Sanwa MT-4 von LRP electronic

Kompakter Colt mit Rückkanal

Erstellt am: 22. September, 2011

Kategorie: Aktuell, Technik

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Oliver Tonn

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Oliver Tonn

Magazin:  CARS & Details

Ausgabe: Ausgabe 10/2011

Erschienen im: September 2011

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Ausgabe 10/2011
Sanwa MT-4 von LRP electronic

Der Einzug der 2,4-Gigahertz-Technologie bildete so etwas wie einen Meilenstein im RC-Bereich. Vorbei die Zeiten der spaßraubenden Kanalüberschneidungen und störanfälligen Verbindungen zum Modell. Entsprechend ausgerüstet, will Sanwa mit der neuen MT-4 im Konzert der gehobenen Ausstattungsklasse mitspielen und die Konkurrenz überflügeln.

Wie bei technischen Neuerungen üblich, profitierten Anfangs vor allem verhältnismäßig teure Fernsteuerungen vom Fortschritt. Mittlerweile wurde die 2,4-Gigahertz-Übertragung jedoch längst nach unten durchgereicht und es ist heute problemlos möglich, einfache Anlagen aus der Einsteigerklasse für zweistellige Eurobeträge zu erstehen. Das reine Vorhandensein von 2,4 Gigahertz allein reicht also nicht mehr aus, um Kunden für sich zu gewinnen und Marktanteile zu ergattern. Es muss schon ein bisschen mehr sein.

Eine Frage der Einstellung
Lange bevor man die MT-4 zum ersten Mal in Betrieb nimmt, gibt es diverse Möglichkeiten, den Aufbau der Anlage mechanisch auf die eigenen Belange abzustimmen. Hierfür stellt Sanwa zwei Griffschalen unterschiedlicher Stärke zur Verfügung, sodass sowohl große als auch filigrane Pilotenhände optimalen Halt finden. Drei wählbare Kunststoffeinsätze ermöglichen die Ausrichtung des Gashebels in verschiedenen Winkeln. Darüber hinaus kann der Fahrer per Einstellschrauben den Lenkwiderstand und die Maximalausschläge des Lenkrads in beide Richtungen bestimmen. Beschäftigt man sich mit den mechanischen Variations­möglichkeiten der MT-4, stößt man allerdings auch auf ein Manko: Die neue Sanwa-Anlage kann nicht für Linkshänder umgebaut werden.

Liegt alles gut in der Hand, kann man die neue Errungenschaft zum ersten Mal in Betrieb nehmen. Dafür werden vier AA-Zellen als Stromversorgung benötigt, die in den mitgelieferten Halter im Sockel einzusetzen sind. Die geringe Anzahl der Akkus oder Batterien hält das Gesamtgewicht der MT-4 auf einem angenehm niedrigen Niveau, was besonders in langen Finalläufen durchaus von Bedeutung ist. Ist auch dieser Schritt erledigt, bleibt nur noch die Betätigung des seitlich platzierten Ein-aus-Schalters.

Der Startbildschirm begrüßt mit der Darstellung der wichtigsten Grundfunktionen. Dazu zählen neben dem ausgewählten Modellspeicher – insgesamt sind davon 18 vorhanden – der Modellname, der in zehn Stellen frei gewählt werden kann. Weiterhin werden unter anderem die gewählte Modulationsart angezeigt sowie diverse Balken und grafische Übersichten der verschiedenen Kanäle, Trimmpositionen und die Akkuspannung. Um in die weiterführenden Menüstrukturen zu gelangen, findet ein Element erstmals Verwendung, das für die gesamte Bedienung der MT-4 von entscheidender Bedeutung ist. Rechts des Displays ist ein Scrollrad untergebracht, mit dem man einerseits durch die Menüs scrollt und andererseits vorgenommene Einstellungen durch Draufdrücken bestätigt.

Bei der Bedienung des Scrollrads fielen sowohl die deutlichen Rastpunkte beim Drehen als auch der gut spürbare Druckpunkt positiv auf, sodass alle Eingaben sehr kontrolliert vorgenommen werden können. Als Gegenspieler tritt ein kleiner Druckknopf in direkter Nachbarschaft in Erscheinung, dessen primäre Aufgabe es ist, vom der aktuellen Position zum vorherigen Menüpunkt zurückzukehren. Auch hier ist der Druckpunkt gut nachvollziehbar und im Zusammenspiel mit dem Rad ergibt sich eine leichte und exakte Bedienung der unterschiedlichen Programmpunkte.

Tiefenrausch
Tritt man vom Startbildschirm in die untergeordnete Menüstruktur ein, präsentiert sich eine Liste von 16 verschiedenen Einstellungsoptionen. Jede einzelne davon an dieser Stelle vollständig zu behandeln, würde den Rahmen eines Testberichts sprengen, denn schnell wird klar, dass an der MT-4 fast jede denkbare Funktion explizit eingestellt werden kann. Dazu gehört neben den obligatorischen Trimm-Positionen, Servoumkehr und Endpunktauschlägen auch die „Curve“-Funktion, mit deren Hilfe die Arbeitswege der Servos in Relation zu den Steuereingaben vorgegeben werden. Hier haben sich sowohl das Exponential- als auch das ARC-Verfahren durchgesetzt.

Besitzer der MT-4 müssen sich auf die Qual der Wahl vorbereiten, denn die Sanwa-Anlage hält beide Optionen bereit. Es handelt es sich bei den Funktionen um geometrische Kurven, die sich in Verlauf und Bezugspunkt unterscheiden, dabei aber ein ähnliches Ziel verfolgen. Mit etwas Einarbeitung dürfte jede denkbare Servoreaktion umsetzbar sein. Von besonderer Bedeutung ist der erste Punkt des 16-teiligen Menüs, der so etwas wie einen Schnellzugriff bietet. Hier werden die wichtigsten Grundmenüs nochmals zusammengefasst, sodass elementare Einstellungen für jeden Kanal direkt vorgenommen werden können, ohne dass man sich durch jeden einzelnen Unterpunkt hangeln muss. Dieser Aufbau ist beispielsweise bei Rennen sehr nützlich, wenn während des Laufs schnell und direkt Veränderungen vorgenommen werden sollen.

In Sachen Übertragungsprotokoll hält die MT-4 diverse unterschiedliche Verfahrensweisen bereit. Wie eingangs erwähnt, ist das reine Vorhandensein der 2,4-Gigahertz-Technik heute kein Garant mehr für Spitzentechnologie. Um sich abzugrenzen, trieben die Produzenten in jüngster Vergangenheit vor allem die Verbesserung der Übertragungsgeschwindigkeit voran. Sanwa ist beim hauseigenen F.H.S.S-System mittlerweile bei der vierten Generation angekommen, mit jeweiligen Upgrades von Stufe zu Stufe. Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die Empfänger der vergangenen Generationen nicht mehr mit Stufe vier korrespondieren wollen. Hier bietet Sanwa ein besonderes Schmankerl: Je nach Einstellung arbeitet die MT-4 mit Empfängern der F.H.S.S.-Versionen zwei, drei und vier. Natürlich sind dabei mögliche Einbußen in der Übertragungsgeschwindigkeit hinzunehmen, aber grundsätzlich wird eine sehr hohe Variabilität bei der Empfängerauswahl erzielt.

Gleiches gilt im Bezug auf die verbauten Servos: Hier stehen die Modi „Normal“ für Analogservos, „Sanwa High Response“ (SHR) für alle gängigen Digitalservos und „Sanwa Super Response“ (SSR) für Servos der Sanwa-SRG-Linie bereit. Je nach Modus wird die Reaktionszeit der Rudermaschinen gesenkt – wenn sie es denn technisch zulassen. Fast noch wichtiger ist aber, dass praktisch für jeden Servotyp ein passender Modus verfügbar ist, sodass in aller Regel auch ältere Ausführungen weiter verwendet werden können.

Überwachungstat
Teil der MT-4-Struktur ist eine komplette Telemetrie-Funktion, die es mithilfe unterschiedlicher Fühler ermöglicht, unterschiedliche Parameter zu überwachen. Dazu zählen neben Motordrehzahl und Empfängerspannung auch die Temperaturerfassung an einem Ort nach Wahl. Wird ein zweiter Temperaturfühler separat erworben, so kann letztere Messung sogar an zwei Punkten gleichzeitig erfolgen, denn der mitgelieferte RX-461-Empfänger bietet Anschlüsse für zwei unabhängige Temperaturfühler. Dies dürfte besonders für Piloten von Elektromodellen interessant sein, die zeitgleich Informationen bezüglich der Motor- und Reglertemperatur wünschen. Die entsprechenden Ergebnisse werden auf dem Display gut ablesbar wiedergegeben.

Natürlich ist es keine gute Idee, während der Fahrt den Blick vom Modell abzuwenden, um ausgiebig das Display der Fernsteuerung zu studieren. Um dem vorzubeugen, hält die MT-4 einen Datenlogger bereit, der alle erfassten Messungen speichert. Die Erfassung erfolgt an 120 Messpunkten, deren Abstand zwischen 0,1 und 45,1 Sekunden gewählt werden kann. Rechnerisch ergibt sich so also die Möglichkeit, Aufzeichnungen über eine Zeitdauer von 12 Sekunden bis zu zirka 90 Minuten vorzunehmen. Die Ergebnisse können dann nach Beendigung der Fahrt numerisch und graphisch ausgelesen werden.
Insgesamt bietet die Telemetrie eine sinnvolle Option. Allerdings gilt es zu beachten, dass viele Rennserien in ihren Regularien die Verwendung untersagen. Dabei reicht es meist nicht, die jeweiligen Fühler aus dem Modell zu entfernen, denn schon die Tatsache, dass der Empfänger Daten aussendet, kann verboten sein. Wer also bei Wettbewerben antritt, sollte sich die jeweiligen Vorschriften genauestens ansehen, um eine mögliche nachträgliche Disqualifikation zu vermeiden.

Hardware
Abseits der üppigen Menüs hält die MT-4 diverse Möglichkeiten für direkte Eingaben bereit. Trimmung und Dualrate werden über vier Wippschalter über und neben dem Lenkrad justiert – wenn es denn gewünscht ist, denn jedem dieser Schalter können auch diverse andere Aufgaben zugeteilt werden. Besonders für Piloten von Verbrennermodellen mit mechanischer Ansteuerung des Rückwärtsgangs dürfte der zusätzliche Hebel interessant sein, der sich ideal für die Bedienung eines entsprechenden Servos eignet. Mit insgesamt vier Kanälen dürfte die MT-4 grundsätzlich alle denkbaren Anforderungen verschiedenster RC-Car-Klassen erfüllen.

Obwohl dieser Überblick nicht annähernd alle Funktionen der neuen MT-4 abdeckt, wird eines ersichtlich: Sanwa reitet die volle Attacke auf die Konkurrenz und greift dabei an allen Fronten an. Die MT-4 ist leicht, ultraschnell, verfügt über eine hohe Kompatibilität und lässt sich auf beinahe alle Eventualitäten perfekt abstimmen. Darüber hinaus wurde neben der Kür auch die Pflicht perfekt erledigt, denn der Kunststoff des Gehäuses ist sowohl von der Optik, als auch der Qualität von allererster Güte. Eigentlich eine typische Kandidatin, um als Flaggschiff eine Modellreihe nach oben abzurunden. Doch hier hat Sanwa offensichtlich andere Pläne.

Die aktuelle Marketing-Strategie des deutschen Distributors LRP beinhaltet einen direkten Vergleich mit einem Fernsteuerung der Konkurrenz: der Spektrum DX3S. Spätestens an diesem Punkt wird klar, dass die MT-4 eher in der Mittelklasse als im Oberhaus positioniert werden soll. Als Grund drängt sich eine Vermutung auf: Sanwa hat die Oberklasse bereits mit der großen Schwester unserer Probandin, der M11X besetzt. Möglichweise möchte man einen Konkurrenzkampf zwischen eigenen Produkten vermeiden, was aus marktstrategischen Überlegungen heraus sicher nachvollziehbar wäre.

Ob diese Strategie allerdings aufgehen wird, bleibt abzuwarten, denn rational betrachtet, übt die MT-4 einen enormen Druck auf die M11X aus. Sie hat das modernere Übertragungsverfahren, eine integrierte Telemetrie-Funktion und einen riesigen Funktionsumfang, auch wenn dieser nicht ganz an jenen der M11X heran reicht. Dafür ist die MT-4 leicht und kompakt, während ihre große Schwester – hier muss der Ehrlichkeit genüge getan werden – in Sachen Optik und Gewicht durchaus den Charme eines Vorschlaghammers versprüht. Das mag auch der Grund sein, warum Sanwa leider darauf verzichtete, der MT-4 eine Displaybeleuchtung zu verpassen, wodurch der Abstand zur M11X erneut kleiner geworden wäre. Darüber hinaus gibt es eigentlich nur die bereits erwähnte fehlende Möglichkeit zur Umrüstung auf Linkshänderbetrieb zu bemängeln.

Was immer Sanwa und LRP auch mit der MT-4 vorhaben: Für uns ist sie eine ganz klare Vertreterin des Oberhauses, wobei wir die preisliche Ausrichtung auf die Mittelklasse natürlich gerne akzeptieren. Im Gesamtpaket stellt die neue Sanwa-Anlage einen regelrechten Paukenschlag dar und es steht außer Frage, dass sie massenhaft Freunde in allen Bereichen des RC-Car-Sports finden wird.