Der ECX Torment von Horizon Hobby

Leadership

Erstellt am: 6. Dezember, 2011

Kategorie: Aktuell, Modelle

Text
Stefan Strobel

Fotos
Stefan Strobel
Oliver Wahls

Klasse: Elektro-Offroad 1:10

Preis: 179,99 Euro

Magazin:  CARS & Details

Ausgabe: Ausgabe 01/2012

Erschienen im: Dezember 2011

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Ausgabe 01/2012
Der ECX Torment von Horizon Hobby

„Always lead, never follow“ – immer führend, niemals folgend – steht da in dicken Lettern auf der Windschutzscheibe. Das sind große Worte für ein Modell, das fix und fertig mit Akku, Sender und allem nötigen RC-Equipment für gerade mal 179,99 Euro über den Ladentisch geht. Da bleibt nur eins: Akku laden und los.

Der neue Einstiegs-Short Course-Truck ECX Torment von Horizon Hobby wird komplett fahrfertig geliefert. Doch bis der Akku mit dem Netzstecker-Ladegerät vollgeladen ist, schauen wir uns die Kiste mal genauer an. Den ersten optischen Knaller stellt schon allein die Karosserie dar. Diese ist ansprechend in Silber, Schwarz, Weiß und knalligem Orange gestaltet und für noch mehr Leuchtkraft von unten mit Weiß hinterlegt. Der beiliegende Dekorbogen ist fast gar nicht nötig, doch hier ein Torment- und dort ein ECX-Schriftzug runden den Gesamteindruck dann doch ab.

Haube runter
Technik, die begeistert. Da der ECX Torment Short Course-Truck RTR, also Ready to Run aus dem Karton kommt, ist zunächst keinerlei Zubehör notwendig. Ja, „zunächst“ ist eine Einschränkung. Denn der sechszellige NiMH-Akku mit 1.800 Milliamperestunden Kapazität und das Netzsteckerladegerät, das leider keinerlei Auskunft über den Ladezustand gibt, genügen nur geringsten Ansprüchen. Als Fernbedienung liegt die neue Spektrum DX2E bei, die einfach nur gut in der Hand liegt. Den Empfang übernimmt ein DSM-Exemplar mit der Bezeichnung SR 200. Oh und hey, hier gibt’s tatsächlich noch was zu bauen: Das Antenennröhrchen muss noch montiert werden. Jetzt ist der Torment wirklich fahrfertig, denn ein leichter Temperaturanstieg beim Akku meldet dessen vollen Ladezustand – oder aber man hält sich an die Bedienungsanleitung, die für einen 1.800-Milliamperestunden-Akku dreieinhalb Stunden Ladezeit angibt. Dies gilt jedoch nur für NiMH-Akkus. LiPos dürfen so nicht mit dem beiliegenden Lader befüllt werden.

Der Akku liegt sicher gebettet in der Mitte des Chassis. Ein T-Stück aus Kunststoff sichert den Stromspeicher und zwei Drehverschlüsse ermöglichen einen schnellen und unkomplizierten Wechsel. Der ECX Dynamite mit 80 Ampere Belastbarkeit regelt die Kraft des 20-Turns-Bürstenmotors. Der Controller ist mit bis zu 8,4 Volt angegeben, so ist der Einsatz von einem 2s-LiPo problemlos möglich. Die Motor-Getriebe-Einheit sitzt hinter der Hinterachse und ist hermetisch gegen Schmutz abgeschlossen. Im Inneren sorgt ein Kegeldifferezialgetriebe für den Drehzahlausgleich bei Kurvenfahrten. Allerdings ist dieses ungesperrt, was einerseits Untersteuern und andererseits jedoch Beschleunigung bei der Kurvenausfahrt verringert. Auch hier wird deutlich, dass Einsteiger die Zielgruppe darstellen.

Gelenkig
In der Länge verschiebbare Kunststoffwellen mit Kardangelenken sorgen für die Kraftübertragung an die Hinterräder. Die Konstruktion ist leichtgängig und belastbar. Die Radaufhängung selbst besteht aus einem breiten, unteren Querlenker und einer Stange als oberen Querlenker. An der gesamten Radaufhängung sind keinerlei Einstellungen möglich, doch sollte die Werksvorgabe mit einer leichten Vorspur und geringem Radsturz bestens funktionieren. So ist die gesamte Hinterachse mit sechs Schrauben am Chassismittelteil befestigt.

Vier Öldruckstoßdämpfer aus Kunststoff mit langen Federwegen sorgen für Traktion in jeder Fahrsituation. Zwar liegen dem Modell noch C-Klipse bei, mit denen sich die Federvorspannung – und damit die Höhe des Chassis – erhöhen lässt, doch dann würden die Räder nicht mehr ausfedern und so an Traktion verlieren. Möchte man größere Sprünge meistern, macht es allerdings durchaus Sinn, die Federvorspannung zu erhöhen. Doch selbst Fallhöhen von über einem Meter lassen das Fahrwerk auch ohne Klipse nicht durchschlagen. Auspacken und losrocken ist also beim ECX Torment die Devise. Man braucht sich hier keine Gedanken über irgendwelche komplizierten Einstellzusammenhänge machen – der Wagen funktioniert einfach.

Auf der Lenkung sitzt ein ECX 1069-Servo der Standard­größe mit Standardwerten. So stellt das ­Aggregat mit 30 Newtonzentimeter auf 60 Grad in 0,23 Sekunden. Klar, es gibt Schnellere, doch die Stellgeschwindigkeit genügt vollends. Zudem überzeugt das Servo mit sehr guter Rückstellgenauigkeit. Es sitzt hängend neutral unter dem Mittelteil des Chassis und wird dort von einer Kunststoff-Abdeckung geschützt. Der Rest ist Standard: Über einen L-Winkel auf der linken Lenksäule, in der gleichzeitig auch der Servosaver in Form eines C-Klipses aus Kunststoff sitzt, wird die Ackermannstange angelenkt. Diese stützt die rechte Lenksäule ab. Am Ackermann selbst sind die Lenkungsstangen der Vorderräder angebracht. Auch hier wieder: keine Einstellmöglichkeiten. Der Beginner soll sich mit keinen umständlichen Zusammenhängen befassen müssen. So ist der korrekte Wert bereits vorgegeben. Die Anlenkung ist spielfrei und leichtgängig mit Kugelköpfen realisiert.

Vorneweg
Die Vorderräder sind, wie auch die Hinterräder, auf einer gehärteten Welle verschraubt, deren Sechskant-Mithehmer mit einem Quersplint gesichert ist. C-Hubs aus schlagzähem Kunststoff nehmen den Achsträger auf. Die Vorderachse bekam von Werk aus schon etwa 25 Grad Vorlauf spendiert. Das macht den Torment wendiger auf der Lenkung. Sinngemäß sind die Federn der vorderen Stoßdämpfer natürlich weicher ausgelegt und die Dämpfer auch schon mit C-Klipsen versehen, die eine gute Federwirkung ermöglichen. Die Schwingenstifthalter bestehen beim Torment aus stabilem GFK-Plattenmaterial. Es liegen keine weiteren Exemplare bei, die eine Einstellung der Vorspur ermöglichen würden und auch hier gilt: gar nicht nötig. Short Course-typisch sind vorne und hinten große Stoßfänger montiert, die dank ihrer weiten Knautschzone auch stärkere Rempler einfach wegstecken sollten.

Das alles ist am mittleren Chassisblock montiert, der im Grunde aus einem Kunststoff-Formteil besteht. Interessant wäre hier die Bodenfreiheit von 60 Millimeter, die sich allerdings aufgrund der Schutzabdeckung des Lenkservos auf etwa 30 Millimeter reduziert. Andererseits sind am Unterboden keine Kanten oder Ähnliches vorhanden. Alle Übergänge sind mit Rampen abgedeckt, die die Gefahr zum Verhaken am Untergrund minimieren. Der Empfänger ist über dem Lenkservo sicher in einer verschraubten Box untergebracht und der Regler bekam sogar eine höher gelegte, exponierte Plattform spendiert. Das würde die Wattiefe im Wasser deutlich erhöhen, wenn das Lenkservo dann nicht komplett unter Wasser wäre. Doch der ECX Torment ist ja nicht zum Schwimmen, sondern zum Fahren gebaut.

Und genau darum geht es etwa zwei Stunden nach dem Anstecken des Akkus an das Ladegerät. Der Akku passt dank beigelegter Moosgummi-Einsätze saugend in sein Fach. Vor dem Anstecken sollte man allerdings kontrollieren, ob die Trimmungen auf null stehen, da auch der Regler bereits vorprogrammiert wurde. Rechts vorne am Sender befindet sich der kleine Drehgeber St.Rate, mit dem sich der Gesamtweg des Lenkservos einstellen lässt. Den kann man jedoch getrost auf vollem Ausschlag belassen. Da die Lenkung wie auch das Gas in der richtigen Richtung wirken, befördert ein lockerer Schwung aus dem Handgelenk den Torment in den Staub.

Vollgas
Der ECX Torment von Horizon Hobby ist ganz klar als Einsteiger-Truck gebaut. Er ist von vornherein auf einfaches und unkompliziertes Handling ausgelegt – auch von der Motorleistung her. So beschleunigt der Torment erwartungsgemäß und bleibt dabei stabil in der Spur und natürlich jederzeit beherrschbar. Der Controller regelt sehr feinfühlig und in Kurven spricht die Lenkung präzise an, ohne jedoch in irgendeiner Weise nervös zu reagieren oder gar ein Übersteuern zu provozieren. Ganz im Gegenteil: Bremst man vor Kurven ab, kann man das Heck gezielt ausbrechen lassen und die Kurve mit Vollgas meistern. Das macht Spaß und schult auch die Reflexe.

Ein echtes Sahnestück ist das Fahrwerk. Es schluckt alle Stöße sanft weg, ohne die Fuhre springen zu lassen. Andererseits: Springt man über eine Rampe, bleibt der Truck sauber in der Bahn, lässt sich sogar etwas im Neigungswinkel beeinflussen und setzt danach sauber auf. Dabei dürfen die Sprünge gerne auch höher sein, denn die Dämpfer schlucken die Stöße ohne Aufspringen gut weg. Nach vielen ge- und missglückten Sprüngen stand fest: Die Konstruktion ist robust und zuverlässig. Nach etwa zehn Minuten ist der Fahrspaß vorbei und schlagartig der Wunsch nach einem zweiten Akku vorhanden.