Einsteigerserie Teil 2 (2 von 2)

Labyrinth der Technologien

Erstellt am: 5. Februar, 2012

Kategorie: Aktuell, Technik

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Oliver Tonn

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Oliver Tonn

Magazin:  CARS & Details

Ausgabe: Ausgabe 03/2012

Erschienen im: Februar 2012

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Ausgabe 03/2012
Einsteigerserie Teil 2 (2 von 2)

Im ersten Teil unseres Leitfadens für Hobbyneulinge zeigten wir auf, wie man „sparsame“ Konstruktionen an RTR-Modellen erkennt, prüften die Konzepte beiliegender RC-Anlagen und klärten die Frage, ob man besser mit einem Elektro- oder einem Verbrenner-Modell ins Hobby startet. Doch welches ist die ideale Klasse fürs „erste Mal“? Klein und schnell? Oder groß und grob? Und wo gibt es die beste Beratung für den Kauf? Ach ja – Marke oder Noname? Diese Punkte sollen an dieser Stelle in den Fokus rücken.

Onroad- oder Glattbahnmodelle haben viele Stärken. Durch ihr geringes Gewicht lassen sich auch mit verhältnismäßig einfachen Motorisierungen sehr gute Fahrleistungen realisieren. Der niedrige Schwerpunkt ermöglicht im Zusammenspiel mit der passenden Bereifung heiße Rennen – wenn denn ein passendes Ausfahrgebiet zur Verfügung steht. Und genau hier liegt das Problem: Nicht jeder Einsteiger hat den Mut, sich ohne jede Erfahrung gleich auf die nächste Rennstrecke zu begeben. Also geht’s zum Parkplatz eines großen Einkaufsmarkts, der allerdings nur Sonntags genutzt werden kann. Und selbst wenn terminlich alles passt, sind solche Parkflächen selten absolut eben asphaltiert und besenrein sauber gefegt. Die große Schwäche der Onroader liegt also, bei all ihren Reizen, im sehr beschränkten Einsatzgebiet.

Ab ins Gebälg
Dem entgegen kann man mit einem Offroader praktisch überall fahren: in Kieskuhlen, auf gemähten Rasenflächen oder ganz einfach auf einem abgelegenen Feldweg – hier sind quasi keine Grenzen gesetzt. Hinzu kommt noch, dass mit einem einfachen Satz Straßenreifen, die es grundsätzlich für jeden ­Offroader gibt, auch das Habitat der Glattbahner in Angriff genommen werden kann. Unter dem Strich bieten geländetaugliche Modelle einfach viel mehr ­Möglichkeiten, mit ihnen Spaß zu haben. Folgerichtig fällt unsere Empfehlung an dieser Stelle sehr deutlich aus: Das erste Modell sollte ein Offroader sein.

Fällt die Wahl hingegen doch auf einen Onroader, gibt es noch die zwei Konstruktionskonzepte zu beachten, die diese Klasse in zwei Lager spalten: ­Riemen- und Kardanantrieb. Bei Ersterem werden die Kräfte, wie der Name schon sagt, über Zahnriemen verteilt, bei Letzterem durch Wellen aus Stahl oder Kunststoff. Prinzipiell funktioniert beides sehr gut. Allerdings gelten Riemen als anfällig für Sand und Steinchen, was bei Ausfahrten auf einem Parkplatz durchaus zu Problemen führen kann. Wer allerdings plant, seine RC-Karriere auf einer gepflegten Rennstrecke zu beginnen, ist mit beiden Konzepten gleichermaßen gut beraten.

Bleibt noch die heiß diskutierte Frage zu beantworten, welcher Hersteller das Vertrauen bekommt. Während in der Vergangenheit eine Handvoll namhafter Produzenten den Markt unter sich aufteilte und in Sachen Preisgestaltung quasi nach eigenem Ermessen verfuhr, ist längst ein großer Konkurrenzkampf diverser Marken entbrannt. Gut beraten ist, wer in Erfahrung bringt, welches Modell in seinem Umfeld bevorzugt gefahren wird. Gibt es mal unerwartete Probleme und es findet sich ein erfahrener Modellbauer, der das gleiche Auto fährt, so kann dieser Umstand in Form des entscheidenden Tipps Gold wert sein. Und wenn der genannte Profi auch noch zufällig das dringend benötigte Ersatzteil in seinem Fundus hat und aushelfen kann – umso besser.

Apropos Ersatzteile: Wer mit seinem Modell Spaß haben will, sollte sicherstellen, dass alle nötigen Ersatzteile – bestenfalls beim eigenen Händler – verfügbar sind. Es nützt wenig, die Kollegen mit einem exotischen RC-Car zu beeindrucken, das dann aufgrund eines kleinen Schadens für Wochen im Keller stehen bleiben muss. Ebenfalls lohnenswert ist ein Blick in die Preislisten der jeweiligen Parts. Schon so manches „Schnäppchen“ hat sich bei einer anstehenden Reparatur als Geldgrab entpuppt. Zufall? Sicher nicht. Die Einnahmen aus Ersatzteillieferungen spielen bei der herstellerseitigen Kalkulation eine sehr entscheidende Rolle.

Ein weiterer Punkt kann wenig überraschen: Wer bei einem Hersteller mit einem „großen Namen“ und diversen Weltmeistertiteln im Regal zugreift, muss sich darauf gefasst machen, für eben jenen Markennamen einen zusätzlichen Obolus zu entrichten. Dies gilt im RC-Hobby genauso wie bei vielen anderen Produkten. Das muss nichts Schlechtes sein, denn eben diese renommierten Produzenten bieten in aller Regel viele Stärken wie die bereits angesprochene flächendeckende Versorgung mit Ersatzteilen sowie ein großes Händlernetz. Dennoch zeigt sich eine Tendenz, die mit einem Zufall ebenfalls nichts zu tun hat. Weniger bekannte Marken bieten in Sachen Lieferumfang häufig etwas mehr als ihre populäre Konkurrenz. Das liegt einfach darin begründet, dass sie durch besondere Leistungen auf sich aufmerksam machen müssen, um Kunden zu gewinnen.

David gegen Goliath
In Sachen Größe bietet der Markt alles, was man sich nur vorstellen kann. Die Spanne reicht von kaum Handteller-großen Miniaturmodellen bis hin zu Boliden im Maßstab 1:5, für die es fast schon Sinn macht, eine eigene Garage zu errichten. Im Prinzip gilt: Je größer ein Modell, desto größer ist auch sein Einsatzspektrum. Ein kleiner Glattbahner im Maßstab 1:18 braucht schon einen sehr speziellen Untergrund wie zum Beispiel eine Teppich-Rennstrecke, wenn er wirklich Spaß machen soll. Dem entgegen gibt es praktisch keine Kieskuhle, die man nicht mit einem 15-Kilo-Monstertruck mit 25-Kubikzentimeter-Benzinmotor bezwingen könnte.

Der Schluss könnte also lauten: je größer, desto besser. Allerdings kommt an dieser Stelle erneut der Faktor Geld ins Spiel, denn ein gutes RTR-Großmodell erreicht mit etwas sinnvollem Zubehör und Werkzeug schnell die 1.000-Euro-Grenze. Richtig, man bekommt auch Großmodelle für weniger als die Hälfte dieses Betrags. ­Allerdings müssen solche Sparpakete in vielen Fällen recht bald per Tuning auf Standfestigkeit getrimmt werden, wenn es richtig zur Sache gehen soll. Die vermutlich ideale Entscheidung liegt, wie so oft, irgendwo in der Mitte zwischen ganz groß und ganz klein.

Folgt man dieser Überlegung, so rücken schnell die Maßstäbe 1:8 und 1:10 in den Blickpunkt. Es ist sicher kein Zufall, dass die Mehrzahl der RC-Car-Piloten mit Modellen dieser zwei Größen unterwegs ist. Die bereits erläuterten Zusammenhänge zwischen Dimensionierung und flexibleren Einsatzmöglichkeiten gelten auch hier: Oftmals kann man mit einem 1:8er auch dort noch fahren, wo ein 1:10er schon die Waffen streckt – zum Beispiel auf einem Untergrund mit tiefen Schlaglöchern. Im Gegenzug fällt für die Anschaffung des Modells und des notwendigen Zubehörs wie Antriebsakkus, Ladetechnik oder Nitromotoren ein mitunter deutlich höherer Betrag an, wenn man den Maßstab 1:8 vorzieht. Hier entscheidet erneut der Geldbeutel.

Bei einigen Modellvarianten ist der Übergang ­zwischen den zwei Größen allerdings fließend: Ein 1:8er-Buggy und ein 1:10er-Short Course-Truck mit Allradantrieb liegen in Sachen Abmessungen und Gewicht auf einem sehr ähnlichen Level. Apropos Short Course: Diese recht junge Klasse soll an dieser Stelle das Prädikat „für Einsteiger besonders geeignet“ bekommen, insbesondere die Ausführungen mit Heckantrieb. Sie basieren meist auf Stadium-Trucks und haben von diesen ihre Robustheit und gute Performance geerbt. Aufgerüstet mit längeren Radständen, größeren Rädern und ausladenden, gut schützenden Karosserien bieten sie eine ideale Basis für viel Fahrspaß und wenig Reparaturstress, bei gleichzeitig moderaten Preisen. Doch ganz egal, was es für eine Konstruktion werden soll: Die genannten Maßstäbe 1:8 und 1:10 sollten besonders ins Auge gefasst werden.

Schlau gespart
Es ist kein großes Geheimnis, dass die überwältigende Mehrzahl der RC-Cars und deren Zubehör heute in Fernost produziert werden. Manch findiger Hobbyeinsteiger mag daher auf die glorreiche Idee kommen, sich das Modell seiner Wahl von dort direkt zu bestellen und so eine Menge Geld zu sparen. Entsprechende Anleitungen inklusive Tipps, Zollgebühren und Steuern per strafrechtlich relevanter Täuschung zu umgehen, finden sich in praktisch allen einschlägigen Internetforen.

Entscheidend sind hier die praktischen Nachteile, die sich aus einem solchen Vorgehen ergeben. Die Annahme, beim Zoll würden nur dröge Beamte Dienst nach Vorschrift schieben, ist ein absoluter Trugschluss. Längst hat man dort die Zeichen der Zeit erkannt. Das Argument, dass ein mehrere hundert Dollar teures RC-Car ein (zoll- und steuerfreies) Geschenk der chinesischen Oma an ihren Paderborner Enkel sei, wird wenig Anklang finden. Stattdessen werden solche Pakete oftmals gar nicht mehr durchgelassen und der Empfänger muss stattdessen persönlich vorstellig werden, um diese eigenartigen Umstände zu erläutern. Natürlich mit dem Ergebnis, dass die diversen Zusatzkosten vor dem Erhalt des Pakets vollumfänglich zu entrichten sind.

Der Rest der inzwischen deutlich reduzierten Ersparnis dürfte sich spätestens dann in Wohlgefallen auflösen, wenn am Modell ein Schaden ohne eigenes Verschulden eintritt. Abgesehen davon, dass in Ländern wie China oder den USA vollkommen andere und in aller Regel weniger kundenfreundliche Garantiebedingungen gelten, verursacht allein die Rücksendung zum Verkäufer so hohe Kosten, dass man inzwischen mehr bezahlt hat, als wenn man das Modell beim Händler um die Ecke erstanden hätte. Diese Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen, zum Beispiel um die Tatsache, dass elektronische Bauteile bestimmte Sicherheitskriterien der EU erfüllen und entsprechend gekennzeichnet sein müssen. Ein Umstand, um den sich ein Händler in Hong Kong meist wenig schert.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass sich ein genauer Blick und vorher gesammelte Informationen auszahlen, wenn es darum geht, das erste eigene Modell zu erstehen. Wer sich an diesen Leitfaden hält, wird problemlos hinter die Fassaden blinkender Aluminiumteile und schick lackierter Karosserien blicken können. Mit offenen Augen und etwas Wissen im Gepäck steht dem erfolgreichen Start in dieses tolle Hobby nichts mehr im Wege.

Hier gehts zum 1. Teil der Einsteigerserie