Zeitmaschine – Sand Scorcher von Dickie-Tamiya

von admin • 14.7.2010 • Kategorie: Modelle
• Ausgabe 08/2010

Einige erinnern sich vielleicht noch an die Zeit, als die ersten richtigen Bausatz-RC-Modelle in die Fachgeschäfte kamen. Pünktlich zum 30-jährigen-Geburtstag feiert Tamiya das Jubiläum des Kultbausatzes Sand Scorcher, indem er mit einigen technischen Verbesserungen wieder aufgelegt wird.


Das Getriebe ist komplett kugelgelagert

Massive, polierte Kardangelenke übertragen die Motorleistung auf die Räder

Auch die komplette Hinterachse läuft in kugelgelagerten Radachsen

Die Lenkhebelträger sind auf Kugelköpfen gelagert und weisen daher kaum Reibung auf

Einfach perfekt bis ins letzte Detail, sogar an den Auspuff wurde gedacht

Die Fiberglas-Chassisplatte wurde auf der Unterseite mit einer zusätzlichen Aluplatte verstärkt

Die wasserabweisende RC-Box bietet genügend Platz für die RC-Komponenten, nicht jedoch für einen handelsüblichen Stick-Akku

An der Vorderachse kommen kugelgelagerte Buggy-Rillenreifen mit sehr geringem Rollwiderstand zum Einsatz

Die Paddle-Reifen fürs Heck bieten guten Grip und Vortrieb im Gelände, fahren sich jedoch recht schnell ab

Der massive Frontrammer schützt das Modell sehr gut vor Zusammenstößen mit Hindernissen

Kaum ein Hersteller entwirft Bausätze mit so viel Detailliebe wie Tamiya

Vor dem Vergnügen des Fahrens steht jedoch auch hier noch immer wie bei vielen Tamiya-Modellen der Zusammenbau, auf den im Folgenden etwas näher eingegangen werden soll. Zunächst wäre hier die Verwendung von durchweg hochwertigen Materialien zu erwähnen. So sind sowohl Hinter- als auch Vorderachse komplett aus hochwertigem Aluminiumdruckguss gefertigt. Dadurch ergibt sich eine enorme Steifigkeit des gesamten Fahrwerks. Selbiges wiederum ist auf einer äußerst robusten Fiberglasplatte montiert, die mittels einer Aluminium-Überrollbügelkonstruktion ausgesteift wird. Durch die sehr steife Chassiskonstruktion kommt den ebenfalls aus Aluminium gefertigten Öldruckstoßdämpfern eine hohe Bedeutung zu. Die Dämpfer arbeiten anstandslos und bügeln Bodenunebenheiten auf der Haus- und Hofstrecke ganz leicht aus.

Triebwerk
Der Vortrieb erfolgt über einen 540er-Standardmotor, der den relativ schweren Buggy gut beschleunigen kann. Für den Anfang ist die Power zwar ausreichend für Wheelies. Wenn es aber um Endgeschwindigkeit geht, so ist die Anschaffung eines stärkeren Antriebs­aggregats ratsam. Höchstgeschwindigkeiten sollte man mit dem 540er nicht erwarten. Generell ist das straffe Fahrwerk sowieso mehr zum Cruisen im Garten als für den harten Offroadeinsatz ausgelegt. Die potenzielle Käufergruppe der Nostalgie-Modellbauer dürfte das jedoch nicht stören. Die Antriebsenergie wird über zwei polierte Aluminium-Kardangelenke an die mit Paddle-Reifen bestückte Hinterachse übertragen. Für das Getriebe stehen dem Piloten zwei verschiedene Untersetzungen zur Verfügung, da Tamiya zwei verschiedene Motorritzel mitliefert: eines mit 15 und eines mit 20 Zähnen.

Zum freudigen Erstaunen des Autors konnte festgestellt werden, dass Tamiya für alle drehenden Teile hochwertige Kugellager beigelegt hat. Diese vermindern im Gegensatz zu den sonst üblichen Gleitlagern den Verschleiß enorm. Alle RC-Komponenten sind wie auch der Motor in einer durchsichtigen Plastikbox verpackt, die wie schon damals gegen Wassereintritt abgedichtet ist. Von absoluter Wasserdichtigkeit sollte man aber ähnlich wie beim damaligen Modell nicht ausgehen. Die Box bietet jedoch die gleichen Platzverhältnisse wie vor 30 Jahren und somit ausreichend Raum für die inzwischen kleiner gewordenen RC-Komponenten wie Empfänger, Lenkservo, Akku und Fahrregler.

Auch bei dem Fahrregler hat sich etwas getan. Der alte dreistufige Mechanikregler ist Vergangenheit, denn Tamiya liefert nun einen elektronischen TEU-101 serienmäßig mit. Dieser lässt sich darüber hinaus auch noch sehr gut und einfach einstellen. Ganz nebenbei wird auch noch die Fahrzeit mit einer Akkuladung verlängert.

Quicky
Das Chassis ist im Gegensatz zur Karosserie wirklich sehr einfach gehalten und daher mit etwas Übung im Handumdrehen aufgebaut. Die sehr detaillierte Hartplastikkarosserie und speziell deren Bemalung erfordern hier schon etwas mehr Geduld und Sorgfalt. Hier müssen die Flächen sauber abgeklebt werden, um ein brauchbares Ergebnis zu erzielen. Ebenso muss die Fahrerfigur mit Sekundenkleber zusammenfügt und danach bemalt werden.

Um den realistischen Look zu vervollständigen wurden dem Sand Scorcher wie damals echte Beadlock-Reifen verpasst. Hierbei wird der Reifen auf der Felge verschraubt. Am Heck kommen hierbei schöne Paddle-Reifen zum Einsatz während an der Vorderachse schmale Rillenreifen montiert sind. Alle vier Felgen sind natürlich kugelgelagert.
Dieses Modell ist definitiv nicht zum Bashen beziehungsweise zum wilden Freizeit-Herumrasen geeignet. Vielmehr kann man mit dem Sand Scorcher schön gemütlich durch den Garten cruisen. Zudem ist die empfindliche Käferkarosserie nicht für hohe Stabilität und Langlebigkeit bekannt, falls es mal zu Kampfgetümmel oder Feinberührung kommt. Dieser Tatsache wurde beim Fahrtest Tribut gezollt. So wurde bewusst auf ein Rennen mit einem anderen Modell verzichtet. An der Front ist der Sand Scorcher zwar mit einem ausreichend dimensionierten Frontrammer ausgestattet, am Heck jedoch ist der verbaute Motorschutzkäfig einer der Schwachpunkte des Modells. Deshalb hat Tamiya diesen dem Bausatz wohl gleich zweifach beigelegt.

Balance-Akt
Aufgrund der relativ schmalen Spurweite und der straffen Dämpfung neigt der Sand Scorcher auch bei zu schnell angefahrenen Kurven zum Kippen. Diesem Kippen kann nur sehr bedingt durch eine andere Fahrwerksabstimmung entgegengewirkt werden, da die Federn weder eine andere Vorspannung annehmen können, noch der Pilot die Fahrwerksgeometrie durch verschiedene Aufhängungspunkte beeinflussen kann. Es macht einfach Spaß, den Oldie dabei zu beobachten, wie er durchs halbhohe Gras hoppelt. Besonders beeindruckend ist bei dem Modell der realistische Look, den heutzutage – abgesehen von wenigen Scale-Klassen – kaum mehr ein RC-Modell aufweist.

Wie die vielen anderen bisherigen Re-Released-Modelle ist auch der Sand Scorcher ein hervorragender Beitrag, um heutigen RC-Piloten die Wurzeln des RC-Sports näherzubringen. So kann man am Sand Scorcher sehr schön die technische Evolution zu den heutigen Fahrzeugstandards erkennen. Darüber hinaus ruft er einfach Erinnerungen an die frühreren Zeiten denen RC-Car-Fahrens hervor, als RC-Cars populär wurden. Diese Modelle sind aufgrund ihrer Einfachheit und der optischen Schönheit ein riesiger Spaß.n

Fazit
Mit dem Sand Scorcher hat es Tamiya vorbildlich geschafft, einen echten Klassiker der RC-Car-Szene wiederzubeleben. Zwar wurde darauf Wert gelegt, das Chassis wie vor rund 30 Jahren aufzubauen. Doch die Materialien sowie die Verarbeitung sind auf der Höhe der Zeit.

Text und Fotos: Markus Hummel


4 Antworten »

  1. Mensch toll liebes CARS & Details-Team. Hätte ja nicht gedacht, dass es einen Bericht über dieses seltene Modell gibt aber echt top! Ich hätte ihn mir auch gerne gekauft, aber ist mir ein bisschen zu teuer leider! MfG Hans
    PS: Weiter so! Ich lese CARS & Details sehr gerne!

  2. Eigentlich ist das Auto ja nichts Besonderes aber es hat was.
    Gruß,
    Tony

  3. Ist etwas, das etwas hat, nicht etwas Besonderes?

  4. Na ja, sagen wir mal so: Es ist technisch nicht die innovativste Erfindung der letzten Zeit aber in Sachen Coolness und Style kaum zu überbieten – in meinen Augen ;-)
    Gruß,
    Tony

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