-Modelle verlangt auch der Lenkung enormes Leistungspotenzial ab. Um die Lenkung zuverlässiger zu machen, wurde dem 5T das weiterentwickelte SFL-10MG-Digitalservo mit einem Alu-Lenkarm eingepflanzt. Beim Vorgänger war dieser noch aus Kunststoff. Weitere Änderungen zum Vorgänger sind weitgehend optischer Natur. Während das 5B-Wüstenmodell eine lang gezogene, schnittige Form mit einer Gitter-Überrollkonstruktion besitzt und lediglich einen kleinen Karosserieanteil, kommt der 5T in einem völlig neuen Licht daher. Die ausladende Karosserie basiert auf dem Design der so genannten Trophy-Truck-Klasse und verdeckt bei der Draufsicht des Fahrzeugs die Räder. Zudem besitzt der 5T einen großen vorderen Rammschutz, der im Falle des Falles sicherlich schonender für das Material ist. Das Reifen- und Felgendesign wurde selbstverständlich ebenfalls dem Fahrzeugtyp angepasst. Achtlöchrige Outlaw-Truck-Felgen passen zum Look des Baja. Beim Aufbau der Räder setzte man auf das bereits bewährte Beatlock-System, welches lediglich ein wenig verstärkt wurde. Bei diesem System wird der Reifen durch Verschrauben eines Rings auf der Felge fixiert, ohne diese miteinander verkleben zu müssen. Auffällig beim 5T ist, dass das hintere Reifenpaar mit wesentlich härteren Schaumstoff-Einlagen ausgestattet ist. Verschraubt werden die Räder mittels 24-Millimeter-Achsmuttern. Das passende Werkzeug dafür liegt dem RTR-Set bei.

Unter der Karosserie bietet der Baja 5T reichlich seitlichen Platz. Dieser wurde genutzt, um einen Schmutzfang zu platzieren. Ein Lob an dieser Stelle an die Konstrukteure, die sich Gedanken zum Thema Benutzerfreundlichkeit gemacht haben. Mit nur wenigen Handgriffen kann man sich mehr Platz verschaffen, um das Fahrzeug beispielsweise einfacher zu säubern oder andere Servicearbeiten zu verrichten. Es dauert gerade mal schlappe zwei Minuten, um die komplette Schmutzwanne um das Chassis, den unteren Motorschutz, die seitlichen Karosseriehalter und die Abdeckkappe des Hauptantriebsritzels zu entfernen. Das Beste daran: Hierfür wird keinerlei Werkzeug benötigt. Alle aufgezählten Teile sind einfach und simpel über Karosserie-Clips miteinander verbunden. Aber damit noch nicht genug: Auch der Tank kann durch Lösen weniger Clips aus der Chassis gehoben werden. Für das Entfernen der gesamten RC-Box brauchen geübte Schrauberlinge gerade mal eine knappe Minute.

 

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