Mit einer Gesamtlänge von fast 60 und einer Breite von mehr als 40 Zentimetern ist der XT8 das zurzeit größte Fahrzeug der Xray-Palette. Stolze 4 Kilogramm wiegt der kleine Riese, der entweder von einem 21er- (3,5 Kubikzentimeter) oder klassentypisch von einem 28er- (4,7 Kubikzentimeter) Motor mit Heckauslass angetrieben werden kann. Gemeinsam mit der eleganten Lexankarosserie im Pick-Up-Look und einem Satz bulliger Truggy-Reifen, die nicht zum Lieferumfang gehören, erhält man ein imposantes Gefährt, das zumindest rein optisch jedem Buggy die Show stielt. Die 2009er-Version basiert auf dem erstmals 2007 vorgestellten Chassis, das in vielen Bereichen verbessert oder aber dem aktuellen Trend angepasst wurde.
Feinarbeit
Wer sich mit Offroad-Modellen im Allgemeinen bereits beschäftigt hat, dürfte vom Aufbau und Prinzip des Allrad-Chassis nicht weiter überrascht sein. Der Antrieb erfolgt wie jeher mittels drei Kegeldifferenzialen, die zu den kleinsten der Szene zählen. Während vordere und hintere in stabilen Gehäusen logieren, ist das mittlere Diff zwischen zwei teilbaren Mittelböcken gelagert, die zudem die beiden Bremsscheiben samt Belägen und Ansteuerungen aufnehmen. Zwar war auch „der Alte“ mit Kardanwellen bestückt, doch der 09er kommt in den Genuss von insgesamt sechs hochwertigen CVD-Antriebswellen aus Hudy-Federstahl, die speziell im Bereich des Gelenks nochmals gewichtsoptimiert wurden. Der Antrieb und die Aufhängung sind auf einer stabilen und edlen 3 Millimeter dicken Chassisplatte aus 7075-T6-Aluminium montiert, die eine modifizierte Balance der Komponenten sowie einen verlängerten Radstand aufweist.
Was die Aufhängung angeht, beschränken sich die Änderungen auf die Vorderachse. Hier wurden die oberen Schwingen aufgegeben und zugunsten einer veränderten Geometrie, durch Rechts-Links-Gewindestangen ersetzt, wie sie bereits an der Hinterachse zum Einsatz kommen. Ansonsten vertraut Xray nach wie vor auf vier massive und bis zu 16 Zentimeter lange Schwingen, die neben außergewöhnlichen Federwegen auch eine imposante Spurweite zusichern.
Letztere wird übrigens durch die nun serienmäßigen Alu-Radaufnahmen mit plus 5 Millimeter Off-Set nochmals um einen Zentimeter erhöht. Aus diesem Grund ist darauf zu achten, ausschließlich Felgen ohne Off-Set zu benutzen. Ein echtes Highlight des XT8 ´09 sind aber die neuen Big-Bore-Öldruckdämpfer, die bereits im Buggy für Furore sorgten.
Neben einem oberflächenbeschichtetem Aluminiumgehäuse mit Außengewinde, 3,5 Millimeter dicken Kolbenstangen mit doppelter Abdichtung sowie drei verschiedenen Sechs-Loch-Kolbenplatten (1,3 bis 1,5 Millimeter), glänzen die Dämpfer durch einen sehr hohen Federteller – der ein Abspringen der Feder nahezu unmöglich macht – sowie einer praktischen Gummitülle zum Schutz der empfindlichen Kolbenstangen. Angesichts der unterschiedlichen Längen der Dämpfer hätte unserer Meinung nach die Tülle der hinteren Shocks einen Zentimeter mehr haben dürfen.
Nachdem sich der Einsatz diverser Kohlefaser- anstatt der üblichen Aluteile bei den Buggys durchgesetzt hat, profitiert nun auch der Truggy von den schmucken Graphite-Parts. Hierzu zählen die Lenkplatte und die Brücke der beiden Umlenkhebel, die Radioplatte sowie die Abdeckplatte des Mitteldiffs und last but not least die beiden 3,5 Millimeter dicken Dämpferbrücken, an denen ebenfalls die Gewindestreben zur Justierung des Sturzes und des Rollcenters montiert werden. Auf der linken Chassisseite, die bekanntlich der Antriebsquelle vorbehalten ist, befindet sich unter anderem der 150 Milliliter fassende Wettbewerbstank, der mit einer neuen, festschliessenden Dichtung ausgestattet ist. Die Gummilagerung desselben und ein zusätzlicher Spritfilter, der an der Spritzschutzwand befestigt ist, vervollständigen das Reservoir. Unmittelbar dahinter findet der Motor eigener Wahl Platz, der mit der bekannt zuverlässigen Dreibacken-Kupplung bestückt wird. Die Kupplungsbacken sind nach wie vor aus Aluminium, nun aber in Verbindung mit den harten Federn, die bisher als Optionparts erhältlich waren. Die neuen verlängerten Motorböcke, die zur Versteifung des Chassis im Zentrum beitragen, runden ein umfangreiches Paket an Neuerungen ab.
Anti-Stress
Die Montage des in einem großzügigen Karton gelieferten Bausatzes erweist sich, wie bei allen Xray-Modellen, als kinderleicht. Unterstützung erhält man dabei von einer ausführlichen Anleitung in Farbe und einem Setup-Guide als Anhang. Eine Explosionszeichnung des Modells, die Registrierungskarte sowie ein Xray-Katalog sind auch dabei. Da die Anleitung vom bisherigen XT8 stammt, werden die Änderungen in einer kleinen Broschüre erläutert. Die Grundausstattung ist durchaus üppig, einschließlich eines Luftfilters sowie der benötigten Öle, sodass nur noch etwas Schraubensicherungslack und das richtige Werkzeug benötigt wird.
Nach ein paar Stunden intensiven aber völlig stresslosen Bauens steht bereits die Montage der Elektronik an, die bis auf eine Ausnahme ebenfalls sehr einfach verläuft. Grund des Anstoßes, im warsten Sinne des Wortes, ist der rechte Schmutzabweiser, der im Bereich des Gas-Brems-Servos nicht weit genug ausgespart ist. Bei den meisten Servos der Standardgröße setzt dieses auf dem Formteil aus Kunststoff auf. Hier genügt der Einsatz eines Cutters, um einige Millimeter abzuschneiden und das Problem zu beheben. Der Einbau des Fünfzellen-Akkus gestaltet sich zwar etwas kniffelig, prinzipiell aber bietet die Box auch für den Empfänger ausreichend Platz. Die sehr schöne Karosse sollte auf jeden Fall vor dem Lackieren richtig angepasst werden, da die angezeichneten Löcher durch die veränderte Position der Halter (verlängerter Radstand) nicht übereinstimmen. Eigentlich erstaunlich, dass Xray in der Dokumentation nicht darauf hinweist.
Sanfter Riese
Unser Drang, den XT8 ´09 so richtig fliegen zu lassen, wurde erst einmal durch das Einlaufprozedere des brandneuen Orcan OA 215-Motors, einem druckvollen Fünf-Kanäler in Verbindung mit dem passenden 2041er-Resonanzrohr, eingebremst. Da die Orcan/Novarossi Motoren von Hause aus meist stark klemmen, sollte das Gehäuse vor dem ersten Startversuch auf jeden Fall mit einem Fön gut vorgewärmt werden. Das schont in erster Linie die Laufbuchse, aber auch die Startbox und somit den Geldbeutel. Angesichts der tadellosen Startbereitschaft der Orcan-Motoren ist die restliche Einlaufphase ein Klacks, die lediglich etwas Geduld verlangt. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt fiel der Truggy in Verbindung mit den von uns gewählten VTEC-Harakiri (S)-Reifen von LRP durch ein äußerst agiles und präzises Lenkverhalten positiv auf. Auf einer Parkplatzfläche mit Rasengittersteinen war die Seitenneigung auch mit den serienmässigen Stabbilisatoren recht ausgeprägt, was das Heck aber nicht daran hinderte den Richtungsänderungen der Vorderachse brav Folge zu leisten. Trotz seines Einsatzgewichtes von etwas mehr als 4 Kilogramm beschleunigte der XT8 `09 sehr zügig. Und das, obwohl unser Triebwerk für die Klasse bescheidene 3,5 Kubikzentimeter Hubraum hat. Eine Ursache hierfür ist die makellose Kupplung, die von den härteren Kupplungsfedern profitiert.
Die recht kleinen Bremsscheiben konnten das Chassis angemessen verzögern. Bei einer richtig eingestellten Balance der Bremse (vorne etwa 65 Prozent, hinten etwa 35 Prozent) gelingen kontrollierte Bremsmanöver, bei denen die Front sehr schön eintaucht. Im Gelände setzte der kleine Riese seine beeindruckende Performance nahtlos fort, indem er, ungeachtet der Hindernisse, geradezu über die wellige Oberfläche schwebte. Hier spielt der Truggy die Vorteile der gigantischen Federwege und des breiten Radstands voll aus. Sicherlich wirkt er etwas schwerfälliger als ein Buggy, trotz allem begeistert er auch beim Springen durch schwungvolle und stets kontrollierbare Flugeinlagen.
Analyse
Qualität und Ausstattung von RC-Cars im Allgemeinen sind mittlerweile auf einem recht hohen Niveau. Ärgerliche Ausfälle oder Probleme bei der Inbetriebnahme, verursacht durch falsch oder schlecht konstruierte Teile, gehören eigentlich der Vergangenheit an. Dieser Umstand ist nicht zuletzt engagierten Firmen wie Xray zu verdanken, welche die Qualität und somit die Ansprüche des Kunden neu definiert haben. Der XT8 `09 ist daher die logische Weiterentwicklung eines zweifellos guten Truggys, der von der unternehmerischen Philosophie seiner Schöpfer profitiert.
Fazit
Xray ist es exzellent gelungen, Gutes noch besser zu machen. Der XT8 ’09 ist ein hervorragender Wettbewerbs-Truggy, der in Sachen Performance und Ausstattung keinen Konkurrenten fürchten muss.