Bereits im Verkaufsregal legt die neue SB5 RTR einen fulminanten Start hin. Die Verpackungsdesigner von Thunder Tiger haben nicht nur einfach den eher zweckmäßigen Karton des hochwertigeren Kohlefasermodells umgestaltet, sondern präsentieren das vormontierte RTR-Modell in einem entsprechend großvolumigen Karton publikumswirksam hinter einem Sichtfenster, um sich so bereits vorab einen ersten Eindruck von der sehr windschnittig gehaltenen Maschine machen zu können. Abgerundet wird die Grundausstattung neben einer umfangreichen Bauanleitung nebst deutscher Übersetzung und dem üblichen Basiswerkzeugset von der aktuellen Cougar-Drehknopffunke im aktuellen 2,4-Gigahertz-Übertragungsmodus. Eingespart wurden dafür aber gegenüber dem klassischen Vorgängermodell nun der einfache Fahrakku sowie der Steckdosenlader.
Durchdacht
Verabschieden sollte man sich auch vom traditionellen Fahrwerkslook eines RC-Bikes mit konventioneller Aufhängungstechnik wie einer traditionellen Alueinarm- oder Doppelarmschwinge in Verbindung mit einer formschönen Upsidedown-Gabel. Unter der ab Werk vorgefertigten und verschraubten Lexanverkleidung steckt der Rahmen der großen SB5-Schwester. Preisbedingt muss allerdings auf den verwindungssteifen, mehrteiligen Rahmen aus Kohlefaser verzichtet werden. Anstelle dessen kommen faserverstärkte und mitunter verrippte Kunststoffspritzgußteile zum Einsatz, wodurch nicht nur die Fahrwerksgeometrie des Rennmodells sondern auch die aufwändige Aufhängungsmechanik der Doppelarmschwinge an der Vorderradgabel übernommen wurde, die, wie auch die leichte mehrteilige Kunststoffschwinge, mit gleich zwei Ölstoßdämpfern abgefedert wird.
Zwar etwas straff gefedert drücken sich die ab Werk befüllten Kunststoffölis im Handdrücktest aber soweit ganz ordentlich. Und auch die beiden kleinen Lenkungsdämpfer – respektive die kugelgelagerte Lenkung – fühlen sich im Trockentest ganz gut an, weil sie leichtgängig ohne Hakeln funktionieren. Kugelgelagert ist natürlich auch der gesamte Antriebstrakt, wobei Thunder Tiger hier wie gehabt auf die Technik gesetzt hat, die Antriebswelle durch den Schwingendrehpunkt laufen zu lassen. Das ist zwar anders als bei den großen Vorbildern, aber so wie bei meisten Mitbewerber auf dem RC-Bike-Markt.
Die Motorleistung wird über ein 48dp-Hauptzahnrad auf ein gegenübersitzendes Riemenrad übertragen, das mittels leisen Zahnriemenantriebs das Hinterrad antreibt. Über passende Einlegescheiben entsprechend der notwendigen Riemenspannung kann das Ganze justiert werden. Wichtigstes Bindeglied zwischen Bike und Piste sind die Reifen samt Felgen. Sie sind im RC-Bike-Geschehen auch für die stabilisierenden Kräfte zuständig und bestehen beim SB5 RTR nicht wie üblich aus Alu sondern aus leichtem Plastik und sind gegenüber der Rennschwester einteilig gehalten. Dafür setzt man aber auf dieselbe Reifenmischung wie bei dem teureren Baukastenmodell und gefühlsmäßig auf gleichharte Reifeneinlagen.
Für den notwendigen Kreiseleffekt, also die Fahrstabilität, soll das knapp über 100 Gramm schwere Vorderrad sorgen, während das leichte Hinterrad gute Beschleunigungswerte bringen wird. Der kernige 3.900er-Motor aus der hauseigenen ACE Ripper-Serie sollte dabei leichtes Spiel haben, wobei es im RC-Bike-Geschehen auch auf eine gute Regelbarkeit ankommt, die hier der kleine BLB40 übernehmen soll. Er findet gerade noch so Platz auf dem sehr schmal gehaltenen Chassis. Grund für das schlanke Format ist nicht zuletzt auch der Akkuschacht als Chassisbasis, der den Antriebsakku mittels simpler Gummiringe hochkant und trotzdem schwerpunktgünstig platziert aufnimmt. Aber so bleibt auch nicht viel Platz für die Unterbringung der weiteren elektrischen Komponenten. Das Lenkservo sitzt mitten in der Vorderradaufhängung zentral hinter dem Lenkkopf und der kleine 2,4-Gigahertz-Empfänger wird auf einer crashsicheren Kunststofflasche oberhalb des Hinterrads untergebracht.
Warmup
Im Lieferumfang findet sich neben einer Zubehörtüte auch noch ein praktischer Modellständer. Den üblichen Schraubencheck besteht die SB5 RTR soweit problemlos, allerdings offerierte das vorliegende Testmodell dann doch noch zwei Kritikpunkte. Punkt eins war das unsauber gefertigte oder einfach nur unzentriert gebohrte Motorritzel, welches letztendlich zu unrund lief, um der doch nicht unerheblichen Antriebsleistung auf Dauer Herr werden zu können, ohne das Kunststoffhauptzahnrad langfristig zu beschädigen. Eine kurze Rücksprache mit Thunder Tiger reichte aus und nach einer Austauschaktion sowie der Bestückung des Senders mit acht Mignonzellen und zwei frisch geladenen Nosram-LiPos konnte der Trockentest erfolgen.
Sender an, Akku anstecken, Regler an und schon ertönte das akustische Signal, womit der Regler seine Betriebsbereitschaft anzeigt. Der Lenkungstest war soweit erfolgreich, die Neutraltrimmung zeigte sich brauchbar und auch die Servorichtung war ab Werk korrekt am Sender voreingestellt. Nach einer kurzen Verzögerungssekunde lief auch der Motor schön an und beschleunigte, auch wenn man es eigentlich nicht machen sollte, das freidrehende Hinterrad auf beachtliche Drehzahlen.
Dabei fiel auf, dass die Verklebung des Reifens leider nicht die beste war, weshalb hier Nacharbeit nötig war. Ein kleiner Sekundenklebereinsatz nach einer gründlichen Reinigung der Klebeflächen mittels Bremsenreiniger und es konnte weiter gehen. Abschließend mussten nur noch die Sturzbügel in den Hülsen am Chassis montiert werden. Hierzu liegt dem Modell ausreichend Verschleißmaterial in Form eines Kunststoffbands bei, aus dem man die entsprechenden Stücke ausschneiden kann. Für den Anfang sollte man die Bügel ruhig etwas länger machen. Je länger der Bügel, desto weniger Schräglage und dadurch eine geringere Kurvengeschwindigkeit ergeben sich, was gerade für Anfänger ein gutmütigeres Fahrverhalten erzeugt. Beide Bügel auf 20 Zentimeter abgelängt, ergab noch eine gute Kurvenschräglage für das erste Rollout.
Platzbedarf
Was braucht ein RC-Bike-Anfänger? Platz! Was braucht ein RC-Bike-Anfänger mit einem BL SB5 RTR? Viel Platz! Optimal sind hierzu möglichst saubere, weitläufige Parkplätze, um sich mit dem Fahrverhalten des Modells und nicht zuletzt auch mit der Leistungsentfaltung des Brushlessantriebs vertraut zu machen. Nach der Anleitung soll das Bike zwar aus dem beiliegenden Modellständer heraus gestartet werden können, doch ein behutsamer leichter Schubs mit der rechten Hand mit etwas Gaseinsatz ist hier die bessere Methode. Bereits ab einer Geschwindigkeit von etwa 10 Stundenkilometer ist das Bike aufgrund der Kreiselkräfte eigenstabil unterwegs. Vorsichtige Korrekturen an der Lenkung reichen aus, um das Modell auf Kurs zu halten oder auch schon mal in weitläufig gefahrenen Bögen die mögliche Schräglagen auszutesten. Um hierbei ein harmonisches, nicht zu aggressives Lenkverhalten zu erhalten, empfiehlt sich die Nutzung des einfachen aber effektiven Dualrate-Rädchens an der Funke gleich unterhalb des Lenkrads. Mit zunehmender Geschwindigkeit erhöhen sich die Kreiselwirkung und damit auch die Fahrstabilität des Bikes, wohingegen die Lenkwilligkeit abnimmt. Kurskorrekturen bei voller Fahrt erfordern demzufolge größere Lenkausschläge, bei geringer Geschwindigkeit reicht ein vorsichtiges Antupfen der Lenkung.
Da die Topspeed des Modells wirklich beachtlich ist, dauert es auch nur wenige Sekunden und das rasch näherkommende Ende des Parkplatzes erfordert dringend eine Gegenmaßnahme. Jetzt heißt es bremsen – aber Vorsicht: ein blockierendes Hinterrad sieht zwar mitunter spektakulär aus, endet aber oft auch in einem Sturz. Auch hier ermöglicht die Funke eine getrennte Einstellmöglichkeit von Gas und Bremse. Dadurch kann man zum einen die Bremsleistung den Griffverhältnissen der Piste anpassen. Zum anderen lässt sich die Motorleistung des senderseitigen Ausgangssignals entsprechend des Fahrgeschicks begrenzen. Hierbei muss man unbedingt immer auch auf die Temperatur des Reglers achten, da sich dieser hierbei immer im Teillastbetrieb bewegt, da die Einstellungen am Sender auch nach dem Aus- und Einschalten des Reglers gespeichert werden.
Leistung ist übrigens mehr als genug vorhanden. Auf den staubigen Streckenabschnitten ist ein Durchdrehen des Hinterrads schnell provoziert und gerade aus der Kurve heraus kommt es dann schnell mal zu Ausbrechen und gegebenenfalls zu einem Abflug, was Fahrer und Lexankarosserie recht gut abkönnen, speziell wenn die beiden Seitenschalen zusätzlich noch von innen mit stabilen Glasfasertape gesichert werden. Auf staubfreiem, griffigem Untergrund oder auf der Rennstrecke sind mit der Baukastenmotorisierung auch sehenswerte Wheelies möglich, wenngleich es hier einen sensiblen Finger am Gaszug benötigt. Ebenso sensibel sollte man sich beim schrittweisen Kürzen der Bügel an die möglichen Schräglage herantasten, wenn man als Einsteiger das vorsichtige „auf dem Bügel um die Kurve“-Rutschen nach etwas Fahrpraxis abgelegt hat. Je mehr Schräglage, desto größer die maximale Kurvenspeed. Doch irgendwann stoßen hier die Baukastenreifen einfach an ihre Grenzen.
Tuning
Speed hat der kleine Brummer eigentlich genügend. Ein, zwei leichte, druckvolle 2s-LiPos, sowie zwei oder drei zusätzliche Ritzel und schon ist man bestens gerüstet. Wie bei RC-Cars auch, steht die Reifenfrage ganz oben auf der Tuning-Liste. Mit einem zweiten Satz Felgen und Einlagen sowie einem Satz 100er- oder 200er-PMT-Reifen – profiliert für staubigen Untergrund oder als Slick für ein runderes Fahrverhalten – fällt die Einkaufsliste recht übersichtlich aus und man verdoppelt so locker den Fahrspaß.
Geht es auf die Piste, macht neben zusätzlichen Dämpferölen und dem Fahrwerksfedernkit auch noch das Lenkungsdämpferkit zur Optimierung der Kurveneinlenkwilligkeit Sinn. Weiter kann es mit dem Bremskit für das Vorderrad gehen, für das dann allerdings auch eine Funke mit Mischfunktion des dritten Kanals anstatt der fummeligen Einstellung über ein V-Kabel benötigt wird. Stück für Stück kann man so das RTR-Bike bei Bedarf bis zur reinen Wettbewerbsversion aufrüsten.
Crash-Resistent
Abgesehen von den sich lösenden Baukastenreifen und einem fehlerhaften Motorritzel gab es am vorliegenden Testbike kaum etwas zu bemängeln. Verschleiß gab es eigentlich nur an den Sturzbügeln, wenn man es beim Kurvenfahren mit der Schräglage etwas übertreibt. Auch hier und da einige Schrammen an der Verkleidung gehören zum Bike-Standard, wenn man zu schnell unterwegs war und abseits der Strecke zum Stehen gekommen ist. Die SB5 RTR-Variante stellte sich während des Fahrtests als sehr robust heraus und verzieh so manch üblen Abflug, um sofort danach scheinbar ungerührt weiter ihre Bahnen zu ziehen.