Deuce ist der englische Ausdruck für Teufel. Diesen Begriff kennen Sportenthusiasten zudem vom Tennis, wo er für Einstand steht. Musikfans erinnert er an die gleichnamige, mittelmäßig erfolgreiche britische Pop-Gruppe aus den 1990er-Jahren und Motorradverrückte denken direkt an eine Harley-Davidson, genauer gesagt an ein Modell der Softail-Baureihe. RC-Car-Fahrer verbinden mit Deuce ab sofort einen 1:8er-Buggy in Elektro- und Verbrennerversion, der neben einer schicken Optik auch technisch viel zu bieten hat. Ausgeliefert wird der Elektro-Buggy als RTR-Modell inklusive einer ausführlichen, reich bebilderten Anleitung sowie einer 2,4-Gigahertz-Zweikanalfernsteuerung. Alles, was noch fehlt, sind acht Mignonzellen für die Funke und zwei 2s-LiPos. Dann kann es theoretisch direkt losgehen.
Blickpunkte
Befreit man den Deuce E von seiner Umverpackung, präsentiert sich einem ein Buggy mit einer schlichten, in Gold, Schwarz, Weiß und Grün gestalteten Karosserie mit durchsichtigen Scheiben, die einen ersten Blick auf das Chassis ermöglichen. Der großdimensionierte Heckspoiler, der mit einem symmetrischen Muster in Grüntönen gestaltet ist, rundet in Kombination mit den weißen Felgen die Optik ab. So viel zur Ästhetik des Modells. Viel wichtiger ist jedoch, was sich unter der Karo verbirgt.
Entfernt man die Haube des Deuce E kommt ein aufgeräumtes Elektro-Chassis zum Vorschein, das auf einer soliden, 3 Millimeter starken Aluminium-Chassisplatte basiert. Diese ist an beiden Seiten mit je einem Spritzschutz versehen. Dadurch wird effektiv das Eindringen von Wasser und gröberem Schmutz verhindert. Vorne links sitzt das Herzstück des Buggys, der Brushlessmotor. Angesteuert wird dieser vom Regler, der auf einer Halterung über dem Mitteldifferenzial platziert ist. Relativ hoch unter der Karo ist die sensible Elektronik vor Schmutz und Wasser sicher – nicht die schlechteste Lösung. Weiter geht’s. Auf der gegenüberliegenden Chassisseite finden sich die Empfängerbox sowie das stehend verbaute Lenkservo inklusive einer Lenkmechanik, die mit wenig Spiel arbeitet.
Der Bereich hinter Motor und Servo ist für die beiden Fahrakkus reserviert. Die Akkuhalterungen sind ab Werk mit jeweils drei Klettbändern bestückt, die die Energieriegel sicher an Ort und Stelle fixieren. Um zwei 2s-LiPo-Akkus an den Regler anzuschließen, ist ein Y-Kabel vonnöten. Dieses kann man beim Modellbauhändler des Vertrauens erstehen oder aber mit wenig Aufwand selber fertigen.
Auf Achse
Solide präsentieren sich auch die Dämpferbrücken des Deuce E. Sie bestehen aus Aluminium, sind 5 Millimeter stark und sicher mit den Gehäusen der Achsdifferenziale verschraubt. Sie bieten zudem jeweils drei Aufhängungspunkte für die großvolumigen Big-Bore-Dämpfer. An den unteren Querlenkern finden sich zwei weitere Befestigungspunkte. Diese erlauben ambitionierten RC-Car-Fahrern, Setup-Veränderungen vorzunehmen und den Racer auf die Strecke einzustellen. Die Dämpfer selber sind ab Werk gut mit Öl befüllt und mit harten Federn bestückt. Die Vorspannung selbiger wird über C-Klipse angepasst, die dem RTR-Set in ausreichender Menge beiliegen.
Sowohl die Vorder- als auch die Hinterachse basieren auf unteren Querlenkern, die in Schwingenform ausgelegt sind, während oben Pendants in Form von Gewindestangen verbaut sind. Diese ermöglichen die Einstellung von Sturz sowie Spur und lassen sich an drei Punkten an der Dämpferbrücke montieren. Der positive Gesamteindruck wird von den serienmäßig verbauten Stabilisatoren an beiden Achsen unterstützt. Die Stabis, die das Fahrverhalten eines RC-Cars nachhaltig verbessern können, sind häufig leider nur Teil eines umfangreichen Tuning-Sortiments. Nicht so beim Deuce E. Bei dem Buggy ist alles verbaut, was nötig und gewünscht ist. Wer auf ein Tuning dennoch nicht verzichten möchte, kann zum Beispiel die Dämpferbrücken oder die Mitteldiffplatte durch Carbonteile ersetzen. Zudem kann man die oberen Querlenker, das Lenkungsset und auch die Karohalter durch Gegenstücke aus Alu ersetzen. Wie gesagt, man kann – muss es aber nicht. Auch ohne weitere Parts bietet der Deuce E einen hochwertigen Materialmix bei einem gleichzeitig moderaten Preis.
Sowohl vorne als auch hinten werkelt ein ordentlich dimensioniertes Kegelraddifferenzial. Dieses ist in Vierspider-Bauweise ausgeführt, ab Werk ordnungsgemäß mit Öl befüllt und absolut dicht. Das Diff in Kombination mit dem Zehnzähne-Ritzel, das mit dem Outdrive in Richtung Chassismitte verbunden ist, garantiert den Allradantrieb des Buggys und ist sehr leichtgängig. Während hinten Antriebswellen in Knochenbauweise die Diff-Outrives mit den Radachsen verbinden, sind vorne CVD-Antriebskardans verbaut und mit einem Splint an den Sechskantradmitnehmern befestigt. Auf diesen finden die Buggyreifen Halt. Sie sind dreiteilig ausgeführt und bestehen aus weißen Sechsspeichenfelgen, einer Reifeneinlage sowie den mit Noppen versehenen Pneus. Diese sind werkseitig verklebt. Nacharbeiten sind nicht erforderlich. So wie es sein sollte. Beide Achsen sind über solide ausgeführte Kunststoffstreben mit der Chassisplatte verbunden und garantieren eine hohe Verwindungssteifigkeit. Der großdimensionierte Heckspoiler, der über zwei Streben mit der hinteren Dämpferbrücke verbunden ist, sorgt während des Fahrbetriebs für ordentlichen Anpressdruck auf der Hinterachse.
Zentralstück
Von den Achsen führen Knochenwellen zum Mitteldifferenzial, das ebenso wie die Achsdiffs in Vierspiderbauweise ausgeführt ist. Fixiert wird es durch die Kombination aus Motor- und Differenzialhalterung. Beide Elemente sind über die Mitteldiffplatte miteinander verbunden. Auf dieser findet der Regler Platz, dazu aber später. Das Zahnflankenspiel zwischen dem 15-Zähne-Ritzel und dem mit 44 Zähnen ausgestatten Mitteldiff ist werkseitig eingestellt und muss nicht korrigiert werden.
Beim Motor handelt es sich um ein leistungsstarkes, sensorloses Aggregat, das eine Drehzahl von 1.900 Umdrehungen pro Minute und Volt realisiert. Verbunden ist der Motor mit dem erhöht platzierten, mittels doppelseitigem Klebeband und Kabelbinder befestigten Brushlessregler Quirius SE 1:8. Dieser ist aktiv gekühlt und verkraftet einen Dauerstrom von 80 Ampere. Betrieben werden kann er mit einer Spannung von 14,8 Volt, was einem 4s- oder zwei 2s-LiPo-Akkus entspricht. Der Einsatz eines 4s-Akkus bedeutet zwar, dass kein Y-Kabel zum Anschluss von zwei Energiespendern benötigt wird, jedoch leiden die Balance des Chassis und damit einhergehend die Fahreigenschaften des Buggys darunter deutlich, da der Deuce zwei Akkuboxen – eine rechte und eine linke – besitzt.
Der Dreikanal-Empfänger R5, der vorbildlicherweise mit 2,4-Gigahertz-Technik arbeitet, ist in einer staub- und spritzwasser geschützten Box platziert, die sich an das Lenkservo anschließt. Letzteres verfügt über 6-Kilogramm-Stellkraft und ein robustes Metallgetriebe. Die Lenkbefehle setzt es mit Hilfe einer, nahezu spielfreien Lenkmechanik um. Diese basiert auf zwei Befestigungsstreben, die die Servosaver-Mechanik aufnehmen. Letztere schützt das Getriebe des Servos vor Leistungsspitzen und garantiert so eine lange Lebensdauer. Dank Spurstangen mit Gewinde kann auch hier am Setup gearbeitet werden. Abgedeckt wird die Lenkmechanik von einer Kunststoffplatte, die das vordere Diffgehäuse mit den Servosaver-Streben verbindet. Dies trägt zur Verwindungssteifigkeit der Gesamtkonstruktion bei und dient zudem zur Aufnahme der vorderen Karosseriehalterung. Buggy-typisch setzt sich die Karosserie über eine Lexanzunge, die vor der vorderen Dämpferbrücke platziert ist, fort. Der kleine Frontrammer, der vor der vorderen Schwingenstifthalterung platziert ist, ist ebenfalls klassentypisch.
Angefunkt
Da der Deuce E als RTR-Modell ausgeliefert wird, darf natürlich auch eine Funke nicht fehlen. Zum Set gehört die Ansmann W5. Bei ihr handelt es sich um eine 2,4-Gigahertz-Funkfernsteuerung, die über zwei Kanäle und die üblichen Einstelloptionen wie Trimmungen, Dualrate und Servo-Reverse verfügt. Zum Betrieb werden acht Mignonzellen benötigt. Die Pistolenfunke liegt gut in der Hand und sämtliche Bedienelemente inklusive des Ein-aus-Schalters befinden sich unter einer Rauchglasabdeckung auf der Oberseite.
Genug der schönen Worte, Taten sollen eine klare Sprache sprechen. Die W5 wird mit acht Batterien bestückt, der Buggy selbst mit zwei 2s-LiPos mit einer Kapazität von jeweils 5.000 Milliamperestunden. Die Energiespender lassen sich dank der Klettverschlüsse unkompliziert in den Halterungen platzieren. Funke an, Modell an und schon signalisiert ein Zucken des Lenkservos, dass der Bindeprozess erfolgreich abgeschlossen ist.
Das Lenkservo spricht knackig an und setzt die Lenkbefehle schnell und souverän um. Nach einigen Trimmkorrekturen und dem Reichweitentest kann es auch schon losgehen. Ein beherzter Zug am Gashebel und der Buggy rauscht davon. Die Power der Brushlesscombo kann sich sehen lassen und die Räder bauen genügend Grip auf, um die Kraft auch auf den im Moment noch glatten Untergrund der heimischen Auffahrt zu bringen. Da das Jagdrevier des Deuce natürlich die Sandgrube ist, und keine befestigte Straße, soll er dort zeigen, wie viele Gene er vom Wettbewerbsmodell X8E von Ansmann geerbt hat.
Sandstorm
Offroad zeigt der 1:8er-Buggy dann, was er kann und wofür er gebaut wurde. Das Fahrwerk bügelt alle Unebenheiten der Strecke mühelos aus. Dabei legt der Bolide ein überaus neutrales Fahrverhalten an den Tag. Vollgaspassagen über unebenen Untergrund gelingen wie schnelle Kurvenfahrten mühelos. Dabei bleibt der Deuce jederzeit gut kontrollierbar und zeigt nur selten die Tendenz auszubrechen. Kommt es doch mal soweit, kann das Modell mit vorsichtigen Lenk- und Gasbefehlen wieder auf Kurs gebracht werden.
Die genoppten Reifen krallen sich nahezu in jeden Untergrund und sorgen auf losem Sand für das Entstehen wahrer Sandfontänen. So neutral wie sein Fahrverhalten, so neutral verhält er sich auch bei Sprüngen. Die Kraft des Antriebs garantiert schon bei kleinen Rampen und ohne langen Anlauf weite Flüge. Dabei liegt der Deuce wie ein Brett in der Luft, sodass Korrekturen über den Gaszug nur in den seltensten Fällen nötig sind. So macht das Spaß. Das Ganze endet vorläufig nach zwanzig Minuten, weil der Antrieb die beiden LiPos ausgelutscht hat. Bevor es weitergeht mit Runde zwei, steht die Begutachtung des Boliden an.
Abgesehen davon, dass die Karo des Buggys von einer dicken Sandschicht überzogen ist, gibt es äußerlich keine Beanstandungen. Das Chassis ist dank der Schmutzfänger von eindringendem Sand verschont geblieben. Der Motor, der weder aktiv noch passiv belüftet wird, ist auf normaler Betriebstemperatur – nichts, worüber man sich Gedanken machen müsste. Und auch sonst sind weder am Chassis selber noch an den Achsen Verschleißerscheinungen zu erkennen. Lediglich die Radmuttern verlangten danach, wieder festgezogen zu werden.