Der Name Losi steht in der RC-Car-Szene nicht nur für Modelle bester Qualität, sondern auch für fertig montierte Chassis ohne Komponenten. Somit wird auch der Ten SCTE als so genanntes Rolling Chassis ausgeliefert. Das Modell ist komplett montiert, die Räder sind verklebt und die Karosserie liegt ausgeschnitten, jedoch unlackiert bei. Einen Motor oder RC-Komponenten sucht man jedoch vergeblich. Dieses Konzept richtet sich vor allem an fortgeschrittene Wettbewerbsfahrer, die bereits über die nötigen Komponenten verfügen, jedoch keinen Wert auf den Zusammenbau legen. Somit lassen sich beliebige Bauteile montieren, ohne dass man für RTR-Elektronik bezahlen muss, die eventuell gar nicht den eigenen Vorlieben entspricht.
Wahltag
Nun steht man als Erstes vor der Überlegung, welche Ausstattung das Modell bekommen soll. Ein Lenkservo ist schnell im Horizon Hobby-Sortiment gefunden. Das Spektrum S6040 hat mit 12 Kilogramm Stellkraft und einer Stellzeit von 0,08 Sekunden die richtigen Werte, um den SCTE selbst bei hohen Belastungen gezielt auf Kurs zu halten. Die Montage ist kinderleicht. Vier Schrauben, vier Unterlegscheiben und nach fünf Minuten sitzt der Steuermann an seinem Platz. Das Kabel kann durch einen kleinen Schlitz direkt in die Empfängerbox gelegt werden. Die Öffnung ist so platziert, dass sie zwar etwas schwer zugänglich ist, aber effektiv vor Verunreinigungen im Inneren der RC-Box schützt.
Ebenso schnell ist die Entscheidung für einen Empfänger gefallen. Ein Spektrum-Empfänger vom Typ SR300 erfüllt die Anforderungen mehr als ausreichend. Das Antennenkabel wird wie üblich über ein kleines Loch in ein Kunststoffröhrchen geführt und nach oben gerichtet. Die Länge ist so gewählt, dass der Stummel komplett unter der Karosserie verschwindet und so selbst Überschläge der empfindlichen Empfangsanlage nichts anhaben können. Dazu noch den Sender DX3S und das RC-Paket ist perfekt.
Donnerbüchse
Nun fehlt noch ein standesgemäßer Antrieb. Natürlich beschleunigt man sein Auto heute nur noch Brushless. Aber welchen Motor nimmt man? Ein normaler 540er-Brushlessmotor, wie es ihn an jeder Ecke zu kaufen gibt, ist zu klein. Damit kommt kein echter Fahrspaß auf. Ein Monstertruck- oder Buggyantrieb hingegen ist viel zu groß. Die Lösung ist ein Innenläufer der relativ spärlich vertretenen 550er-Baugröße. Diese Motoren sind etwas länger als die 540er-Varianten, haben jedoch den gleichen Durchmesser. Sie leisten somit etwas mehr Drehmoment, was gerade beim Beschleunigen von Vorteil ist. Eine höhere Geschwindigkeit lässt sich dann durch ein größeres Motorritzel realisieren. Im SCTE kommt zunächst ein 12-Zähne-Ritzel zum Einsatz. Viel kleiner geht es bei der vorhandenen 5-Millimeter-Motorwelle nicht.
Im Testmodell kommt der neue X12L Short Course-Motor von LRP electronic zum Einsatz. Dieser passt von seinen Abmessungen und den Lochabständen perfekt in den Losi Ten SCTE. Zudem sollte er mit 4,5 Turns an einem 2s-LiPo genügend Leistung zur Verfügung stellen. Um das Ritzelspiel einzustellen, präsentiert sich die Motorhalteplatte als Schlitten, der über eine Schraube verstellt und fixiert werden kann. So können kinderleicht auch größere oder kleinere Ritzel Verwendung finden.
Geregelt wird der kleiner Silberling über einen ebenfalls von LRP electronic stammenden SXX TC Spec-Regler in der Version 2. Dieser passt nicht nur hervorragend zu dem Motor, er findet auch bequem im Chassis platz. Ihre Energie erhält die Antriebscombo aus einem 2s-LiPo mit 5.900 Milliamperestunden Kapazität. In der für ihn vorgesehenen Box wird er mit zwei Klettbändern bombenfest gegen Verrutschen gesichert.
Erprobt
Gegenüber der bekannten 2WD-Version des 1:10er-Losi-Short Course-Trucks handelt es sich beim SCTE nicht einfach um ein ähnliches Chassis, in das ein zweites Diff implantiert wurde. Im Gegenteil – auf dem Ten-Chassis basierend, ist hier alles anders. Solide Verbrennertechnik kommt mit dem kräftigen Brushlessantrieb ganz locker zurecht. Ihre Herkunft aus dem Nitrobereich kann die Chassisplatte dann auch nicht ganz verheimlichen. Immerhin sind noch diverse Aussparungen sowie die vier Langlöcher zur Befestigung des Motors vorhanden. Jedoch muss man dazu sagen, dass alle unnötigen Öffnungen durch Kunststoffabdeckungen verschlossen sind, sodass Dreck und Feuchtigkeit keine Chance haben, das Chassis von unten zu durchdringen.
Vorder- und Hinterachse sind im typischen 1:10er-Buggy-Look aufgebaut. Sie verfügen über Diffgehäuse aus Kunststoff, an die die unteren, sehr robusten Querlenker angeschlagen sind. Die oberen Querlenker sind in Form von Rechts-links-Gewindestangen ausgeführt, die mit Kugelköpfen befestigt sind. Jeweils in der Mitte finden sich großzügig dimensionierte Vierkante, an denen man Sturz und Spur bequem einstellen kann. Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse sind darüber hinaus serienmäßig verbaut. Vier Öldruckstoßdämpfer mit blau eloxierten Aluminiumgehäusen fangen harte Stöße ab. Die Kolbenstangen sind mit Gummibälgen vor Schmutz geschützt und die Federvorspannung zur Einstellung der Chassishöhe kann über Kunststoffrändelmuttern verändert werden.
Knochenlos
Für die richtige Kraftübertragung sorgen am Modell insgesamt sechs CVD-Wellen, die vom Mitteldiff zu Vorder- beziehungsweise Hinterachse und von den Achsdifferenzialen zu den Rädern führen. Während die Ausgleichsgetriebe in den Achsen nur leicht mit recht dünnflüssigem Öl gesperrt sind, zeigt sich das Mitteldiff recht zäh, wodurch extremer Vortrieb auch dann garantiert ist, wenn die Vorderräder mal den Halt verlieren. Schon beim Auspacken fiel die Leichtgängigkeit des Antriebsstrangs auf. Natürlich sorgen hier Kugellager für den rechten Leichtlauf. Gleichtzeitig überraschte das Modell aber auch mit sehr geringen Fertigungstoleranzen. Erhöhtes Spiel an Querlenkern oder Achsschenkeln ist auch nach mehreren Fahrten nicht festzustellen. Hier bleibt alles in einem erfreulich engen Rahmen.
Die Lenkung basiert auf dem bewährten Zwei-Pfosten-Prinzip. Über einen Aluminiumbügel sind die beiden Zwischenlenkhebel miteinanderverbunden. Am rechten davon überträgt das Servo seine Kraft über einen per Rändelschraube einstellbaren Servosaver auf die Vorderräder.
Auge fährt mit
Während die Technik eine solide Grundlage auf dem Ten-Chassis gefunden hat, sind auch optisch alle Anforderungen hervorragend erfüllt worden. Hier fallen zunächst die Chassisplattenverbreiterungen auf. Dort finden sich Kunststoffbügel, an denen die Karosserie anliegt. Sie schützen bei Überschlägen oder Feinberührung vor einem zu starken Verformen der Karo. Dennoch sind sie so weich, dass sie im Zweifelsfall immer nachgeben können, ohne zu brechen. Weiterhin thront an der Vorderachse ein breiter Rammbügel, der von einem O-förmigen Pufferring abgefedert wird. So kann auch er bei zu starker Beanspruchung wegklappen und bricht nicht. Das Gleiche gilt übrigens auch für den Rammbügel am Heck. Jedoch ist er zusätzlich mit den für Short Course-Trucks üblichen Schmutzlappen aus Gummi versehen. Ebenfalls typisch für Modelle dieser Gattung sind die relativ breiten Karosseriehalter. Der Grund hierfür sind die ebenfalls recht breiten Karos, die somit eine sichere Auflagefläche haben und nicht so leicht über die Halter wegknicken können.
Vier kleine Details, die unerlässlich sind, aber oft viel zu wenig Zuwendung finden, sind die Räder. Im Fall des SCTE sind dies schicke Short Course-Felgen mit verklebten Beadlockringen. Darauf befinden sich Eclipse SCT-Reifen von Losi. Sie verfügen über ein relativ feines Profil und haben eine mittlere Gummimischung. Damit, und zusammen mit der weichen Schaumstoffeinlage, stellen sie die optimale Verbindung zwischen Modell und Rennstrecke dar.
Bunter Hund
Damit wären die Fakten geklärt und es kann ins Gelände gehen. Na ja, fast. Es fehlt noch eine ansprechende Farbgebnung für die Karosserie. Da sie bereits ausgeschnitten aber noch mit der hauchdünnen Schutzfolie auf der Außenseite überzogen ist, geht die Lackierung schnell von der Hand. Ein umfangreicher Dekorbogen liegt dem Modell bei, sodass nach Herzenslust beklebt und desingt werden kann. Zwar ist es auch möglich, die Scheiben von Außen mit flächendeckenden Aufklebern anzudeuten, beim Testmodell jedoch wurden diese von innen abgeklebt und somit durchsichtig gestaltet. Das sieht nicht nur realistischer aus, sondern erlaubt auch schnell einen Blick ins Wageninnere.
Mit geladenen Akkus geht es auf die Teststrecke. Schon die ersten vorsichtigen Züge am Gashebel lassen eine enorme Beschleunigung und hohe Topspeedwerte erahnen. Die Räder drehen beim leisesten Gasschub auf dem losen Sand sofort durch. Dennoch bleibt der Losi perfekt kontrollierbar in der Spur und folgt den Lenkbefehlen willig. Richtig Spaß macht es mit einem Short Course-Modell aber erst auf einer etwas anspruchsvolleren Sandstrecke. Hier kann der Truck seine Stärken voll ausspielen. Die Reifen beißen selbst in dem losen Untergrund kräftig zu und der Allradantrieb ist ein Garant für kurze Beschleunigungsstrecken. Dabei arbeitet das Fahrwerk buggytypisch sehr schnell aber ruhig. Grobe Stöße werden abgefangen und das Chassis gleitet davon unbeeindruckt über die Piste.
Jump Around
Die Grundfahraufgaben meistert der SCTE also schon mal voll zufriedenstellend. Jetzt geht es ans Eingemachte. Springen steht auf dem Programm. Erstmal über den Idiotenhügel. Mit Halbgas. Sprung – kein Problem. Der Losi hebt ab, fliegt und setzt auf. Keine bemerkenswerten Vorfälle. Nun das Gleiche mit Vollgas. Sprung – kein Problem. Ein ähnliches Bild, nur der Landepunkt liegt einige Meter weiter hinter als beim ersten Jump. Das war doch zu einfach. Auf der Baustelle um die Ecke gibt es einen Erdwall. Nach einer leicht abgerundeten Steigung geht es im etwa 80-Grad-Winkel in den Himmel. Genau das Richtige, um mal den Grenzbereich auszuloten. Zunächst noch etwas verhalten donnert das Modell auf die Schanze zu. Ein Knall, das Modell fliegt fast senkrecht in den Himmel. Aber nicht weit genug. Das muss besser gehen. Vollgas. Wieder ein Knall, Flug. Wie von einem Kugelstoßer auf Geschwindigkeit gebracht, segelt der SCTE im sauberen Bogen über die Kante und setzt etwas unsaft auf. Spektakulär!
Nach zahlreichen Sprüngen – auch der etwas groberen Art – und etlichen Akkufüllungen steht fest: Der Losi Ten SCTE von Horizon Hobby ist ein Short Course-Truck der Oberklasse. Sein Verbrennererprobtes Chassis hält nahezu jeder Belastung stand und bietet viele Setupmöglichkeiten. Der kräftige Antrieb in Verbindung mit den vier angetriebenen Rädern sorgen für ein Vorankommen in jedem Gelände und viel Fahrspaß bei enormer Geschwindigkeit.
Fazit
Der Losi Ten SCTE von Horizon Hobby ist ein Short Course-Truck, der aufgrund seiner soliden Verarbeitung und des durchdachten Antriebs für den Wettbewerb prädestiniert ist. Aber auch Einsteiger und Fortgeschrittene können mit dem Modell dank seiner Alltagstauglichkeit viel Spaß haben.