Das Königsklassen-Treffen in Luxemburg

Euro-Sport

Erstellt am: 19. Oktober, 2011

Kategorie: Aktuell, Szene

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François Legrand

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François Legrand

Das Königsklassen-Treffen in Luxemburg

In der letzen Juliwoche traf sich die internationale Fahrerelite der Klasse 1:8-Onroad zur jährlich stattfindenden Europameisterschaft. Trotz zahlreicher Konfusionen, ausgelöst durch die Reifenproblematik, schienen die Titelanwärter von vornherein festzustehen. Letztlich ging der Sieg aber an einen Fahrer, dem viele weder den Kampfgeist noch die Speed für einen weiteren Titel zugetraut haben.

Austragungsort war nach 2004 zum zweiten Mal die sehr schöne Strecke des Luxemburger Modell Car Clubs (www.lmcc.lu), unweit von Luxemburgs Zentrum. Die 310 Meter lange Piste wurde 2006 durch eine Berg- und Talpassage mit Linkskehre erweitert, die der bereits bestehenden Schlüsselstelle, dem so genanten Laguna-Seca-S, unmittelbar folgt. Eine weitere Änderung wurde ausgangs der Steilkurve durchgeführt, wo die Rechts-links-Kombination stärker ausgeprägt wurde, um etwas Tempo aus dem Teilstück zu nehmen. Ansonsten ist das Layout relativ flüssig sowie schnell und es gilt, möglichst viel Speed mit aus den Kehren zu nehmen, um schnelle Rundenzeiten zu erzielen. Das bereits großzügige Fahrerlager wurde eigens für die EM durch ein Zelt erweitert, ein Containerbau diente für regelmäßige Teammanager- und EFRA-Meetings, sowie als Pressestelle.

Zeitplan
Bereits am Montag waren die meisten der 117 Fahrer vor Ort, sodass ab dem ersten Tag der Fahrerstand gut besucht war. Trotz des recht bescheidenen Wetters blieb die Veranstaltung vom Regen meist verschont. Lediglich am Mittwochabend mussten die letzte Gruppe nach einem starken Schauer auf den Trainingslauf verzichten und die offizielle Eröffnungszeremonie um eine Stunde verschoben werden. Donnerstagnachmittag begann nach dem letzten gezeiteten Training der spannende Teil mit dem ersten Qualifikationslauf. Freitag folgten dann drei weitere, bevor am darauffolgenden und letzten Tag die Finalläufe stattfanden.

Dario Balestri fuhr bereits im ersten Vorlauf seine beste Zeit, womit er sich auch die Poleposition im Gesamtranking sichern sollte, die Robert Pietsch im letzten Anlauf um nur drei Zehntelsekunden verpasste. Lamberto Collari war der einzige Fahrer, der ebenso wie Dario und Robert 26 Runden erzielte und mit Platz drei seine Ambitionen auf das Siegerpodest ankündigte. Eric Dankel, der schon bei der Weltmeisterschaft eine klasse Leistung zeigte, steuerte seinen XRAY RX8 mit 25 Runden und zwei Sekunden Überzeit auf Platz vier, was nach altem Reglement den letzten Direktqualifikationsplatz bedeutet hätte. Somit teilten sich zwei Italiener und zwei Deutsche die ersten vier Plätze, gefolgt vom WM Finalisten Simon Kurzbruch aus der Schweiz und den stark auftretenden Belgiern, Robin D’Hondt und Ilia van Gastel. Aus deutscher Sicht ebenfalls sehr erfreulich, war der zehnte Platz von Tobias Hepp, der die gesamte Woche über mit guten Rundenzeiten überzeugen konnte. Wie eng das erstklassige Fahrerfeld zusammenlag, zeigen die Platzierungen von Daniele Lelasi, Michael Salven, Mark Green und Alberto Picco, die mit 25 Runden und einer 8er- beziehungsweise 9er-Überzeit nicht über die Positionen 17 bis 20 hinauskamen.

Die Semis
Wie üblich, wurde mit dem Halbfinale B begonnen, das 20 Minuten dauerte. Von Position eins gestartet, übernahm Robert Pietsch erwartungsgemäss die Führung. Dahinter bildeten Eric Dankel, Michael Salven, Adrien Bertin und Robin D’Hondt eine schnelle Gruppe mit spektakulären Positionskämpfen, denen Michael Salven mit einem sehenswerten Überholmanöver am Ende der Geraden die Krone aufsetzte. Tobias Hepp war ebenfalls gut unterwegs und hatte Chancen auf den Einzug ins Finale, als er in der 13. Minute sein Auto in den Fangzaun schoss und der Motor ausging. Der Italiener Alessio Mazzeo war inzwischen auf Platz drei vorgefahren, als auch er seinen Traum vom Finale wegen eines Getriebeschadens begraben musste. Das Gleiche galt für Adrien Bertin, dessen Motor den Dienst quitierte. Letztlich gewann Robert vor Eric und Robin. Der Holländer Rick Vrielijnck, der kurz vor dem Start eine Auszeit zum Wechseln des Motors genommen hatte, kam auf Position vier vor Michael Salven, der kurzzeitig auf Platz acht zurückgefallen war, sich dann aber wieder auf die Fünf vorarbeiten konnte. Der Abstand zwischen D’Hondt, Vrielijnck und Salven betrug jeweils nur eine Sekunde.

Nur wenige Minuten später wurde das Halbfinale A gestartet, das weniger spannungsgeladen, dafür aber schneller war als das erste. Dario Balestri zog an der Spitze souverän seine Runden, während Lamberto Collari und Ilia Van Gastel um die weiteren Plätze kämpften. Dazwischen gesellte sich Michele Romagnoli, der aus dem inzwischen entstanden Dreikampf den meisten Nutzen zog. Lamberto, der immer zwei Runden später als der Rest des Felds zum Tanken kam, hatte ein wenig Boden verloren und fand sich auf Position vier, hinter Ilia wieder. Der Zieleinlauf lautete dann auch Balestri, Romagnoli, Van Gastel und Collari. Platz fünf belegte Simon Kurzbruch vor einem überglücklichen Oliver Mack, der sich aus dem Achtelfinale kommend, aufgrund des besseren Halbfinalergebnisses als Michael Salven, den letzten Platz im Finale sichern konnte.

Endlauf
Nach der einstündigen Pause zwecks Vorbereitung der Fahrzeuge, hob sich um 17.40 Uhr die Startflagge für das Finale, das 45 Minuten dauern sollte. Temperaturen um 16 Grad Celsius und ein stark bewölkter Himmel bildeten nicht gerade die besten Vorraussetzungen. Trotzdem hatten die wenigsten tatsächlich mit Regen gerechnet und dementsprechend keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Bereits in der ersten Runde wurde Polesetter Balestri in einen Zwischenfall verwickelt, der ihn auf Platz sechs zurückwarf, während der Rest des Vorderfelds um jeden Meter kämpfte. In der zehnten Runde legte Pietsch seinen Mugen aufs Dach, wodurch er auf den sechsten Platz zurückfiel, Balestri war inzwischen wieder Vierter. Nach fünf Minuten erwischte es Eric Dankel. Sein XRAY war aufgrund unerklärlicher Probleme nahezu unfahrbar, sodass er auf den letzten Platz zurückfiel. Nach etwa elf Minuten ­führte Ilia Van Gastel vor Robert Pietsch. Gleichzeitig fiel Michele Romagnoli nach einem heftigen Abflug in die Boxengasse auf den neunten Platz zurück.

Spätestens nach dem zweiten Boxenstopp war vielen klar, dass Collari eine andere Strategie hatte als seine Mitstreiter, denn während die gesamte Spitze im Vier-Minuten-Rhythmus an die Box kam, blieb Lamberto stets viereinhalb Minuten auf der Strecke. Nach 15 Minuten lautete die Reihenfolge Van Gastel, Pietsch, Balestri und Collari auf Platz vier. Nur fünf Minuten später, kurz vor seinem Boxenstopp mit Reifenwechsel, ging Balestri an Pietsch vorbei, doch der konnte nur ein paar Kurven später kontern. Ein Fahrfehler in der 25. Minute warf ihn aber auf Platz vier zurück. Plötzlich überschlugen sich die Ereignisse, als bei Balestri während des Boxenstopps ein Getiebeproblem konstatiert und er auf Platz acht zurückgereicht wurde. Nur wenige Minuten später blieb der Mugen von Robert Pietsch auf der Bahn stehen. Mehrere Startversuche blieben ohne Erfolg. Wie sich später herausstellte, war der Pleuel seines Novarossi-Motors defekt. Noch acht Minuten zu fahren und auf der Bahn waren nur noch fünf Fahrzeuge.

Collari, der bis dahin ein unauffälliges Rennen fuhr, führte nun mit einer dreiviertel Runde vor Van Gastel und Vrielijnck, gefolgt von Romagnoli und Mack, die beide von der Ausfallserie profitierten. Die Positionen blieben bis zum Zieleinlauf unverändert und somit hieß der neue Europameister Lamberto Collari, der sich nach einer für ihn sehr enttäuschenden Weltmeisterschaft, eindrucksvoll zurückmeldete und mit 15,918 Sekunden außerdem einen neuen Bahnrekord aufstellte.

Boliden
Der MRX5 von Mugen war sehr gut vertreten und wurde teilweise bereits in der WM-Edition eingesetzt, die einige Upgrades und eine neue Kupplung beinhaltet. Einen sehr guten Eindruck hinterließ erneut der Capricorn LAB C801, den Dario Balestri auf die Poleposition steuerte. Das Chassis wurde auch von Adrien Bertin nahezu unverändert eingesetzt, der eigentlich bei Kyosho unter Vertag steht.

Apropos Kyosho: der Evolva wirkt im Vergleich zu den neueren Modellen der Konkurrenz etwas betagt. Collaris Sieg beweist aber, dass die Japaner nach wie vor konkurrenzfähig bleiben. XRAYs RX8, der erst im Frühjahr auf der Spielwarenmesse vorgestellt wurde, kommt immer besser in Fahrt. Eric Dankel, Martin Hudy, Adrian Berntsen und Tobias Hepp konnten sich unter den ersten 15 platzieren. Bis auf eine modifizierte Radioplatte, neue Lenkhebel und eine überarbeitete Kupplung, wurden die Chassis serienmäßig eingesetzt.

Der 966 von Serpent wurde – ebenso wie der Mugen – mit einigen neuen Teilen bestückt, die schon bei der WM zum Einsatz kamen. Die so genannte Team-Edition beinhaltet ein verbessertes Zweigang-Getriebe, eine geteilte Radioplatte über dem Servosaver sowie eine überarbeitete Geometrie an Vorder- und Hinterachse. Eine perfekte Teamleistung zeigte Shepherd mit seinem Velox V8. Als einziger Hersteller war er im Finale mit drei Chassis vertreten..

Aggregate
Bei den Motoren scheint an Novarossi, ob als Originalprodukt oder als Zulieferer verschiedener Vertriebspartner, kein Weg vorbei zu führen. Firmen wie Picco oder Sirio können trotz guter Leistung dem Konkurrent in Sachen Stückzahlen nicht das Wasser reichen. Relativ neu ist die Firma O.S. nun auch zunehmend im Onroad-Bereich zu sehen. Die Japaner, die im Offroad-Sektor aufgrund ihrer Qualität ein sehr hohes Ansehen genießen, scheinen nun auch bei den Flachbahnern ein Wörtchen mitreden zu wollen. Diese Theorie untermauert die Präsenz zweier Mitarbeiter von O.S., die extra aus Japan angereist waren.
Das zentrale Thema bildeten erneut die Reifen. Abgesehen von dem illegalen Schmieren, war das Behandeln der Felgen die Attraktion der EM. Mittels eigens angefertigter Werkzeuge wurden diese auf der Innenseite regelrecht ausgeschabt, sodass die Materialstärke stark schrumpfte. Das Ergebnis war ein deutlich weicheres Komplettrad, das mehr Griff aufbaut, auf den Curbs einfacher zu fahren ist und letztlich einen Zeitgewinn von zwei bis vier Zehntel Sekunden pro Runde bringt.

Eine schlichte Siegerehrung am frühen Samstagabend bildete den Abschluss einer ebenso interessanten wie ereignisreichen Veranstaltung. Das Herstellermeeting der EFRA hat gezeigt, dass sowohl in sportlicher und finanzieller als auch umweltpolitischer Hinsicht von allen Beteiligten neue Denkansätze gefordert sind, um langfristig den Erhalt der Königsklasse im RC-Car Sport zu sichern.