Evolva M3 1:8-Onroad von Kyosho

Evolva M3 1:8-Onroad von Kyosho

Drei Weltmeistertitel in Folge in der Königsklasse des RC-Car-Rennsports sind Kyoshos Motivation weiterzumachen und sich der technischen Herausforderung nach noch mehr Leistungsfähigkeit in einer Car-Klasse zu stellen, die technisch bereits auf hohem Niveau ist.

Der M3 ist die dritte Generation des Evolva. Er zeigt dies nicht nur im Namen an, mit seinen Neuerungen setzt er auch die Erfahrung aus dem Rennsport der letzten Jahre konsequent um. Ins Auge fallen hier sofort die längeren Querlenker und ein Stabilitätszuwachs beim Chassis insgesamt. Im gleichen Zuge sind die erweiterten Setup-Möglichkeiten zu erwähnen. So kann der Radstand nun um bis zu 6,6 Millimeter variiert werden und ebenso besteht die Möglichkeit, das Rollzentrum zu verändern. Das Modell ist damit natürlich noch einen Tick komplexer und anspruchsvoller geworden, bietet aber andererseits ein weiter gewachsenes Repertoire für alle Streckenverhältnisse und auch Vorlieben des Piloten.

Technik
Der große Unterschied zu den Vorgängermodellen fällt beim M3 erst auf den zweiten Blick auf. Es sind keine grundlegend neuen Ideen, die der Konstrukteur des Evolva, Takashi Miyashita, hier umgesetzt hat, sondern eine Reihe von konstruktiven Detaillösungen, die den M3 letztlich aber als einen vollständig überarbeiteten Evolva ausweisen. Tatsächlich wurden nur ganz wenige Bauteile vom Vorgängermodell übernommen. So hat selbst der Frontbumper eine Überarbeitung erfahren und wird mit seiner spoilerartigen Form nun als eine Art unter der Karosse versteckter Frontflügel auch aerodynamischen Gesichtspunkten gerecht. Die Chassisplatte des M3 ist deutlich schmaler und keilförmiger geworden. Sie beherbergt einen Akku aus 17 x 29 Millimeter großen Zellen, der unter dem Tank seinen mittlerweile angestandenen Platz hat.

Hingegen scheint beim Gas-/Bremsservo die optimale Einbauposition noch nicht so recht gefunden zu sein. Der M3 bietet die Möglichkeit, das Servo sowohl stehend als auch liegend einzubauen, wobei die dem Trend der letzten Jahre folgende liegende Position optionales Zubehör erfordert. Bemerkenswert sind auch die Aussteifungen im Bereich des Motors, die den vorderen Sandwichverbund des Chassis gegen die Getriebeeinheit fixieren. Auch diese Aussteifungen sind im Bausatz nicht enthalten, sondern als Zubehör verfügbar. Sie dürften die prinzipielle Diskussion beleben, was die optimale Steifigkeit des Chassis in diesem hoch belasteten Bereich angeht. Es bleibt deshalb spannend, in welcher Ausstattung der M3 im Wettkampfgeschehen letztlich an den Start geht.

Zusammenbau
Der Bausatz besteht aus insgesamt acht Beuteln, die alle für den jeweiligen Bauabschnitt benötigten Einzelteile enthalten. Die Schrauben sind mit in den Beuteln verpackt. Einen separaten Schraubenbeutel gibt es nicht. Erfreulich ist, dass ausschließlich Inbusschrauben mit Maschinengewinde verwendet werden. Dies gewährleistet eine solide Verbindung der Bauteile, erfordert aber beim ersten Eindrehen Gefühl, denn die für das erste Einschneiden der Gewinde in das Kunststoffmaterial aufzuwendenden Momente belasten die Schraubenköpfe zum Teil erheblich. Das Bestreichen der Schrauben mit Silikonfett ist eine hilfreiche Variante, um das Eindrehen zu erleichtern.

Die Qualität und Passgenauigkeit der Bauteile ist nicht zu beanstanden. Das Anbringen der Inbusschrauben, die das Widerlager der Kugelköpfe für die Radaufhängung bilden, ist deutlich einfacher geworden als bei den Vorgängermodellen. Der Gewindegang ist in den ersten Gängen vollständig vorgeschnitten und gibt so eine sichere Führung. Erst zum Ende hin schneiden sich die Inbusschrauben in das Kunststoffmaterial und bekommen den notwendigen Halt.

Der Aufbau des Chassis beginnt mit der Vorderachse und setzt sich dann über die Hinterachse fort. Die Getriebe- und Radioeinheiten werden separat vormontiert und dann in die Bodengruppe eingebaut. Nachdem Motor und Auspuffsystem ihren Platz gefunden haben, werden die Stoßdämpfer montiert. Das Chassis ist in diesem Zustand bereits fertig für das Setup. Dazu ist bei diesem Modell ein professionelles Board unerlässlich, um die gut 70 Einstellparameter zu beherrschen.

Powerplant
Als Antriebsquelle für den Evolva M3 wurde der RB Xenon-R gewählt, ein Motor aus der Speedline-Reihe von RB speziell für den Einsatz in der 1:8er-Glattbahnklasse. Das Aggregat zeichnet sich durch eine beispielhafte Problemlosigkeit und Zuverlässigkeit im Betrieb aus. Es bietet zudem über das gesamte Drehzahlband eine ausgesprochen gleichmäßige Leistungsentfaltung.
Kontrollzentrum

Bei der Fernsteuerung wurde auf ein Spektrum-System vertraut. Für die Befehlausführung kamen Futaba-S9451-Digitalservos zum Einsatz. Sie passen perfekt in die Aufnahmen und Kyosho hält im Bausatz für die gängigen Fabrikate entsprechende Befestigungssets bereit. Der Empfänger sitzt in einer Kunststoffaufnahme, die zur Vibrationsdämpfung im Oberdeck in O-Ringen gelagert ist. Ansonsten ist der Empfänger aber ungeschützt. Der M3 bietet eine spezielle Aufnahme für den Einbau eines Schalterkabels. Zwar hat es sich in den Wettbewerbsklassen durchgesetzt, das Modell durch Anstecken des Akkus einzuschalten, aber der Schalter bietet zugegebenermaßen einigen Komfort.

Fahrtest
Beim Roll-out ging es zunächst darum, Motor und Fahrwerk einlaufen zu lassen und das Setup des Modells zu prüfen beziehungsweise anzupassen. Es galt zudem herauszufinden, ob alle Schraubverbindungen fest sitzen und die Justage von Kupplung sowie Zweigang-Getriebe stimmen. Im vorliegenden Fall war eine Anpassung des Einkuppelpunkts in Richtung niedriger Drehzahlen erforderlich. Auch der Schaltpunkt in den zweiten Gang wurde etwas nach vorn verlegt und das Basis-Setup gemäß Bauanleitung musste den Streckenverhältnissen leicht angepasst werden.

Der M3 rollte bei kaltem Frühlingswetter zu seinen ersten Runden auf den Parcours und ließ die Performance eines 1:8-Renners zunächst vermissen. Die Hinterräder drängten nach vorn und jede Kurve wurde wie auf Glatteis durchfahren. Es war genug Traktion und Lenkung auf der Vorderachse, nur das Heck spielte nicht so recht mit. Die eingesetzten Matrix-Reifen mit vergleichsweise weichem 32-Shore-Härtegrad bauten bei Temperaturen um sportliche 7 Grad Celsius zudem wenig Grip auf. Erst als die Federbasis hinten zurückgenommen wurde und das Heck damit auch einen Tick tiefer kam, durcheilte der M3 die Kurven etwas weniger nervös. Eine weitere Besserung zeigte sich, nachdem der negative Sturz an der Hinterachse auf 0,5 Grad eingestellt worden war.

Die Antriebswalzen lagen dabei im Stand nahezu auf ihrer gesamte Breite auf. Außerdem wurde die Spur an der Hinterachse auf 1 Grad Vorspur reduziert. Ganz entscheidend war dann aber die Korrektur des Front-Rear-Overdrive-Ratio von dem anfangs gewählten Wert Nahe -1, bei dem die Hinterräder den Ton angeben, auf einen Wert knapp über Null, bei dem die Vorderräder die Zugpferde sind. Danach rollte der M3 endlich lässig und wie gewohnt um die Kurven. Hier war nur noch der Mut gefragt, in weit gezogenen Kurven auf dem Gas zu bleiben, denn das Setup war nun darauf abgestellt, des Modell aggressiv am Gas zu fahren. Es wurde einmal mehr deutlich, dass Cars vom Schlage eines M3 Erfahrung, Beobachtungsgabe und einen angepassten Fahrstil erfordern.

Über Top oder Flop entscheiden bisweilen Kleinigkeiten im Setup und es ist Zeit und Muße erforderlich, bis alles zur Zufriedenheit aufeinander eingespielt und abgestimmt ist. Dann aber ist man mit dem M3 pfeilschnell unterwegs. Das Modell jagt wie ein Kampfjet um den Kurs und verlangt dem Piloten äußerste Konzentration und Aufmerksamkeit ab. Im Grunde purer Stress, aber gerade das macht ja den Reiz dieser Rennklasse aus. Der M3 ist ein Modell, das genau diesen Kick in perfekter Form vermitteln kann.

Fazit
Der Evolva M3 ist ein Wettbewerbsmodell reinster Prägung. Er vereint in sich die Entwicklungsarbeit und Erfahrung der letzten Jahre im RC-Car-Rennsport der 1:8er-Glattbahnklasse und lebt von den Erfolgen seiner Vorgängermodelle. Das Modell erfordert einige Erfahrung beim Setup. Sein Einsatzfeld sind die Rennstrecken.