Der Startschuss in die Brushlesstechnologie fiel mit zweipoligen Rotoren. Das brachte schon ordentlich Leistung, wobei die dabei auftretenden Betriebstemperaturen bei nicht ganz optimalen Untersetzungen der Getriebe schon eher grenzwertig waren. Man kann die heutigen zwei-, vier- und sechspoligen Brushlessmotoren fast mit denen unserer Kraftfahrzeuge vergleichen. Je mehr Pole, desto mehr Leistung. Vom Drehmoment und der sich daraus ergebenen Langlebigkeit der Aggregate ganz zu schweigen.
Spezifisch
Ganz so geht es bei den beiden Tenshock-Motoren der SC401-Serie. Diese sind extra für Short Course-Trucks im Maßstab 1:10 mit Allradantrieb ausgelegt und optimiert. Dank ihrer 540er-Baugröße passen sie in alle allradgetriebenen Short Course-Trucks. Sie unterscheiden sich allein durch ihre spezifische Drehzahl voneinander. Der SC401/8 hat mit 4.000 Umdrehungen pro Minute und Volt etwas weniger Drehzahl als sein Bruder SC401/7 mit 4.600 Umdrehungen pro Minute und Volt. Beide weisen einen Rotor mit vier Polen auf. Die Magnete sitzen verklebt in Schwalbenschwanzführungen, wodurch ein Lösen vom Kern unmöglich ist.
Vor und hinter den Magneten sitzt jeweils eine Aluminiumbuchse, die zum Wuchten des Rotors kleine Bohrungen aufweist. Die Welle, auf der die Magnete sitzen, hat stattliche 5 Millimeter Durchmesser. Für einen 1:10er-Short Course-Truck ist das schon ganz ordentlich. Da die SC401-Serie von Tenshock für 4WD-Trucks gedacht ist, kommt auch keine Frage der zu verwendenden Motorritzel auf. Der Markt gibt ausreichend Auswahl an 32DP- und Modul 1-Ritzeln her.
In Anbetracht der Drehzahl von 4.600 Umdrehungen pro Minute und Volt des SC401/7, kam die Idee auf, ihn in einem 2WD-Short Course-Trucks einzusetzen. Da diese Trucks, respektive derer Getriebe, eigentlich nur Hauptzahnräder mit einer Verzahnung von 48DP aufweisen, muss man schon etwas länger nach geeigneten Ritzeln suchen. Die beiden SC401-Motoren kamen im SC10 4×4 von Thunder Tiger mit einer Standardübersetzung und dem 32DP-Hauptzahnrad zum Einsatz. Die Stromversorgung übernahm ein 5.000er-LiPo-Akku mit 7,4 Volt. Geregelt wurde der Strom von einem Mamba Max Pro-Regler, der ohne viel Einstellarbeiten die Motoren versorgt.
Mach Männchen
Als Erstes war der Motor mit 4.000 Umdrehungen pro Minute und Volt an der Reihe. Auf der Teppichstrecke entwickelten die Reifen so großen Grip, dass der SC10 beim Herausbeschleunigen aus den Kurven das eine oder andere Mal auf die Hinterbeine ging. Das ist im Rennbetrieb so natürlich nicht gewollt, also ist es empfehlenswert, den Slipper ein klein wenig zu lösen, um maximale Traktion zu gewährleisten. Für die winklige und kurvenreiche Indoorstrecke war der Motor schon fast überdimensioniert. Einen Zahn weniger am Ritzel könnte hier Abhilfe schaffen. Die Betriebstemperatur von 55 Grad Celsius zeigt an: hier ist alles im grünen Bereich.
Für den Test mit dem größeren Motor, der 4.600 Umdrehungen pro Minute und Volt leistet, sollte es dann auf eine wesentlich größere Außenstrecke gehen. Da die wenigsten Outdoor-Strecken mit Teppich ausgestattet sind, stießen die Räder schon an ihre Grenzen, um den Vortrieb vom SC401 auf die Strecke zu bringen. Subjektiv kam das Gefühl auf, dass der Motor nicht nur mehr Drehzahl, sondern auch wesentlich mehr Drehmoment hatte. Brach die Traktion einmal ab, mutierten die Reifen zu flachen Tellern und man musste seinen Gasfinger erst einmal wieder zähmen. Im Anschluss an den Test förderte der Datenlogger eine Leistung von 860 Watt und einen Strom um die 120 Ampere als Maximalwerte zu Tage. Die Fahrzeit betrug dabei rund zwölf Minuten.
Zwillingspaar
Es hat fast den Anschein, dass Robitronic mit Tenshock gemeinsame Sache machen, wenn man sich die vorgestellten Motoren ansieht. Der Tenshock X-801 gleicht dem Robitronic RD2240-7T Razor X8 auf den ersten Blick wie ein Ei dem anderen – abgesehen von der Farbe. Genau so sieht es beim TS X-802 und dem RD2240P-7T aus. Layout, Aufbau und Material sind fast identisch. Allerdings gibt es doch ein paar kleine Unterschiede zwischen diesen vier Motoren. Neben der Farbgebung weisen die Gehäuse unterschiedliche Kühlrippen auf. Im Inneren wird, nach dem recht einfach zu handhabenden Zerlegen der Motoren, Weiteres sichtbar.
Die Rotoren sind bei den Tenshock-Motoren am Trägermaterial der Magnetaufnahmen mit kleinen Bohrungen zum Feinwuchten der Hochleistungsrotoren versehen. Die Robitronic-Aggregate haben jeweils vor und hinter den Magneten Aluminiumscheiben, die ihrerseits Bohrungen zum Wuchten aufweisen. Bei einem Vergleichstest auf der Waage ließen sich hier keine Gewichtsvorteile bei den Tenshock-Rotoren feststellen. Alle Rotoren haben sechs Magnete, was sie logischer Weise zu Sechspolern macht. Auch hier gilt die Regel: je mehr Pole, desto kraftvoller und wirtschaftlicher der Antrieb.
Die Statoren der Motoren sind hingegen gleich. Hier haben der TS X-801 und der Robitronic Razor X8 je neun Slots. Den Vogel schießen dagegen der TS X-802 und der RD2240P-T7 von Robitronic ab. Ihre Armaturen haben unglaubliche 18 Slots für noch mehr Effizienz und Kraft. Angegeben sind diese Motoren mit 3.500 Watt Leistung. Mit der richtigen Stromquelle von bis zu 21 Volt Nennspannung sollte dies kein Problem darstellen. Die Tests haben ergeben, dass im Team Associated SC8e mit einer Spannung von 14,8 Volt die Leistung immer noch bei 1.600 Watt lag. Der gemessene Strom wurde mit maximal 115 Ampere bei einer ungefähren Fahrzeit von 18 Minuten dokumentiert.
Seelenverwandt
Bei beiden Herstellern gab es kaum Unterschiede, was die Daten angeht. Die nächst kleineren Varianten – der TS X-801 und der Razor X8 – wurden im gleichen Fahrzeug auf ihre Power getestet. Jeweils mit demselben Akku bestückt, wurden 20 Minuten auf der Rennstrecke abgespult, was auch die maximale Fahrzeit beider Motoren mit einem 5.000-Milliamperestunden-4s-LiPo darstellt. Die Ergebnisse konnten sich ebenfalls sehen lassen, denn beide Motoren zeigten auf dem Eagle Tree-Datenlogger eine Leistung von bis zu 1.700 Watt an. Der Strom, der dabei vom Motor gefordert wurde, war mit Spitzen um die 125 Ampere noch vertretbar.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die SC401-Serie von Tenshock bestens für 1:10er-Short Course-Trucks mit Allradantrieb geeignet ist. Man muss lediglich etwas mit der Übersetzung herumspielen, um den besten Wirkungsgrad heraus zu finden. Als Regler empfiehlt sich hier ein Mamba Max Pro oder vergleichbares. Die beiden Serien der RD2240 Razor X8-Motoren von Robitronic und die X-801 Tenshock-Varianten können im 1:8er-Buggy hervorragend für Rennen gewählt werden. Die leistungsstärkeren Motoren RD2240P und X-802 hingegen entwickeln ausreichend Schub, um auch schwerere Gefährte wie zum Beispiel Truggys und Short Course-Trucks im Maßstab 1:8 entsprechend zu beschleunigen. Hierbei sei allerdings zu erwähnen, dass aufgrund der höheren Leistung und des Gewichts der Fahrzeuge ein leicht erhöhter Stromverbrauch in Kauf genommen werden muss. Der Regler für diese großen Motoren sollte auf Dauer mindestens 150 Ampere verkraften, damit ein reibungsloser Betrieb gewährleistet werden kann.