Oldschool-Look für 1:10er

Retro-Design-Karosserie

Erstellt am: 14. Juli, 2011

Kategorie: Aktuell, Technik

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Christian Hanisch

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Christian Hanisch

Magazin:  CARS & Details

Ausgabe: Ausgabe 08/2011

Erschienen im: Juli 2011

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Ausgabe 08/2011
Oldschool-Look für 1:10er

Für RC-Car-Karossen hat sich Lexan durchgesetzt. Nun zeigt die Firma RetroRacing im Vertrieb von
LRP electronic in einer Kleinserie eine interessante Alternative zu diesem Werkstoff – und dies ausgerechnet an Karossen im Retro-Design. RetroRacing setzt auf Karossen aus Polyethylenterephthalat (PET), ein Material, das vor allem von Getränkeflaschen bekannt ist.

Mit der Materialwahl erschöpft sich aber nicht die Sonderstellung dieser Karossen. Sie bestehen aus zwei Teilen statt der im 1:10er- und 1:8er-Bereich üblichen einteiligen Hauben. Die zweiteilige Ausführung hat zwei Gründe: Zum einen gelingt damit die Herstellung von eingezogenen Karosseriestrukturen wie beispielsweise des typischen zur Fahrbahn gerichteten Kühlergrills der Fahrzeuge aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Zum anderen wird bei der zweigeteilten Karosse quasi als Nebeneffekt eine Anpassung des Radstands in gewissen Grenzen machbar. Die Karosse ist dazu zwischen Motorhaube und Kabine getrennt. Die beiden Teile werden je nach Radstand mehr oder weniger überlappend zusammengesetzt und mit fünf kleinen Schrauben und gegebenenfalls zusätzlich Klebeband miteinander verbunden.

Linientreu
Das Ausschneiden der Karosse geschieht mit einer üblichen Lexanschere. Die Schnittlinie sollte vorher mit einem Faserschreiber vorgezeichnet werden. Aufgrund der Schutzfolie eignet sich dazu allerdings nur ein wasserfester Stift. Die Striche können mit Isopropanol anschließend leicht entfernt werden. Das Anritzen des Materials und anschließende Ausbrechen der Karosse, wie bei Lexan häufig praktiziert, versagt beim PET. Das Material ist zäher und reißt eher als es bricht. Es muss deshalb komplett mit einer Schere ausgeschnitten werden. PET bietet gegenüber Lexan eine größere Flexibilität. Das sorgt für eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber den typischen Einrissen bei Crashs.

Nach dem Ausschneiden wird die Karosse zum Bohren der Löcher für die Karosseriehalter und zur gegenseitigen Fixierung der beiden Karosseriehälften am Chassis angepasst. Das ist ein kniffliger Schritt, bei dem es hilfreich sein kann, wenn die Radhäuser zunächst noch nicht ausgeschnitten werden. So wird das korrekte Einstellen des Radstands erleichtert, denn die Räder fixieren sich in den Radhäusern von selbst. Es ist bisweilen auch hilfreich, wenn die beiden Karosseriehälften beim Anpassen gegeneinander mit einem Klebeband fixiert werden.

Farbenfroh
Wenn das Anpassen geschafft ist, geht es an die farbliche Gestaltung. Genau wie die Lexan-Karossen, werden auch die PET-Karossen von innen lackiert. Allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied, denn die PET-Karossen dürfen nicht mit den lösemittelhaltigen Lexan-Farbsprays lackiert werden. Die Lösemittel verspröden das PET, sodass die wichtigsten Eigenschaften der Karossen – ihre Flexibilität und Stoßunempfindlichkeit – teilweise oder gänzlich verloren gehen. Bei einem Crash würde es dann also wirklich Bruch geben. Zum Lackieren sind deshalb nur Lacke auf Wasserbasis wie beispielsweise Faskolor oder AutoAir geeignet. Ansonsten ist die Prozedur aber wie bekannt: Karosse von innen mit Spüli-Wasser waschen und leicht anrauen. Zum Anrauen eignet sich bereits die raue Seite eines Haushaltsschwamms.

Das Abkleben geschieht ebenso wie gehabt mit Maskierfolie oder Abklebeband. Alternativ kann auch auf Maskierfilm, zum Beispiel Parma Fasmask, zurückgegriffen werden. Der Einsatz von Maskierfilm empfiehlt sich bei feinen Strukturen, die mit Klebeband nur schwer abzudecken sind. Er wird flächig aufgetragen, mit einem Hobbymesser geschnitten und in den zu lackierenden Zonen dann einfach abgezogen. Nach dem Lackieren werden die abgedeckten Zonen abgezogen – fertig ist eine saubere Kontur. Leider enthält der Bausatz keine Abkleber für die Fenster und nur sehr dürftige Aufkleber. Das Gestalten insbesondere der Kühlergrillpartie und gegebenenfalls noch der Zierleisten an den Fenstern mittels Lackierung führt zu einer regelrechten Abklebeorgie. Das ist nicht jedermanns Sache.

Die Lackierung wurde mit einer Airbrush-Pistole mit 0,5er-Düse und der AutoAir-Farbe mit der aufregenden Bezeichnung Iridescent Teal Lustre #4354 durchgeführt. Es wurden vier dünne Schichten aufgetragen. Danach erfolgte ein Hinterlegen der Farbe mit Base Coat Sealer-Schwarz. Erst das Hinterlegen bringt die volle Wirkung dieser halbdeckenden Farbe zum Vorschein. Da die Lackierung faktisch verkehrt herum aufgebracht wird, ist einige Erfahrung erforderlich, um die richtige Schichtdicke abzuschätzen, denn bis zum Hinterlegen mit Schwarz, Silber oder Weiß ist der Farbeffekt oft nur zu erahnen und bei einigen Farben überhaupt nicht auszumachen.

Eye-Catcher
In der Praxis erzeugt die Karosse zweifelsfrei Aufmerksamkeit, denn man vermutet aufgrund des Youngtimer-Modells ein RC-Car aus längst vergangenen Zeiten. Die aus den zwei Teilen aufgebaute Karosse bringt stabilitätstechnisch zunächst keine Nachteile. In argen Crashsituationen allerdings ist die Verschraubung eine Schwachstelle. Mit gut 180 Gramm ist die fertig gebaute PET-Karosse deutlich schwerer als ihre Lexan-Verwandtschaft, die bei dieser Größe nur um die 120 Gramm auf die Waage bringt.

Nichtsdestotrotz ist die Retro-Karosse aus PET ein Hingucker und aufgrund der ausgefallenen Youngtimer-Nachbauten mit Sicherheit etwas für die Showeinlage jenseits des harten Renneinsatzes. Beim Gestalten ist einiger Arbeitsaufwand erforderlich, der sich bei diesen Karossen aber durchaus lohnt. Wünschenswert wäre es jedoch, wenn etwas reichhaltigere Aufkleber die Arbeit erleichtern und so für noch mehr Attraktivität sorgen.