Ob die Ausstattung begeistert oder nicht, ist eigentlich nicht die Frage, denn Carson hat einen sehr soliden Motor mit einem ebenso leistungsstarken Regler in ein sehr robustes Modell gepflanzt, das noch dazu über eine sichere Übertragung der Lenk- und Steuerbefehle mittels einer 2,4-Gigahertz-Fernsteuerung verfügt. Letztere lässt sich über ein großes, hintergrundbeleuchtetes Display sehr einfach einstellen und verfügt über 15 Modellspeicher. Nebenbei bemerkt sind die Preise für weitere Empfänger recht gering. Daher steht dem Umstieg des eigenen Fuhrparks auf diese Übertragungstechnik auch nichts im Weg.
Four-Pack
Die hochwertige Ausstattung spiegelt sich größtenteils auch im Modell wieder, denn der Antriebsstrang des Specter verfügt nicht nur über klassenübliche drei Differenziale, sondern das Innenleben dieser Diffs besteht auch aus jeweils vier kleinen Kegelrädern. Komplettiert wird der gute Eindruck dann von vier großvolumigen Öldruckstoßdämpfern samt Schmutzschutz, einer gut abdichtenden Karosserie sowie Rechts-links-Gewindestangen an der Vorderachse. Warum hinten lediglich herkömmliche Gewindestangen zum Einsatz kommen, erschließt sich dann aber nicht ganz.
Die Einstellung des Senders auf den Empfänger gestaltet sich sehr einfach. Zuerst muss man den Empfänger einschalten, den Setup-Taster drücken und dann den Sender einschalten. Ebenso einfach ist auch die Abstimmung des Reglers auf den Sender. Hierzu besitzt der Ein-aus-Schalter einen kleinen Taster, über den die Einstellungen im Zusammenspiel mit den Gasknüppelpositionen ausgewählt werden. Der Regler verfügt über etliche Optionen. Die Auswahl eines derart guten Reglers ist im Zusammenspiel mit dem sehr kräftigen Motor die Basis für die hohe Endgeschwindigkeit des Buggy-Modells.
Zu Anfang steht wie immer die obligatorische Prüfung aller Schrauben auf Festigkeit, was nichts Auffälliges zu Tage förderte. Daher konnte es nun an den Test und die weitere Einstellung der Elektronik gehen. Das Servo zeigte genügend Kraft für die Lenkung des Specter 6s – lediglich etwas flinkere Stellzeiten wären wünschenswert gewesen. Nun konnte die Programmierung des Reglers beginnen. Je nachdem, welche Zellenzahl man nutzen möchte, muss die Abschaltspannung im Regler anders eingestellt werden. Es ist möglich, diese und alle anderen Parameter über den Sender einzustellen. Im Großen und Ganzen ist die Einstellung der Abschaltspannung völlig ausreichend. Die restlichen Parameter sind für den ersten Ausritt gut gewählt.
Fest verschraubt
Natürlich stand wie bei jedem Test zuvor noch das Demontieren an, um einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Der Specter gab sich aber auch hier keine Blöße, denn alle Teile waren an den erforderlichen Stellen mit Schraubensicherungslack gesichert oder mit langen Schrauben in festen Kunststoff geschraubt. An entsprechenden Bereichen wurde auch mit dem Fett nicht gespart. Im Gegensatz zu sehr preiswerten Modellen fällt der recht feste aber dennoch flexible Kunststoff auf. Die Preisklassen unterhalb des Specter verfügen meist über sehr weiche Kunststoffteile und die Klassen darüber mitunter über sehr feste, faserverstärkte Parts. Für Gelegenheits- und Spaßfahrer mit gesteigerten Ambitionen ist die Wahl der Teile beim Specter aber der sinnvollste Kompromiss. Die Stärke einiger Bauteile reicht auch bei sehr heftigen Crashs aus, um diese schadlos zu überstehen. Fast schon selbstverständlich mag da der Einsatz von Kugellagern an allen Stellen im Antrieb sein, doch die Ausstattung mit Stabilisatoren an der Vorder- und Hinterachse ist nicht unbedingt üblich. Abgerundet wird das Ganze von einer optisch ansprechenden und recht schmalen Karosserie, die auf einem Chassis mit einem etwas zu langen Radstand sitzt.
Das Einzige, was fehlt, sind Akkus und ein Ladegerät. Wer hier das Optimum herausholen möchte, sollte schon LiPo-Hardcase-Akkus mit mindestens 30C-Belastbarkeit einsetzen. Beim Testmodell fiel die Wahl auf 40C-Akkus zunächst in der 2s-Version. Die Reihenschaltung erfolgt in jedem Fall über ein mittleres Verbindungskabel, das so kurz wie möglich gehalten werden sollte. Die Leistung wird dann von dem recht kompakten 150-Ampere-Regler an den Motor weitergegeben. Hier findet man ein vierpoliges Exemplar mit Abmessungen von 39,8 x 73,8 Millimeter – für einen Buggy ebenfalls sehr großzügig dimensioniert. Derartige Motoren mit einem Kampfgewicht von 378 Gramm findet man sonst in 1:8er-Truggys oder -Monster Trucks.
Der Motor verfügt natürlich über eine solide 5-Millimeter-Welle und die internen Wicklungen sind auf zwölf Statoren verteilt. Dies verleiht dem Triebwerk einerseits ein typisches Rastmoment und andererseits im Zusammenhang mit dem dicken Rotor viel Kraft im unteren Drehzahlbereich. Die Drehzahlmessung ergab einen Wert von knapp unter 2.200 Umdrehungen pro Minute und Volt, was gerade im 6s-Betrieb schon sehr heftig ist und maßgeblich für die hohe Endgeschwindigkeit von knapp über 90 Kilometer pro Stunde im Test verantwortlich zeichnet. Die 100er-Marke konnte auf dem eher rutschigen Offroad-Gelände nicht geknackt werden, was dem Fahrspaß aber keinen Abbruch tat.
Reduktion
Der Wechsel auf 4s-Akkus reduzierte zwar die Geschwindigkeit, aber die Wärmeentwicklung und die Fahrzeit verbesserten sich. Dies ist ein Indiz für eine Motorauslegung in Richtung 4s mit der Option auf 6s, was natürlich mit einem Datenlogger untermauert wurde. Die Hitzeentwicklung blieb beim 4s-Betrieb jederzeit im Rahmen und es sollte auch bei heißen Sommertemperaturen unter der engen Karosserie keine Probleme geben. Beim 6s-Betrieb hingegen stieg die Temperatur doch stärker an und könnte dann an einem heißen Tag oder in einem Gelände mit viel Grip somit doch kritisch werden. Die hohe Geschwindigkeit an 6s macht Spaß, keine Frage. Doch im 4s-Betrieb steigt die Fahrzeit deutlich und die gebotene Leistung reichte immer noch für über 62 Kilometer pro Stunde.
Wer nun auf die Idee kommt, die Beschleunigung des Modells mit anderen Motorritzeln zu verändern, dem sei gesagt, dass das eingesetzte Ritzel mit 14 Zähnen schon die kleinstmögliche Version ist. Ein größeres Ritzel wiederum führt natürlich zu noch mehr Endgeschwindigkeit aber eben auch zu noch höheren Strömen beim Beschleunigen. Dies konnte gut in den Datenaufzeichnungen beobachtet werden, nachdem probehalber ein 17-Zähne-Ritzel montiert wurde. Hierbei sei natürlich angemerkt, dass das Motorritzel in jedem Fall eines aus gehärtetem Stahl sein muss, denn die Paarung eines Stahl-Hauptzahnrads mit einem ungehärteten Motorritzel sorgt schnell für Karies am Motorritzel.
Nachdem der Fahrtest beendet wurde und sich das Modell wacker und ohne Defekte geschlagen hatte, war die Zeit gekommen, alle relevanten Teile auf Beschädigungen oder zu viel Spiel zu überprüfen. An dieser Stelle machten diverse Sprünge, einige Überschläge und etliche sehr schnelle Fahrten dem Modell nichts aus. Lediglich die Akkus sollten wirklich leistungsfähig sein, denn die Ströme sind bei sehr griffigem Gelände kurzzeitig sogar über 150 Ampere gestiegen. Irgendwoher muss die Leistung ja auch kommen. Dennoch ergaben sich Fahrzeiten von gut 15 Minuten mit einem 4s-Akku mit 5.000 Milliamperestunden Kapazität auf einer Strecke. So fällt dann das Urteil über den Carson Brushless-Buggy positiv aus, denn der Specter 6s ist ein solides Modell. Er ist aufgrund seines Gewichts und einiger Details nicht unbedingt für Profis auf der Rennstrecke gedacht, aber er eignet sich hervorragend für alle, die einfach und ohne große Einstellarbeiten viel Spaß haben wollen.