Im Interview mit Cody King

1:8-Offroad-Weltmeister

Erstellt am: 12. August, 2011

Kategorie: Aktuell, Szene

Magazin:  CARS & Details

Ausgabe: Ausgabe 09/2011

Erschienen im: August 2011

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Ausgabe 09/2011
Im Interview mit Cody King

Es ist Mittwochnachmittag. Einer von jenen Nachmittagen, an denen es jeden Moment anfangen kann zu regnen; Elektrizität liegt in der Luft. Doch das Wetter ist nicht der einzige Grund dafür. Hoher Besuch hat sich angekündigt. Cody King, amtierender Weltmeister der 1:8er-Buggy-Klasse, ist auf dem Weg zu CARS & Details.

Dann kommt er endlich an. Eine Dreiviertelstunde Verspätung hatte sein Flieger. Und wie so oft, sind die vermeintlich großen Momente doch viel unspektakulärer als man sie sich vorher ausmalt. Die Begrüßung fällt kurz aus „Hi, I’m Cody“. Etwa 1,80 groß, Baseballcap, Kinnbärtchen, kurze Hose, lässiges T-Shirt – wie man sich einen Ami eben vorstellt. Und da ist noch sein Begleiter, Paul King – der Vater, Mechaniker, Mann hinter dem RC-Car-Superstar. Aussehen? Identisch. In der Hand? Natürlich Codys MP9. Schließlich gehören solche Termine für den jungen Mann, der in der Szene von heute auf morgen weltbekannt wurde, zum Tagesgeschäft; er weiß, worauf es ankommt.

Es geht ins Besprechungszimmer ein paar Meter den Gang entlang. Die beiden aus Übersee haben erst vor einer guten halben Stunde den Flughafen verlassen. Der übliche Smalltalk. Bei der Erklärung, dass der Camcorder auf dem Tisch das Gespräch nur akustisch aufzeichnet, gibt Codys Vater sofort den amerikanische Humor zum Besten „Wenn du die Kappe von der Linse nimmst, könntest du sogar filmen.“ Den leicht schelmischen Blick beherrscht er perfekt. Ein leichtes Grinsen kann man sich kaum verkneifen, wenn man ihn ansieht. Cody ist das genaue Gegenteil. Er lächelt nicht, grinst nicht, bleibt stets sachlich.

Cody ist 24 Jahre alt. Er kommt aus Santa Ana, Kalifornien, lebt dort zusammen mit seinem Bruder und seiner Freundin. Ein sympathischer junger Mann, aber zurückhaltend. Die ersten Antworten kosten ihn ein wenig Überwindung. Aber er ist ganz Profi, achtet auf seine Worte. Sein erstes Statement: „Ich denke, ich lebe einen Traum“.

CARS & Details:
Cody, du bist Weltmeister. Lass uns ein paar Jahre früher starten. Seit wann fährst du RC-Cars?

Cody King:
Seit ich 13 bin – oder zwölf. Ja, seit zwölf Jahren.

Paul King:
Rennen, seit er elf ist. Aber Cody ist schon lange vorher mit seinem Nitro-Truck im Hinterhof herumgefahren. Da war er wirklich noch sehr klein.

CARS & Details:
Also quasi seit er laufen kann?

Paul King:
Ja! (lacht) Kaum konnte er geradeaus laufen, haben die RC-Cars nicht mehr lange auf sich warten lassen. Damals war es alles noch zum Spaß aber später haben wir gemerkt, dass es mehr für ihn ist.

Cody King:
Viele von meinen Freunden hatten Modelle mit Elektroantrieb. Darum war ich am Anfang auch drei oder vier Jahre in dieser Klasse unterwegs. Später bin ich dann aber in die 1:8er-Nitro-Klasse gewechselt. Seitdem fahre ich auch nichts anderes.

CARS & Details:
Erinnerst du dich noch an dein erstes Auto?

Cody King:
Das aller-allererste? Oder mein erstes 1:8er-Car?

CARS & Details:
Das allererste.

Cody King:
Traxxas Nitro-Hawk. Verbrenner. Als ich sechs oder sieben war.

CARS & Details:
Und als du dann angefangen hast Rennen zu fahren – hättest du gedacht, dass du jemals so erfolgreich wirst?

Cody King:
Am Anfang natürlich nicht. Da war es zum Spaß. Das war so ein Ding zwischen meinem Vater, meinem Bruder und mir. Aber irgendwann hat mein Bruder aufgehört. Dann waren nur noch mein Vater und ich übrig. Ich wurde immer schneller und schneller. Und das als kleiner Knirps. Irgendwann hat dann auch mein Vater aufgehört selbst zu fahren, um mich voll zu unterstützen. Das half mir wieder, schneller und schneller zu werden. Je öfter wir an der Rennstrecke standen, desto mehr wurde daraus.

CARS & Details:
War es ein eher kurzer Prozess?

Cody King:
Nein, es war ein recht langer Prozess. Man könnte denken, es ging schnell, aber das täuscht. Die Zeit vergeht einfach schnell, wenn man so viel Spaß bei einer Sache hat.

CARS & Details:
Inzwischen fährst du den MP9 von Kyosho. Was sind deiner Meinung nach die interessantesten Details an diesem Auto?

Cody King:
Zunächst mal die Tatsache, wie es fährt, wie es sich handlen lässt. Es ist eines der besten, wenn nicht sogar das beste RC-Car. Um ehrlich zu sein, ist mein Vater beim technischen Aspekt der bessere Ansprechpartner. Im Grunde bin ich noch nie wirklich ein anderes Auto so intensiv im Rennen gefahren. Vielleicht mal für ein paar Minuten – aber mehr nicht.

Paul King:
Das ist eine interessante Frage. Vielleicht weißt du, dass der Losi 8ight alles in den Schatten gestellt hat. Der war einfach superschnell. Und dann kam Kyosho und hat den MP9 upgedatet. Und wie ich finde, fanden die Modifikationen genau an den richtigen Stellen statt. Er hat die gute Beschleunigung, das niedrigere Gewicht, den superguten Antriebsstrang aber er hat immer noch Kyosho-Style. Ich mag die Stabilität, die Art und Weise, wie dieses Modell gebaut ist. Und das macht den MP9 in meinen Augen einzigartig.

Cody zieht sein iPhone aus der Tasche. Wirft kurz einen Blick auf das Display, tippt ein wenig darauf herum. Vermutlich Facebook. Cody hat dort rund 1.200 Freunde. Da muss man immer präsent sein.

Cody King:
Losi hat das Renngeschehen auf ein neues Level gehoben. Die anderen Hersteller haben dann natürlich nachgezogen und sind nun einen Schritt weiter. Darum hinkt Losi jetzt etwas hinterher und ist in Zugzwang.

Paul King:
Du musst dir vorstellen, wir hatten den MP9 zur WM 2008 gerade zwei Wochen und Cody ist direkt ins Finale gefahren. Das war für mich ein deutliches Zeichen. (lacht)

CARS & Details:
Wo liegen die Unterschiede zwischen der normalen MP9-Version und der World-Edition – deiner Version?

Cody King:
Es sind einfach ein paar kleinere Verbesserungen, bessere Teile. Zum Beispiel der nach vorn versetzte Empfängerakku. Aber wenn du mich fragst – MP9 ist und bleibt MP9. Die sind alle irgendwie gut.

CARS & Details:
Wenn du jetzt ein gänzlich neues RC-Car bekommst. Wie ist deine Vorgehensweise, um das Auto kennen zu lernen?

Cody King:
Üben. Du musst es immer und immer wieder Fahren, ein Gefühl dafür entwickeln.

CARS & Details:
Also hast du kein spezielles Schema, nachdem du vorgehst?

Cody King:
Am Anfang fahre ich immer erst mal langsam und gewöhne mich daran, wie das Auto reagiert. Aber das ist in der Regel nur eine Sache von einem Tag. Vor einem großen Rennen versuchen wir natürlich das Modell ausgiebig zu testen und das optimale Setup zu finden. Irgendwann funktioniert dann alles und es kann los gehen.

CARS & Details:
Was sind denn die entscheidenden Parameter, die du dabei änderst?

Cody King:

Paul King:
Reifen.

Cody King:
Reifen. Und vielleicht das Dämpfer-Setup. Aber auf einem großen Rennen musst du dich schnell entscheiden. Da kannst du keine langwierigen Tests machen. Wir wollen so etwas immer schnell hinter uns bringen. Ich übe ein bisschen und dann geht’s ab ins Rennen.

CARS & Details:
Und wie sieht es mit solchen Umbaumaßnahmen wie der veränderten Akkuposition aus? Ist es normal, dass du in der eigentlichen Struktur des Modells Verbesserungspotenzial suchst?

Cody King:
Das hat sich so ergeben. Das Auto fährt einfach besser – in allen Lebenslagen. Aber wir haben nicht auf mehreren Strecken mehrere Positionen ausprobiert. Wir haben den Akku nach vorne verlegt und festgestellt, dass es deutliche Vorteile bringt.

Paul King:
Die Akku-Positionierung kommt der Balance des Autos zugute. Wir haben es in Pattaya auf der WM probiert. Und der Unterschied war signifikant. Besonders auf so einem Highspeed-Kurs. Darum haben wir den Akku einfach da gelassen.

CARS & Details:
Wie oft trainierst du?

Paul King:
(lacht)

Cody King:
Ich habe fast jedes Wochenende ein Rennen. Und wenn nicht, dann übe ich. Also vielleicht drei Mal in der Woche. Aber eigentlich fahre ich meistens Rennen.

CARS & Details:
Also sind die Rennen dein Training?

Cody King:
Ja, das kann man so sagen. Vor wichtigen Rennen übe ich natürlich zusätzlich ein paar Tage vorher.

CARS & Details:
Und wenn du mal ein paar Wochen aussetzt, merkst du einen Unterschied?

Cody King:
Ja, das merkt man. Du bist im Rennen einfach langsamer. Wenn du nur übst, vier Wochen nicht fährst und dann wieder übst, wirst du nicht merken, dass du langsamer bist. Aber sobald du wieder ein Rennen fährst, wird es deutlich. Es ist eine andere Welt. Da geht es immer noch einen Schritt weiter. Du musst dich selbst im Zaum halten. Es kann sein, dass alles schief geht und du keine guten Zeiten fährst. Dann wirst du sauer. Du musst einfach das Renn-Feeling behalten. Üben ist gut für das fahrerische Können aber die Rennen sich wichtig für den mentalen Aspekt.

CARS & Details:
Was machst du eigentlich, wenn du gerade kein RC-Car fährst?

Cody King:
Hmm … ich mache nicht viel sonst. Eigentlich fahre ich die ganze Zeit Rennen. Oder ich plane die nächsten Rennen.

CARS & Details:
Also hast du gar keine Zeit für andere Hobbies?

Cody King:
Nein. Weißt du, wenn du nach einem Rennen Heim kommst, bist du müde und willst dich entspannen. Und wenn die Entspannungszeit um ist, wartet schon das nächste Rennen. Natürlich bin ich auch mal zu Hause bei meiner Freundin und verbringe Zeit mit ihr.

CARS & Details:
Also sehr anstrengend?

Cody King:
Es kann anstrengend sein, ja. Vor allem mental. Manchmal will ich einfach die Füße hochlegen und an nichts denken, nichts machen. Aber wenn es weiter geht, muss ich wieder fit sein. Wenn du gut sein willst, musst du dafür arbeiten. Ein WM-Titel kommt nicht von alleine zu dir.

Paul King:
Es sind ja nicht nur die Rennen. Es geht auch abseits der Rennstrecken weiter. Wir reden mit Leuten aus der Industrie …

CARS & Details:
… oder ihr sitzt hier.

Paul King:
(lacht) Ja, genau. Es füllt dich komplett aus. Wenn du dann mal zur Ruhe kommst, ist jede Minute wertvoll.

CARS & Details:
Fahrt ihr denn oft in andere Länder? Oder ist es größtenteils bei Euch in der Nähe?

Cody King:
Das meiste ist schon in den USA. Aber wir sind auch des Öfteren in Übersee. Zum Beispiel Japan – drei Mal –, Frankreich – zwei Mal – aber das ist unser erstes Mal in Deutschland. Im Großen und Ganzen verlassen wir das Land nur zwei oder drei Mal im Jahr.

Paul King:
Codys Termine haben nach Pattaya extrem zugenommen.

CARS & Details:
Ja, das verwundert wenig (lacht).Was denkst du denn, wirst du in vielleicht zehn oder 15 Jahren machen?

Cody King:
Ich will RC-Cars fahren. So lange wie es nur geht. Natürlich wird es nicht für immer gehen aber irgendwie will ich in dieser Sparte bleiben. Vielleicht arbeite ich mit einem Team oder einem Hersteller zusammen. Aber erst mal will ich natürlich noch Rennen fahren.

CARS & Details:
Hast du denn mal drüber nachgedacht, selbst RC-Cars zu produzieren?

Cody King:
Ein bisschen. Hier und da. Aber dann habe ich es doch immer wieder verworfen. Im Moment stehen nur die Rennen im Fokus. Auch wenn ich gerade nicht fahre oder plane oder sonst etwas mache, begleiten mich die RC-Cars doch irgendwie immer.

Paul King:
Wobei die Zukunft im Moment keine hohe Priorität hat. Ich meine, er steckt gerade mitten in seiner Karriere. Es ist noch ein gutes Stück Arbeit. Jetzt muss erst mal ein weiterer Titel her. Man wird nicht einmal Weltmeister und damit ist die Sache beendet. Darum ist der nächste Gewinn wirklich wichtig. Und ich denke, Cody fühlt sich in der Verfassung, wieder zu gewinnen.

Zum Abschluss noch eine kurze Foto-Session. Der bis hierher fast emotionslose Weltmeister fängt beim Blick in die Kamera plötzlich an zu grinsen, als hätte er just in diesem Moment den nächsten WM-Titel eingefahren – Cody ist eben Profi durch und durch.