Desert Truck DRT von Kyosho

Desert Truck DRT von Kyosho

Mit einem V8 bestückt, fegen Sie durch die Wüste, die riesigen Dämpfer bügeln jede Unebenheit glatt und die breiten Karosserien verleihen den Trucks das passende Aussehen zur enormen Leistung. Diese Fahrzeugart, die Desert Race Trucks, erscheint aktuell vermehrt als RC-Variante. Kyosho möchte hier mit dem DRT im Maßstab 1:10 mitmischen.

Das Modell kommt fahrfertig aufgebaut aus dem Karton. Lediglich die Antenne muss noch eingefädelt, der Empfänger mit Strom versorgt und die Karosserie mit Aufklebern bestückt werden. Der RTR-Ausstattung entsprechend, liegen dem Truck auch eine Fernsteuerung und etwas Werkzeug bei. Eine gute Bauanleitung inklusive eines Abschnitts über den gesamten Aufbau des Modells fehlt ebenso wenig.

Konstruktion und Vorbereitung
Für die Stromversorgung des Empfängers ist schon ein Batteriehalter in der Elektronikbox verbaut. So könnte der DRT auch direkt in Betrieb genommen werden. Das Testmodell musste aber erst in die Werkstatt zur Inspektion. Aufgebaut ist der Kyosho auf einer 3-Millimeter-Aluminium-Platte, die an den Seiten und vorne für das Kick-up abgekantet ist. Als Aggregat kommt ein Kyosho GXR 18 mit 2,95 Kubikzentimeter Hubraum zum Einsatz. Die Luft wird durch einen schon fertig geölten einstufigen Filter gesäubert. Dem Modell liegen zwei Kabelbinder bei, die unbedingt dazu genutzt werden sollten, den Luftfilter fest zu zurren.

Über eine Zweibacken-Kupplung mit Alu-Backen und einer 13er-Glocke geht die Kraft dann an ein Mitteldifferenzial, das wie bei den anderen Modellen der Reihe auch ein aus Kunststoff gefertigtes Hauptzahnrad mit 46 Zähnen besitzt. Weiter geht es dann an je ein Diff an Vorder- und Hinterachse. Alle drei Differenziale sind mit zwei Sonnen- und zwei Planetenrädern ausgestattet, was im ersten Moment etwas unterdimensioniert wirkt. Im Laufe des Tests haben die Ausgleichsgetriebe aber anstandslos funktioniert und gehalten. Übertragen werden die Kräfte überall durch Knochenwellen. Die vier fertig verklebten Räder werden mit 12-Millimeter-Sechskant-Mitnehmern angetrieben.

Der DRT verfügt über eine Einzelradaufhängung mit Pivotballs an beiden Achsen. Die Achsschenkel sowie die oberen und unteren Querlenker sind an Vorder- und Hinterachse identisch, was die Bevorratung von Ersatzteilen erheblich einfacher gestaltet. Als Stoßdämpfer kommen Ausführungen mit Kunststoffgehäuse und Aluminium-Rändelmuttern zur Einstellung der Federvorspannung zum Einsatz. Die Befestigung erfolgt über massive Kunststoff-Dämpferbrücken. Aus dem Karton heraus waren in den Dämpfern leider ein paar Luftblasen enthalten und das verbaute 350er-Öl erscheint recht hart in Verbindung mit den verbauten Kolbenplatten, die nur eine Kerbe als Durchflussmöglichkeit besitzen.

Die Achsen werden jeweils durch einen Rammer geschützt und zur Fahrzeugmitte hin über Kunststoff-Streben abgestützt. Somit wäre für eine gute Straßenlage und ausreichend Stabilität gesorgt. Der Durst des Motors wird durch einem 105 Milliliter fassenden Tank gestillt.

Anker werfen
Für gute Verzögerungswerte sorgen je eine Stahlbremsscheibe vor und hinter dem Mitteldifferenzial, die von den bewährten Bremsbelägen in die Zange genommen werden. Die Bremsbalance lässt sich noch ein wenig einstellen, sodass hier eine Anpassung an den eigenen Geschmack möglich ist. Überhaupt ist der DRT mit vielen Einstellmöglichkeiten ausgestattet: von mehreren Anlenkpunkten für die Stoßdämpfer über stufenlose Einstellung von Sturz und Spur dank der Pivotball-Aufhängung bis hin zur Einstellung der Vorspur und des Ackermann-Winkels. Beim Auspacken waren extreme Fahrwerkseinstellungen mit über 2 Grad Sturz an den Rädern sehr auffällig. Daraufhin wurden diese Werte zuerst etwas reguliert, sodass die Räder beim Einfedern etwa 1 Grad negativen Sturz aufwiesen. Zeitgleich wurde das Spiel der Pivotballs etwas reduziert.

Gesteuert wird das Modell über jeweils ein Kyoho-KS-101BK-Servo auf Gas und Lenkung. Das Lenkservo wird dabei noch über einen Saver im 1:8er-Stil geschützt. Die Fernsteuerung arbeitet im 27-Megahertz-Band. Geschützt wird die Elektronik durch eine Box für die Stromversorgung und den Empfänger. Der beiliegende Batteriehalter wurde vorsichtshalber direkt gegen einen fünfzelligen Akku getauscht und etwas gepolstert, um eine sichere Verbindung zu gewährleisten. Das Verschließen der Klappe erfordert etwas gezielte Krafteinwirkung, um richtig einzurasten, da die Platzverhältnisse am Bremsgestänge sehr eng bemessen sind.

Von Haus aus ist der Empfänger in seiner Box mit doppelseitigem Klebeband befestigt. Wer möchte, kann den Empfänger auch lösen und ihm, wie schon dem Akku, eine Lage Schaumstoff als Polsterung gönnen. Die Karosserie sitzt recht hoch, sodass das Starten des Modells mit aufgesetzter Haube leider nicht geht, ohne dass die Karosserie großzügig ausgeschnitten wird. Beim Testmodell wurden daher nur kleinere Luftlöcher in die Frontscheibe gebohrt, die zur Kühlung beitragen sollen, sowie ein Loch in die Seitenscheibe, damit das Modell mit Karosserie getankt werden kann. Als Tanköffner kam dann noch zu guter Letzt ein langer Kabelbinder an den Tankdeckel. Beim Dekorieren der Karosserie wurde der fertig gestanzte Dekorbogen verwendet, um dem Modell ein schickes Äußeres zu verleihen.

Abfahrt
Bevor der DRT richtig gescheucht werden konnte, musste der Motor noch eingefahren werden. Betankt mit 16-prozentigem Power-Safe-Racing-Sprit konnte der Motor das erste Mal zum Leben erweckt werden. Nach kurzem Anpumpen von Sprit und Durchziehen sprang der Motor auf Anhieb an. Die Nadeln am Vergaser standen von Haus aus etwas magerer, als in der Anleitung angegeben. Die Einstellung sorgte aber für wesentlich bessere Handhabung beim Einlaufen. Nachdem es in den ersten Tanks ruhig zuging, wurde der Motor schärfer eingestellt. Wichtig ist hierbei, dass das Aggregat wirklich warm ist und dass es beim Fahren eingestellt wird. Eine Einstellung im aufgebockten Zustand ist bei manchen Motoren möglich, sollte aber bei diesem hier nicht gemacht werden. Aufgebockt läuft der Motor sonst gut, aber wenn es ans Fahren gehen soll, kommt er nicht aus dem Füßen.

Nun musste der DRT beweisen, was er kann. Ausgeführt wurde er auf Plätzen mit Sand und kleinen Steinen als Untergrund. Hierbei fiel sehr schnell auf, dass die Bodenfreiheit und das Fahrwerk weniger für grobe Steine gemacht ist. Man sollte sich am besten einen Platz mit hauptsächlich Sand als Untergrund suchen. Hier bieten die Reifen einen guten Grip, Wie schon beim ersten Kontakt mit dem Modell, könnte das Fahrwerk ruhig ein etwas weicheres Öl vertragen. Für Asphalt oder Kopfsteinpflaster ist die verbaute Abstimmung sehr gut geeignet, im Gelände wird der DRT aber leicht unruhig. Das Fahrverhalten ist trotzdem auch für absolute Neulinge sehr einfach zu beherrschen. Beim Kurveneingang untersteuert das Auto erst etwas und wird dann neutral. Beim Herausbeschleunigen wird das Heck minimal leicht, lässt sich aber nur durch explizite Steuerbefehle zum Ausbrechen bewegen. Die Bremse packt gut zu und sorgt für ordentliche Verzögerungswerte.

Ein echtes Offroad-Modell muss natürlich auch springen. Deshalb wurden angrenzende Hügel in Angriff genommen. Der DRT hob sauber ab, konnte über Gas und Bremse noch korrigiert werden und landete dann satt auf den Rädern. So konnte ohne größere Zwischenfälle Tank um Tank verfahren werden, bis der Sprit leer war.

Inspektion und Wartung
Nach einigen Litern Laufleistung stand dann eine gründliche Untersuchung an. Reinigung und Wartung gehen recht schnell von der Hand. Die komplette Elektronik-Seite kann nach dem Lösen von nur vier Schrauben und dem Aushängen der Anlenkungen aus dem Modell entfernt und gereinigt werden. Ähnlich zügig gestaltet sich die Demontage von Motor und Tank. So lässt sich die Reinigung schon sehr gut vornehmen.

An den Abtrieben der Differenziale zeigten sich praktisch keine Verschleißerscheinungen, die Stifte an den Knochen waren leicht eingelaufen. Das war es auch schon neben dem üblichen Verschleiß an den Reifen, die ab und an noch mal etwas nachgeklebt werden mussten. Weiter wurden auch die Differenziale demontiert, aber auch hier war nichts von Verschleiß festzustellen. Den einzigen Negativpunkt bildete das etwas angegriffene Hauptzahnrad, das unter dem Einfluss von Sand und Steinchen Abnutzung zeigte. Das ist aber typisch für Kunststoff an dieser Stelle bei einem Offroad-Modell. Ansonsten hat sich der Kunststoff des DRT als sehr robust erwiesen.

Bis auf ein paar Kleinigkeiten, die man kurz überprüfen sollte, wie das Spiel in den Pivot-Balls, die Sturzwerte und die Dämpferbefüllung, kann der DRT praktisch aus dem Karton heraus gefahren werden. Wer als Haupteinsatzgebiete Sand, Kopfsteinpflaster oder grobe Asphaltstrecken ansteuern möchte, ist gut bedient. Der Motor konnte durch gutes Startverhalten im kalten und warmen Zustand und ausreichend Leistung überzeugen. Wer härteres Gelände bevorzugt, sollte einen Blick auf die Kyosho-Modelle DBX oder DST riskieren. Diese tun sich dort mit ihren größeren Reifen und längeren Federwegen leichter.

Fazit
Der Kyosho DRT ist ein würdiger Vertreter der neuen Desert-Truck-Klasse. Entsprechend seiner Konstruktion in leichtem bis mittlerem Gelände eingesetzt, verfügt er über einen hohen Funfaktor und gute Performance.